Neuensorg

Neuensorg geht auf die Barrikaden

Menschen machen ihrem Ärger Luft: Ist es hier noch lebenswert, wenn die Monsterstromtrasse gebaut wird?
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Erwachsene und Kinder gingen in Neuensorg auf die Straße. Sie demonstrierten gegen Pläne, dass eine Monsterstromtrasse ihre Heimat durchschneiden soll. Fotos:
Erwachsene und Kinder gingen in Neuensorg auf die Straße. Sie demonstrierten gegen Pläne, dass eine Monsterstromtrasse ihre Heimat durchschneiden soll. Fotos:
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Eine Monsterstromtrasse will keiner haben. Deswegen gehen die Neuensorger auf die Barrikaden. Am Samstag wurde friedlich demonstriert - gut 100 Menschen, darunter auch viele Jugendliche und Kinder, gingen auf die Straße und marschierten mit ihren Spruchbändern vom Dorfplatz bis zum VfR-Sportgelände und wieder zurück. Auch entlang der Straße waren Transparente angebracht: "Was ist mit unserer Zukunft? Was ist mit unsere Heimat?" Oder: "Ist es hier noch lebenswert mit Monstertrasse?"


"Läuft nicht berauschend"

Der Sprecher der Neuensorger Bürgerinitiative, Fritz Ruppert, machte aus seiner Enttäuschung über das laufende Verfahren kein Geheimnis: "Es läuft im Moment nicht so berauschend. Deswegen liegt unsere Chance nur darin, auf die Straße zu gehen. Gott sei Dank sind so viele gekommen."

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) hielt es für richtig, dass die Bevölkerung von Neuensorg ihre Position deutlich macht und zeigt, dass sie hinter der Erdverkabelung steht. Die Politik bekenne sich auch zu ihrer Verantwortung: "Wir wissen, dass wir die Kapazitäten der Stromversorgung erhöhen müssen, und deswegen wird auch die Verkabelung umgesetzt."

Zeulner betonte, dass eine Erdverkabelung unter gewissen Voraussetzungen in Neuensorg möglich sei. Man müsse allerdings unterscheiden: einmal die Gleichstrompassage, die Amprion baut, bei der man Strom von A nach B transportiert, ohne dass man groß aus der Erde raus muss. "Und es gibt die 380 kV-Leitung. Dabei ist die Schwierigkeit, dass man immer mehrere Abzweigungen hat und auch einmal in die Erde rein muss und wieder raus. Die Erdverkabelung einer 380 kV-Leitung ist einfach schwieriger, und wir haben damit deutschlandweit noch keine großen Erfahrungen." Wenn man h in Neuensorg durch den Ort einen Ersatzneubau aufder bestehenden Trasse macht, dann würden keine Abstandsflächen eingehalten.

Mit Erdverkabelung könne die Maßnahme im Bereich von Neuensorg schneller realisiert werden, weil die Akzeptanz der Menschen größer ist. Wenn jedoch der Sonderfall Neuensorg genehmigt wird, müsse die Bundesregierung mit weiteren Erdverkabelungen im Bundesgebiet rechnen. Zeulner: "Deswegen ist die Politik gefordert, nicht locker zu lassen, aber wir müssen es jetzt auf einer höherer Ebene spielen." Von bayerischer Seite werde Ministerpräsident Horst Seehofer bei den Koalitionsgesprächen dafür kämpfen."Wir werden alles in unserer Macht Stehende versuchen, dass wir das hinbekommen", sagte sie.


Schwieriger Fall

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) bestätigte Zeulners Analyse: "Die anwesenden Repräsentanten der Politik haben wirklich alles versucht, euch zu helfen. Die Situation, wie sie sich heute darstellt, ist in der Tat nicht ganz einfach. Da muss man ehrlich sein." Neuensorg sei ein schwieriger Fall. Doch der Kreistag stehe solidarisch an der Seite der Menschen. "Es ist noch nicht vorbei, und solange werden wir kämpfen."

Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) machte deutlich: "Es ist ganz wichtig, dass wir parteiübergreifend zusammenhalten." Nach ihren Worten müsse man zweigleisig fahren und die Interessen Neuensorgs im Bundestag und im Landtag vertreten.


Für die Heimat kämpfen

Bürgermeister Franz Uome (CSU) versicherte: "Die Marktgemeinde Marktleugast und der gesamte Gemeinderat mit dem Bürgermeister stehen voll und ganz hinter dem Begehren der Bürgerschaft Neuensorg." Sein Stellvertreter Reiner Meisel (FW) betonte, dass man für die Heimat kämpfe: "Die Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft, um die Gesundheit und um die Kinder."

In seinem Schlussplädoyer im VfR-Sportheim sagte Fritz Ruppert: "Wir fühlen uns veräppelt. Unsere einzige Chance ist es, auf die Straße zugehen." Er appellierte an Ministerpräsident Seehofer, sich für die Erdverkabelung starkzumachen: "Er bekommt noch einen Brief von uns."

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