Es ist ein schönes Anwesen, das am Schießgraben 15 in Kulmbach steht und bewundernde Blicke anzieht: Doch die schmucke Meußdoerffer-Villa, erbaut im Jahr 1899, hat eine grausige Vergangenheit: Vor 81 Jahren, genau am 4. November 1929, wurde hier Margarete Meußdoerffer ermordet. Der Tat verdächtigt wurde zunächst ihr Ehemann, der in Kulmbach hochangesehene Kommer zienrat Heinrich Meußdoerffer, der lange gegen die Windmühlen der Justiz kämpfen musste, bis er schließlich freigesprochen wurde.

Die Tragödie als Buch


Woher die "Mord-Villa" ihren Namen hat, wissen heute nur noch einige ältere Kulmbacher. Doch vergessen ist die tragische Geschichte nicht, denn der Kriminalkommissar Gotthold Lehnerdt hat 1933 nach seiner Pensionierung im Verlag "Die Klinge Berlin" den "Fall Meußdoerffer" als Buch veröffentlicht. Er ergreift Partei für den unschuldig verdächtigten Witwer und schildert die dramatischen Ereignisse der Mordnacht sowie die folgende schlampige Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft, die nach seiner Einschätzung allein darauf aus war, den Ehemann zu belasten. "Heinrich Meußdoerffer war in die Maschinerie einer blinden Justitia geraten", schreibt Lehnerdt, der selbst an den Mordermittlungen beteiligt war.

Als Heinrich Meußdoerffer sich am Abend des 4. November 1929 gegen 19.30 Uhr von seiner Frau verabschiedet, um sich - wie jeden Montag - mit Freunden zum Schafkopf in der Gastwirtschaft Angermann zu treffen, ahnt er nichts von der bevorstehenden Tragödie.

Um 22 Uhr geht Margarete ins Bett. Eine halbe Stunde später beendet die Kartrunde ihr Spiel, Heinrich Meußdoerffer geht nach Hause. Wie jeden Abend setzt er sich ins Esszimmer, um noch ein Bier zu trinken. Da hört er aus dem Schlafzimmer Geräusche. Er findet Margarete geknebelt auf dem Bett, zerschneidet ihre Fesseln. Meußdoerffer vermutet Einbrecher, durchsucht alle Räume - ohne Erfolg. Als er seine Frau fragen will, was passiert ist, liegt diese tot auf dem Bett.
Der Schock lähmt den Verstand des Kommerzienrats, und er begeht einen fatalen Fehler: Statt sofort einen Arzt zu holen und die Polizei zu alarmieren, versucht er, selbst alles aufzuklären, befragt die Dienstmädchen. Erst am nächsten Tag ruft er die Polizei, die Tod durch Erstickung feststellt.

Die ganze Geschichte lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Bayerischen Rundschau.