Neuenmarkt

Neuenmarkter Kirche wird zur Pflege-WG

Sascha Seuß will das neuapostolische Gotteshaus in Neuenmarkt umbauen. Dort sollen schwer kranke Jugendliche und junge Erwachsene ein Zuhause finden.
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Sascha Seuß vor der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Neuenmarkt, die sie zu einer Pflege-Wohngemeinschaft umbauen will. Foto: Jürgen Gärtner
Sascha Seuß vor der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Neuenmarkt, die sie zu einer Pflege-Wohngemeinschaft umbauen will. Foto: Jürgen Gärtner
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"Ein richtiges, lebenswertes Zuhause" will Sascha Seuß in der früheren neuapostolischen Kirche in Neuenmarkt schaffen. Das Gebäude im "Wiesengrund" hat sie bereits erworben, um sich dort schwer kranke junge Menschen zu kümmern. Spätestens im März sollen die Umbauarbeiten beginnen, damit im August fünf bis sechs Patienten in eine Wohngemeinschaft einziehen können.

Jederzeit kann etwas passieren

Bei ihnen handelt es sich um Menschen, die tracheotomiert wurden (Luftröhrenschnitt) oder künstlich beatmet werden müssen, die eine permanente behandlungstechnische Versorgung brauchen. Was aber nicht bedeutet, dass es nur "dahinsiechende" Menschen sein müssen, sondern Leute, die man nicht allein lassen kann, weil sie jederzeit in eine lebensbedrohliche Situation geraten könnten.
"Solche Leute können sogar zur Arbeit gehen."

Die Idee, sich auf schwerstpflegebedürftige Menschen zu spezialisieren, hatte Sascha Seuß bereits 1996, als sie "Lynn's Best" gründete - damals war der Pflegedienst ein Pionier auf dem Gebiet, Menschen mit technischer Unterstützung am Leben zu erhalten, erinnert sich die Geschäftsführerin, die heute das "Pflegenest" mit rund 125 Mitarbeitern von Untersteinach aus leitet. 2008 hatte Sascha Seuß "Lynn's Best" verkauft und sich für vier Jahre zurückgezogen.

Rückkehr nach mehrjähriger Pause

Dass sie im April 2013 mit der Gründung des "Pflegenest" in die Branche zurückkehrte, begründet sie nicht nur mit der Anfrage von ehemaligen Mitarbeitern, sondern auch damit, "dass etwas gefehlt hat". Allerdings hat sie sich diesmal ein kontrolliertes Wachstum verordnet, will auf den Raum Kulmbach, Bayreuth, Coburg und Forchheim beschränkt bleiben. "Ich will ein Zuhause für die Menschen in der Region schaffen."

Wie in Neuenmarkt. Die Anregung für eine Wohngemeinschaft für Pflegebedürftige bekam sie bei einem Aufenthalt im Allgäu. Dort entdeckte Sascha Seuß eine Wohngemeinschaft für Senioren. "Ich habe nachgefragt und war begeistert. So etwas wollte ich auch machen", erklärt sie. Vier Jahre suchte sie nach einem passenden Gebäude für ihre Pläne. Ein Neubau scheiterte an den Kosten. Mit der ehemaligen neuapostolischen Kirche wurde sie schließlich fündig.

Dass sie von der Gemeinde mit offenen Armen aufgenommen wurde, freut die Unternehmerin besonders. "Das ist nicht überall so. Manchmal ist man mit so einer Einrichtung nicht willkommen."

Schon Anbau geplant

In der ehemaligen Kirche ist im Obergeschoss, wo einst die Kirchenbänke standen und Gottesdienste gehalten wurden, genug Platz für die Zimmer. Unten befinden sich ebenerdig Aufenthaltsräume, Küche ... Ein großer Garten bietet genug Platz für den bereits geplanten Anbau. Und das Haus befindet sich mitten im Ort, nicht irgendwo abgelegen in einem Randgebiet.

"Die Kirche kam mir beim Preis entgegen, weil sie weiß, dass man noch viel in das Gebäude stecken muss", erklärt die Unternehmerin, die eine sechsstellige Summe für das Projekt kalkuliert hat. Trotz aller Funktionalität ist ihr der Wohncharakter wichtig. "Das Konzept mit den Wohngemeinschaften nimmt immer mehr zu."

20 bis 25 Vollzeitkräfte sind ihrer Einschätzung nach nötig, um den Dreischicht-Betrieb zu gewährleisten. Die dafür sorgen sollen, dass die Menschen, die durch einen Unfall oder eine Krankheit unverschuldet in eine schwere Situation gekommen, ein lebenswertes Leben führen können.

"Eine kleine Insel der Seligen" will sie schaffen. Dafür sucht sie schon jetzt examinierte Krankenpflegekräfte mit und ohne Intensiv-Fachweiterbildung. Für eine individuelle Betreuung, "die über satt, sauber und daliegen hinaus geht".

Überhaupt legt sie Wert auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Deshalb soll im März erstmals ein Basiskurs "Pflegekraft für außerklinische Beatmung" durchgeführt werden. Der Kurs soll zwei Mal im Jahr stattfinden und auch für externe Kräfte geöffnet werden.

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