Kulmbach
Gericht

Paar hielt über 70 Katzen in 65 Quadratmeter großer Wohnung

Ein Paar aus dem Kreis Kulmbach hielt 70 Katzen in seiner Wohnung. Nach einer anonymen Anzeige stand es jetzt vor Gericht.
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Ein Paar aus dem Landkreis Kulmbach hielt 70 Katzen in der Wohnung. Foto: Matthias Bein/dpa
Ein Paar aus dem Landkreis Kulmbach hielt 70 Katzen in der Wohnung. Foto: Matthias Bein/dpa
Es muss ein unbeschreibliches Katzenelend gewesen sein: Über 70 Tiere in einer 65 Quadratmeter großen Wohnung, der Ernährungszustand meist mangelhaft, viele Katzen mit Hautentzündungen oder hochgradigen Abszessen, fast alle von Parasiten, Flöhen und Milben befallen.


Beißender Geruch


Am schlimmsten, so die zuständige Amtstierärztin vor Gericht, soll allerdings der beißende Geruch von Urin und Kot gewesen sein. "Wände und Mobiliar waren übersät von Urin- und Kotspuren", sagte sie.

Am Donnerstag hat das Amtsgericht Kulmbach die Halter der Katzen, eine 64-jährige Rentnerin und einen 48-jährigen Arbeiter aus dem Landkreis, wegen der Misshandlung von Tieren durch Unterlassung in 70 Fällen und wegen der Tötung von Tieren durch Unterlassung in sechs Fällen zu Geldstrafen von verurteilt. Die Frau muss 120 mal 15 Euro (1800 Euro), der Mann 120 mal 30 Euro (3600 Euro) bezahlen. Die unterschiedliche Strafhöhe ergibt sich aufgrund der unterschiedlichen Einkommen.


Fünf Jahre Tierhaltungsverbot


Darüber hinaus erließ das Gericht gegen beide ein Tierhaltungsverbot für die Dauer von fünf Jahren.
Der stechende Geruch bereits im Hausflur war es auch, der den beiden Angeklagten eine anonyme Anzeige beim Veterinäramt einbrachte. Die Kontrolleure trauten ihren Augen nicht, als sie nach einigem hin und her endlich in die Wohnung gelassen wurden. "Der Bestand war einfach viel zu groß", sagte die Amtstierärztin als Zeugin vor Gericht aus.

Einige Tiere seien unterernährt gewesen, viele hätten kahle Stellen auf ihrem Fell gehabt, Rangordnungskämpfe seien an der Tagesordnung gewesen, einzelne Katzen hätten eitrige Bissverletzungen gehabt, eine andere eine eitrige Kralle. Aufgrund des beißenden Geruchs hätten ihre Augen sofort getränt, sagte die Medizinerin.


In einen Teufelskreis geraten


Sie seien in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie einfach nicht mehr herauskamen, ließen die Angeklagten über einen der beiden Verteidiger erklären. 2010 habe alles mit fünf Katzen begonnen, in der Folgezeit hätten sich die Tiere so rasant vermehrt. Leider seien sie nicht auf den Gedanken gekommen, die Katzen kastrieren zu lassen.

Sie habe dreimal pro Tag geputzt und gesaugt, sagte die Frau, die Katzenklos seien viermal pro Tag ausgeleert worden.


Angeklagte einsichtig


Alle Katzen hatten Namen, berichtete die Angeklagte. " Sie haben einfach zu unserem Leben dazugehört", so die Frau. Der Mann ergänzte, dass sie nicht selten von Supermarkt zu Supermarkt gefahren seien, um die notwendige Menge an Futter herbeizuschaffen. Das Geld habe immer soweit gereicht, dass sie die Tiere ernähren konnten. Letztlich seien beide aber eigentlich ganz froh gewesen, dass die Sache aufflog und sie Hilfe von außen bekamen. Inzwischen wurden sämtliche Katzen in Tierheime gebracht. Einen Teil nahm außerdem ein Gnadenhof im mittelfränkischen Seukendorf auf. Sechs Katzen verendeten unmittelbar nach ihrer Befreiung.

In ihren Plädoyers einigten sich Staatsanwaltschaft und die beiden Verteidiger, Oliver Gerhards aus Bayreuth und René Thalwitzer aus Frankfurt, auf die letztlich auch verhängten Geldstrafen. Beide Angeklagte seien nicht vorbestraft, wollen von sich aus keine Tiere mehr halten und hätten darüber hinaus auch aktiv mitgewirkt, das Katzenelend zu beenden.

Richterin Sieglinde Tettmann sprach im Urteil von einer ganz üblen Sache, die da passiert ist. "Im ersten Moment schüttelt man einfach nur den Kopf."
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