Neudrossenfeld
Politik

Neudrossenfelder Bräuwerck lädt Gauland wieder aus

Warum der umstrittene AfD-Vize in der Brauereiwirtschaft nicht willkommen ist. Und warum sich die AfD gegen die Absage wehren will.
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Ausgeladen: Der AfD-Bezirksverband muss sich für seine am 20. Oktober im Neudrossenfelder Bräuwerck geplante Veranstaltung mit Alexander Gauland ein neues Lokal suchen. Montage: Franziska Schäfer
Ausgeladen: Der AfD-Bezirksverband muss sich für seine am 20. Oktober im Neudrossenfelder Bräuwerck geplante Veranstaltung mit Alexander Gauland ein neues Lokal suchen. Montage: Franziska Schäfer
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Die AfD spielt in der Stadt und im Landkreis Kulmbach bisher so gut wie keine Rolle. Und doch beherrscht die kleine Gruppe der Rechtspopulisten derzeit die Schlagzeilen. Der Grund dafür: In dem Filmbeitag für das ZDF-Magazin "Mona Lisa" am Samstag konnte der Eindruck entstehen, dass Kulmbach - wie Dresden mit seiner starken Pegida-Bewegung - ein AfD-Nest sei. Dass davon keine Rede sein könne, stellte die örtliche Politik parteiübergreifend klar: Kulmbach ist keine AfD-Stadt. Darauf schlugen im Internet die Wogen hoch.


Sturm der Entrüstung

Über die Neudrossenfelder Bräuwerck AG brach nach dem Bericht am Montag bei infranken.de ein Sturm der Entrüstung herein. Denn bislang war nicht bekannt gewesen, dass am 20. Oktober mit Alexander Gauland einer der führenden Köpfe der AfD nach Neudrossenfeld kommen sollte. Der für seine verbalen Entgleisungen bekannte Partei-Vize, der vor der Fußball-EM versucht hatte, den farbigen Nationalspieler Jérôme Boateng zu diskreditieren, war als Hauptredner einer AfD-Veranstaltung im Bräuwerck-Saal vorgesehen.

Diese Abendveranstaltung wurde abgesagt. Der Vorstand der Bräuwerck AG hat die AfD und Gauland wieder ausgeladen. Die Aktionäre wurden durch ein Rundschreiben informiert.


Demonstration angekündigt

Auf Anfrage bestätigt Vorstand Peter Schuhmann, dass sich nach der Veröffentlichung auf infranken.de Widerstand bei den Aktionären formiert habe. "Unsere Leute wollten damit nichts zu tun haben. Die Aktionäre waren aufgebracht, weil Gauland als Hetzer gilt", so der Brauereivorstand. Auch eine Gegendemonstration sei bereits angekündigt worden.

"Unser Personal hat deutlich gemacht, unter diesen Bedingungen nicht arbeiten zu wollen." Deshalb habe sich der Vorstand mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner, der telefonisch nicht zu erreichen war, abgestimmt und entschieden, dass die Gastwirtschaft am 20. Oktober ganztägig geschlossen bleibt.


In der Zwickmühle

Dabei ist die Drossenfelder Bräuwerck AG durchaus in der Zwickmühle gewesen. Schuhmannn zufolge habe man die Anfrage des AfD-Bezirksverbands, den Saal anzumieten, zunächst gar nicht ablehnen können. Das Bräuwerck habe nur das alleinige Bewirtungsrecht, aber der mit öffentlichen Mitteln geförderte Saal müsse der Öffentlichkeit zugänglich sein.

"Die AfD ist eine zugelassene Partei. Wir können also nicht einfach sagen, ihr habt die falsche Nase und kommt bei uns nicht rein", erklärt der Brauereivorstand. "Wir hatten bereits ziemlich alle Parteien hier bei uns. Auch die AfD-Vorsitzende Frauke Petry war vor zwei Jahren im Wahlkampf schon da."


Öffentlichen Aufruhr befürchtet

Diese Gleichbehandlung finde allerdings Grenzen, wenn - wie hier - öffentlicher Aufruhr zu erwarten ist. Das Personal, so der Brauereisprecher, sei angewiesen worden, sich bei derartigen Veranstaltungen künftig enger mit dem Vorstand und der Gemeinde abzustimmen.

2. Bürgermeisterin Michaela Schirmer (SPD) hat festgestellt, dass es wegen der AfD-Veranstaltung im Ort sehr viele Diskussionen gab. Dabei sei es nicht grundsätzlich gegen die AfD gegangen, sondern speziell gegen die Person Gauland und gegen seine Aussagen. "Die Bürger haben sich aufgeregt, weil sie diesen Mann nicht in Neudrossenfeld haben wollten. Daran ist die Veranstaltung gescheitert", sagt Schirmer.


AfD: Recht auf den Saal

Der AfD-Bezirksverband will die Absage nicht hinnehmen und sich nicht rausdrängen lassen. Bezirksvorsitzender Tobias Peterka aus Bayreuth vermutet, dass politisch linke Kräfte am Werk waren. "Wir werden die Veranstaltung auf jeden Fall durchziehen", kündigt er an. "Wir lassen uns nicht abspeisen und nicht entmutigen." Die AfD habe als demokratische Partei ein Recht, den mit öffentlichen Mitteln finanzierten Saal zu nutzen. Falls es nicht klappen sollte, werde man sich nach einer Alternative umschauen: "Der Bedarf bei den Leuten ist da." Peterka betont, dass bei der AfD-Veranstaltung auch kritische Besucher - solange sie friedlich sind - willkommen seien. Sie hätten Gelegenheit, Gauland direkt zu befragen und mit der AfD zu diskutieren. "Wir haben nichts zu verbergen."
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