Trebgast
Kabarett

Rolf Miller hat für jede Lösung ein Problem

Rolf Miller kann wie kein anderer Banales so kompliziert ausdrücken. Das bewies er auch auf der Trebgaster Naturbühne.
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Rolf Miller gab seinen Fans bereitwillig Autogramme. Foto: Werner Reißaus
Rolf Miller gab seinen Fans bereitwillig Autogramme. Foto: Werner Reißaus
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Rolf Miller wird völlig zu Recht als der konsequenteste Minimalist der deutschen Kabarettbühnen bezeichnet. Dass der Mann wie kein anderer Banales so kompliziert ausdrücken kann, bewies er am Sonntagabend auf der Naturbühne Trebgast. Die knapp 300 Besucher waren begeistert.


Ein Stuhl und ein Glas Wasser


Ein Minimalist ist Rolf Miller auch hinsichtlich seiner Requisiten: Ein Stuhl und eine Flasche Wasser genügen ihm. Und ihm genügen drei Personen, die sich wie ein roter Faden durch sein Programm ziehen: Der Achim, der Jürgen und der Apparat, das ist die Schwester der beiden. "Sie haben die gleiche Mutter, nur der Vater war auf Montage!"

Bei Miller gibt es einen festen Grundsatz: Für jede Lösung gibt es ein Problem! Auf der Bühne gint er die subjektive Sicht seiner Kunstfiguren zu "Gott und die Welt" in seiner odenwälder Mundart zum Besten. Er behandelt gesellschaftlich relevante Themen. Sein Markenzeichen sind sie unvollständigen, meist abrupt endenden Sätze. Seine Gedankensprünge sind einfach, aber köstlich - und meist lauert hinter seinen künstlichen Pausen auch die Pointe. Der Gewinner des deutschen Kabarettpreises spricht hinterhältig indirekt Wahrheiten aus. Das sitzt.


Panikartiges Entspannen


Seinen Einstieg in sein aktuelles Programm "Alles andere ist primär" fand Rolf Miller mit seinem Freund Jürgen, für den sich plötzlich zwei Jobmöglichkeiten auftun, aber eben eine zu viel. Immer wieder spricht er sein Publikum an, fordert es auf, einfach einmal "panikartig zu entspannen". Dann beschäftigt er sich mit Statistiken. So sei erwiesen, dass sich Beziehungen dann am längsten halten, wenn beide Partner in einer festen Partnerschaft sind. Und schnell fügt er hinzu: "Warum ist die Scheidung so teuer? Weil sie es wert ist!" Und damit ist klar: "In meinem nächsten Leben beschäftige ich mit Frauen nicht mehr stationär, sondern ambulant."

Als früherer Fußballer wagt sich Rolf Mlller auch auf das Parkett der Bundesliga: "Pep Guardiola passte nicht zu den Bayern, der war einwandfrei!" Und schließlich bekam auch der "Star" unter den Sportreportern, Bela Rethi, sein Fett weg: "Der hat nie das gleiche Spiel wie ich gesehen. Wahrscheinlich hat er heimlich Erzgebirge gegen Aue geschaut."


"Nur der Hässliche ist treu"


Ab und zu warf Miller schnell einen witzigen Spruch ein. Beispiel: "Sagt der Ossi zum Wessi: Wir sind ein Volk. Sagt der Wessi: Wir auch!"

Und wer sich noch an die achtziger Jahre erinnern könne, habe nichts erlebt. Mit wenigen Worten streifte Miller die Flüchtlingsproblematik und griff eine Aussage von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer auf: "Ihr könnt gern kommen, aber bleibt, wo ihr seid!"

Was eine "Wodka-Diät" ist, wusste Miller auch: "Du verlierst zehn Tage in einem Monat!" Als Junge habe er immer von Geld und Reichtum geträumt. Heute stehe für ihn fest: "Der Reiche ist ehrlich, der Hässliche treu!"
Am Schluss outete sich der Wortakrobat noch als nordbayerischer Westfranke, der seinen Besuchern attestierte: "Sie waren sehr gut, ich war auch da!"




"Kein Mensch spricht in ganzen Sätzen"


Am Rande seines Auftritts auf der Naturbühne haben wir uns mit Rolf Miller kurz unterhalten.

Herr Miller, wie sind Sie zum Kabarett gekommen?
Rolf Miller: Die Frage habe ich schon so oft beantwortet, aber die richtige Antwort ist so kompliziert, die kann man nicht schreiben. Ich stelle die Gegenfrage: Warum wird man nicht Kabarettist? Für mich war es ganz logisch, dass ich das Leben nicht ernst nehme.

Haben Sie die Kunst, Banales kompliziert auszudrücken, von heute auf morgen beherrscht?
Ich behaupte, dass der Halbsatz der Normalfall ist, nur merken wir das nicht. Kein Mensch spricht in ganzen Sätzen. Nur, wenn wir das auf der Bühne hören, denken wir, das ist was Besonderes. Dabei denke ich vielmehr die Normalität als meine Kollegen. Den Halbsatz, den ich auf der Bühne spreche, nehme ich mir so nicht vor, das ist an jedem Abend verschieden, aber es klingt sehr natürlich. Ich weiß am Anfang nicht, wie der Satz endet. Kein Mensch weiß das.

Sind Sie der Meinung, dass es zu viele Kabarettisten gibt?
Also, mir ist es lieber, wenn ein paar zu viel da sind, als ein paar zu wenig. Ich bin froh, dass es bei uns diese Vielfalt gibt, allerdings ist es für das Publikum ganz schwer herauszufinden, wer ein Zwei-Stunden-Programm hat, das wirklich trägt.

Sie touren durch ganz Deutschland?
Ja, wobei ich lieber in Süddeutschland spiele, weil hier die Mentalität anders ist. Dort, wo süddeutscher Dialekt gesprochen wird, kommen die Leute auch schneller mit.

Sie haben früher Fußball gespielt?
Ja, neulich durfte ich sogar auf Sky das Spiel Hoffenheim gegen Ingolstadt mitmoderieren. Ich habe dort gesagt, ich sei nur deshalb Komiker geworden, weil ich es nicht zum Profi geschafft habe. Das hätte aber bei jedem anderen Beruf auch gestimmt.

Welchen Kabarettisten schätzen Sie bei uns in Bayern besonders?
Ich bekomme ja nicht alles mit, aber früher waren das Bruno Jonas, Gerhard Polt sowie Django Asül.
was sagen sie zu diesem Thema?
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