Kulmbach

Missbrauchsprozess Bayreuth: Gericht verkündet Urteil

Schuldspruch oder Freispruch: Nach acht Monaten Hauptverhandlung wird am Dienstagvormittag die Entscheidung der 1. Große Strafkammer erwartet.
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Mit der Urteilsverkündung geht am Dienstagvormittag der seit acht Monaten andauernde Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Bayreuth zu Ende. Foto: Stephan Tiroch
Mit der Urteilsverkündung geht am Dienstagvormittag der seit acht Monaten andauernde Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Bayreuth zu Ende. Foto: Stephan Tiroch
Schuldspruch oder Freispruch? Am Dienstagvormittag will die 1. Große Strafkammer das mit Spannung erwartete Urteil im Bayreuther Missbrauchsprozess verkünden. Dann geht ein acht Monate dauerndes Verfahren zu Ende, das sich fast 40 Verhandlungstage hingezogen hat.

Was in der inzwischen völlig zerrütteten Familie alles passiert ist, wird wohl nicht mehr mit Sicherheit zu klären sein. Die Vorwürfe gegen den Angeklagten sind heftig. Immerhin stehen mehrfache Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern im Raum.

Schwer belastet wurde der 71-jährige Unternehmer von seiner Ex-Frau, von zwei Enkelinnen, einer Freundin und besonders von seiner Tochter (48). Sie gab an, schon als Jugendliche von ihrem Vater missbraucht worden zu sein. Zu den mutmaßlich letzten Vergewaltigungen kam es angeblich in den Jahren 2009, 2010 und 2011.

Zum Bruch mit dem Familienoberhaupt entschloss sich die Tochter vor zweieinhalb Jahren. Nach der Anzeige lief die Maschinerie der Strafverfolgung an: Die Polizei ermittelte, der Beschuldigte kam in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, und im September begann der Prozess vor dem Landgericht Bayreuth.

Dort ließ sich der schwerreiche Geschäftsmann von einem Promianwalt verteidigen: Johann Schwenn aus Hamburg. Der bekannte Strafverteidiger hatte zuletzt unter anderem Jörg Kachelmann vertreten, dessen Vergewaltigungsprozess die Medien über ein Jahr lang beschäftigte. Das Ende ist bekannt: Freispruch für den TV-Wettermoderator.

Wie im Kachelmann-Prozess setzte der Staranwalt vom Elbufer auf Konfliktverteidigung: Abteilung Attacke im Gerichtssaal. Besonders knöpfte er sich die Belastungszeuginnen vor. Sie nahm er hart ran, um deren Glaubwürdigkeit erschüttern. Schwenn betrachtet die Nebenklägerinnen als einen Frauenclan, die sich aus Geldgier gegen den Familienpatriarchen verschworen hätten.

Vor einer Woche wurde plädiert. Während die Verteidigung erwartungsgemäß Freispruch forderte, rückte Staatsanwalt Daniel Götz teilweise von der Hauptbelastungszeugin ab. Der 71-Jährige sei vor allem wegen schweren Kindesmissbrauchs zu verurteilen. Strafmaß: vier Jahre und drei Monate. Die Anwälte der Nebenklägerinnen, Frank K. Peters (Worms), Wolfram Schädler (Wiesbaden) und Julia Hoffmann (Worms), hatten keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

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