Kulmbach
Fete

Neujahr in Kulmbach: Gutes Essen, gute Gespräche, gute Vorsätze

Es ist jedes Jahr das gleiche Ritual, aber die Menschen brauchen es offenbar: Silvesterfeiern in den Lokalen oder der Innenstadt. Ein Stimmungsbild.
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Mit einem dreiviertelstündigen Feuerwerk begrüßten die Kulmbacher das neue Jahr. Hier der Blick vom Schießgraben über die Altstadt zum Roten Turm. Foto: Jakob Weber
Mit einem dreiviertelstündigen Feuerwerk begrüßten die Kulmbacher das neue Jahr. Hier der Blick vom Schießgraben über die Altstadt zum Roten Turm. Foto: Jakob Weber
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Mitternacht auf dem Marktplatz. Raketen steigen in den Himmel, bunte Lichtfontänen breiten sich zu einem Sternenhimmel aus, es zischt und kracht ohrenbetäubend. Sektkorken knallen. Umarmungen, Küsse, Versprechungen, Erwatungen - ob sie gehalten oder erfüllt werden?

Für Gerhard Müller aus Kauernburg ist Silvester traditionell Ausgehtag. Er liebt es, gut zu tafeln und einen außergewöhnlichen Tropfen zu genießen. "Und ich tanze gern, leider ist das in der Stadt am 31. nicht mehr möglich, nachdem die Feuerwache zugemacht hat. So bleibt halt Essen und Trinken übrig", sagt er etwas melancholisch im Ristorante "Alla Rustica". Der Steuerberater, der sich auch bei den Service-Clubs engagiert, wird nachdenklich, wünscht für 2017, "dass die große Politik nicht mehr so sehr vom Wunschdenken geprägt ist, sondern zur machbaren Vernunft zurückkehrt". Im Kommunalpolitischen gehe es dem 66-Jährigen darum, das Heimatbewusstsein zu stärken, um der Abwanderung entgegen zu wirken. Den Jungen müsste bewusst sein, dass die Ballungsräume nicht nur Vorteile haben. "In Kulmbach und dem Umkreis bieten sich auch gute Möglichkeiten."


Wunsch-Ziel: Äthiopien

Angesichts der Wunschvielfalt an Silvester möchte Müller an einen Lehrsatz von Buddha erinnern: "Nur wer seine Wünsche bezähmt, ist glücklich." Das nächste Wunsch-Reiseziel des Kauernburgers steht schon fest: Äthiopien.


Balltanz ins neue Jahr

Getanzt wurde in der Silvesternacht auch, jedoch oben auf der Plassenburg, wo Günther Limmer zum Ball geladen hatte. Gäste aus ganz Deutschland sind da, darunter Ursula Walser aus dem Kreis Esslingen. Die Schwäbin schwärmt: "Hier im Festsaal ist es herrlich, auch die Aussicht vom Rondell grandios. Ich wünsche mir und meinem Mann Wolfgang, dass wir noch viele Radtouren erleben und weiter fit bleiben." Frieden wolle sie auf Erden, "aber das wird wohl Utopie bleiben". Nach Kulmbach komme sie wieder. Und Günther Limmer, als Burgherr verkleidet, sagt kurz und bündig. "Gsund bleim und ned su schnell schderm".

Unterhalb der Petri-Kirche steht Achmedowf Fahrid aus Baku mit seinem Sohn Ramiz, sie schießen Böller in die Luft. Die beiden Aserbeidschaner leben seit drei Jahren mit Familie in in Neuenmarkt-Wirsberg und seit kurzem in Kulmbach. Der Vater ruft wiederholend: "Ich liebe Deutschland", und der neunjährige Filius schaut mit dunklen Augen und meint: "Ich wünsche mir, dass die Welt gut ist und wir hier glücklich werden."

Aus Oberhaid kommt Katharina Wolfschmidt nach Kulmbach zum Feiern. Die Angestellte eines Schuhgeschäfts hätte gerne, dass manche Frauen in Kulmbach "ehrlicher mit mir umgehen - so, wie wie das meinem Wohnort der Fall ist". Für 2017 wünscht sie sich: Deutschland solle vor weiteren Terroranschlägen verschont bleiben.
Die 21-jährige Sandra Giemza, Floristin in Ausbildung, lebt seit sechs Jahren in München, ist zum Jahreswechsel aber in ihre Geburtsstadt Kulmbach gefahren. "Alte Freundschaften aufrecht erhalten und die Prüfung im Beruf gut bestehen" - das wünscht sie sich für 2017. In Kulmbach selbst könnte das Kulturangebot größer sein, fordert sie, "aber in der Altstadt fühle ich mich richtig wohl, da werden Kindheitserinnerungen wach".

Es ist mittlerweile 2 Uhr früh. Die Wege und Gassen der Innenstadt sind mit den Resten des Silvesterfeuerwerks übersät, ein Betrunkener wankt wie verloren einsam nach Hause, die Straßen haben sich geleert. Das gleiche Ritual wie 2016. Und 2018 wird es wohl auch so sein...

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