Kulmbach

Quartett jagte Briefkästen in die Luft

Vier junge Leute aus Gefrees und Marktschorgast müssen für ihre illegale Böllerei an Weihnachten 2015 Arbeitsstunden ableisten.
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Foto: Symbolbild
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Für vier junge Leute im Alter zwischen 15 und 19 Jahren war es der Knaller an Weihnachten. Am zweiten Feiertag zogen sie abends mit verbotenen Böllern los und sprengten vier Briefkästen in Gefrees und Bad Berneck. Der Sachschaden belief sich auf mehrere hundert Euro. Vor dem Amtsgericht in Kulmbach gab es bei Jugendrichter Christoph Berner jetzt die Quittung für diese absolut unweihnachtliche Bölleraktion.

Je nach Tatbeitrag und je nach bereits vorhandenen Vorstrafen kamen die jungen Leute mit Auflagen zwischen 25 und 100 unentgeltlichen und gemeinnützigen Arbeitsstunden davon. Der Urteilsspruch lautete auf Sachbeschädigung und vorsätzlichen strafbaren Umgang mit explosionsgefährdeten Stoffen.

Viermal hat es geknallt am Abend des 26. Dezembers: zweimal in Gefrees, zweimal in Bad Berneck.
Der älteste der Angeklagten, ein 19-jähriger Gymnasiast aus Marktschorgast, hatte zusammen mit den anderen die illegalen Böller mit dem sinnigen Namen "La Bomba" in Tschechien besorgt. Zunächst testete man die Sprengkörper auf einem Feld, fand aber keinen Krater vor. Also zogen die Schüler, ein weiterer aus Marktschorgast und die anderen beiden aus Gefrees, los, um Briefkästen in die Luft zu jagen.

Als Erstes nahmen sie sich eine Zeitungsrolle im Gefreeser Ortsteil Falls vor, der Schaden lag entsprechend niedrig bei 25 Euro. Als nächstes musste dann ein richtiger Briefkasten dran glauben, der Schaden lag bereits bei 100 Euro. Zu späterer Stunde stieß dann der 17-Jährige zu der Gruppe, zusammen ließen sie den Sammelbriefkasten eines Mehrfamilienhauses der Gewog in der Bad Bernecker Goldmühlstraße in die Luft gehen.

Den Sachschaden in Höhe von 375 Euro hatte der 17-Jährige bereits von seinem Sparbuch beglichen, entschuldigt hatte er sich auch. Deshalb sollte er mit der niedrigsten Strafe, den 25 Arbeitsstunden, davon kommen. Zu mitternächtlicher Stunde ging noch ein Briefkasten in Heinersreuth bei Bad Berneck hoch, den Schaden bezifferten die Eigentümer auf 80 Euro. Die Vernehmung der vier Angeklagten gestaltete sich äußerst schwierig, so wortkarg war das Quartett. Peinlichst waren alle vier darauf bedacht, dem anderen nichts in die Schuhe zu schieben. Trotzdem räumten alle Angeklagten ein: "Das kommt schon so hin." Wer die Idee hatte, daran konnte sich angeblich niemand mehr erinnern.

Zwei der Angeklagten waren bereits vorbestraft. Der 16-jährige Schüler aus Marktschorgast hatte wegen versuchter Nötigung und wegen einer Bedrohung schon zweimal Arbeitsstunden ableisten und einen Freizeitarrest absitzen müssen. Er bekam deshalb später mit 100 Arbeitsstunden auch die höchste Strafe. Auch der Gymnasiast hatte bereits eine Vorstrafe wegen einer Drogengeschichte, kam aber mit 40 Arbeitsstunden davon, weil er nur Fahrdienste geleistet hatte.

"Das Ganze ist kein Scherz", warnte Jugendrichter Berner. "Es war blöd, ist strafbar und kostet Geld", fand er deutliche Worte. Berner sprach von einer klassischen Jugendverfehlung, weshalb auch ausnahmslos Jugendstrafrecht zur Anwendung gekommen sei. Von einem nochmaligen Arrest gegen den 17-Jährigen, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, sah er ab. Ziel der 100 Arbeitsstunden sei es vielmehr, eine gewisse Struktur in den bisher unstrukturierten Tagesablauf des jungen Mannes zu bringen.

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