Himmelkron
Prozess

Polizei vereitelt Casino-Überfall in Himmelkron

Eine international tätige Bande hatte es auf die Einnahmen der Spielothek abgesehen.Vor dem Landgericht läuft das Verfahren gegen einen Teil der Gangster.
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Hier sollte der Raubüberfall stattfinden: im Joker Casino im Himmelkroner Gewerbegebiet. Foto: Stephan Tiroch
Hier sollte der Raubüberfall stattfinden: im Joker Casino im Himmelkroner Gewerbegebiet. Foto: Stephan Tiroch
Achtung, das ist kein Krimi, keine Fiktion. Das ist Realität. Organisierte Kriminalität in Deutschland: Eine international agierende Bande hat einen Raubüberfall in Himmelkron geplant. Die Kosovo-Albaner haben es auf die Einnahmen einer Spielothek im Gewerbegebiet abgesehen.


Waffen am Mann

Die Männer - drei aus Hannover angereist, zwei aus Belgien - sitzen am Vorabend des 29. Juni 2016 in einer Eisdiele in der Bayreuther Bahnhofstraße. Sie wollen den Tatplan für den Überfall im Joker Casino besprechen. Neben Eis und Getränken mit am Tisch: zwei geladene Waffen.

Die Bande trifft sich mit einem Mann, der ebenfalls aus dem Kosovo stammt, und dessen deutscher Freundin. Die beiden Bayreuther - inzwischen verheiratet - sollen die Tätergruppe mit Informationen versorgen. Dafür hätten sie zehn bis 20 Prozent der Beute bekommen. Die Frau kennt sich in der Spielhalle gut aus. Sie hat dort gearbeitet und weiß, wann das Geld abgeholt wird.


Über 20.000 Euro in der Kasse

Am nächsten Tag hätten die Männer zugeschlagen, so die Planung. Gleich morgens um 7.30 Uhr. Vermummt und mit den Waffen im Anschlag wollten sie von den Angestellten die Herausgabe des Geldes fordern. 20.500 Euro wären in der Kasse gewesen.

Doch zur Tatausführung kommt es nicht. Beim Tête-à-Tête in der Eisdiele tauchen bewaffnete Polizisten auf. Es ist 19.10 Uhr. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) stürmt die Bar und nimmt die überraschte Bande fest. Die Polizei vereitelt den Raubüberfall.


Drahtzieher in Belgien?

Die Verdächtigen sind bis auf die Bayreutherin ausnahmslos Kosovo-Albaner, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Hier geht es um ein Netzwerk, das in großem Stil Einbruchdiebstähle in ganz Deutschland begangen hat. Ein Teil der Bande stammt aus Hannover, dem dort der Prozess gemacht wird - auch wegen anderer Delikte. Ein anderer Teil kommt aus Belgien, wo die Polizei den Drahtzieher, "Onkel Hasha" genannt, vermutet.

Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bayreuth läuft derzeit das aufwendige Verfahren. Angeklagt sind die beiden Belgier, die keinerlei Angaben machen, und das Bayreuther Informantenpaar, bei dem im Wäscheschrank eine Waffe und ein Elektroschocker gefunden wurden. Mit Ausnahme der Frau sitzen die Angeklagten, die im Gerichtssaal Fußfesseln tragen, in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet: Verabredung zum schweren Raub und unerlaubter Waffenbesitz. Der Casino-Prozess soll bis 22. März dauern; weitere elf Verhandlungstage sind geplant.

Die Verteidiger des Paares aus Bayreuth - darunter der Kulmbacher Rechtsanwalt Werner Brandl - bestreiten eine Mittäterschaft ihrer Mandanten. In ihrem Fall komme nur Beihilfe in Betracht.


Verdächtige wurden überwacht

Die niedersächsische Polizei war bereits seit Ende 2015 an der Bande dran. In Hannover ging man davon aus, einer größeren Sache auf der Spur zu sein. Die Kosovo-Albaner wurden observiert, ihre Telefongespräche abgehört, Umfeld und Kontaktpersonen überwacht.

Der Bayreuther Kriminalhauptkommissar, der die Ermittlungen leitete, brachte zu seiner Aussage gestern einen großen Karton voller Leitz-Ordner mit. Dort sind die Erkenntnisse der Polizei dokumentiert. "Wir wussten, dass etwas bevorsteht", so der Zeuge.

Aber die Verdächtigen ahnten offenbar nicht, dass man ihnen ganz dicht auf den Fersen ist. Die Kripo überwachte die Telekommunikation und hörte mit bei den Anweisungen von "Onkel Hasha" an einen gewissen "Shemi", den "Teamleiter" vor Ort. Klarnamen und Adressen wurden vermieden, dafür aber mehrmals die SIM-Karten gewechselt.

Außerdem hatte die Polizei nach Angaben des Zeugen die Zielpersonen, deren Fahrzeuge und eine gemietete Wohnung im Blick. Der Hauptkommissar verlas das Protokoll der Observierung am 28. Juni 2016.


Das Protokoll der Observierung

Es war der Tag vor dem geplanten Überfall. 17.21 Uhr: Drei Männer fahren mit einem Skoda Superb auf der A9 von Nürnberg nach Bayreuth. 18.14 Uhr: Abfahrt von der Autobahn bei Bayreuth Süd. 18.22 Uhr: Ankunft in der Bahnhofstraße und kurzer Abstecher ins dortige Joker Casino. 18.31 Uhr: Sie gehen in die Eisdiele "und nehmen an einem Tisch im Außenbereich Platz". 18.55: Die beiden Belgier mit ihrem Peugeot treffen ein. 18.56 Uhr: Die Bayreuther Informanten fahren mit ihrem roten Audi vor. 19.05 Uhr: Alle Verdächtigen sitzen in der Eisdiele am Tisch. 19.10 Uhr: "Die sieben Zielpersonen werden durch das SEK festgenommen."

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
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