Kulmbach
Glosse

Plateaunischer Schuhbernack

Zwei Stück habe ich noch daheim: Jeansjacken mit Schulterpolstern. Chuck Norris' Atlas-Rücken war ein Dreck dagegen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Annette Reuther
Foto: Annette Reuther
Wer derlei ausgebeult die Discothek enterte, der gehörte dazu - damals, in den seligen 1980er-Jahren. Vorbei, genauso wie Lederkrawatte und Netz-Shirt... Ha, von wegen! Dem Modemacher von heute ist keine Stilsünde von vorgestern zu blöd, als dass er sie nicht nochmals aufwärmt und das Lächerliche ins geradezu Groteske zu steigern versteht.
Sie sind also wieder da, die aufgeplusterten Oberteile. Wenn es nur die wären! Die Rückkehr aus dem Orkus der Kleidungs-Verirrungen angetreten haben auch sie: das Bandana (in meiner Jugend war das schlicht ein breiteres Stirnband und so angesagt wie Hüpf-Videos mit Olivia Newton-John); der Crop-Top-Look (bauchfreie Shirts zum Herzeigen des persönlichen Nabels der Welt); der Choker (das Hals-umspannende Würgemal, mal aus Stoff, mal Leder); die class="artKursiv">Bomber-Jacke (Fallschirm-Charme, der jeden zum Michelin-Männchen macht).
Aber all das ist NICHTS verglichen mit dem widerlichsten Unsinn, der auch noch körperverkrüppelnde Eigenschaften hat: der Plateau-Schuh. Würde es sich nur um eine platonische Liebe handeln, wäre vielleicht nichts einzuwenden. Aber diese Fuß-Klötze, die Schuhe zu heißen nicht verdienen, werden wirklich getragen! Sie erinnern in ihrer Darreichungsform an Slipper mit dreifach untergeleimtem Schnitzel und der Garantie zum Bänderriss.
Schon in der Ära des Glam-Rock anno dunnemals 1970 aufwärts waren die Treter verboten dämlich (und wurden auch durch die ja sehr wohl sympathischen Abba-Herren Björn und Benny sowie Kiss-Schlagzeuger Peter Criss nicht sinnvoller). Nun also stöckelt Fräulein Pseudo-Hipster auf Zehn-Zentimeter-Korkbelag, bedruckt mit Pommes oder wahlweise Zebrastreifen, und hält sich fürs It-Girl der City. O Sohle mio!
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren