Kupferberg
Landwirtschaft

Milch - ganz frisch gezapft

Seit vergangener Woche ist im Kupferberger Stadtteil Straßenwirtshaus eine Milchtankstelle in Betrieb. Sie ist die erste im Landkreis Kulmbach.
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Jeden zweiten Tag zapft Leon Müller den weißen Kraftstoff an der Milchtankstelle Fotos: Adriane Lochner
Jeden zweiten Tag zapft Leon Müller den weißen Kraftstoff an der Milchtankstelle Fotos: Adriane Lochner
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Das Konzept ist einfach: Euro einwerfen, Flasche drunter halten und auf Start drücken - schon fließt der weiße Kraftstoff aus der Zapfanlage. Einer der ersten Kunden ist Leon Müller (16) aus Kupferberg. "Frische Milch schmeckt einfach besser als die aus dem Supermarkt", schwärmt er. Seine Mutter, Kerstin Müller (43), ist ebenfalls begeistert. Sie lobt die Müllersparnis durch die praktischen Mehrweg-Glasflaschen. "Früher hat uns die Mutter mit dem Milchkännla losgeschickt", erinnert sie sich.
Der Wunsch des Verbrauchers hat die Kupferberger Milchtankstelle ins Leben gerufen. Sandra Seiferth (42) erklärt: "Immer wieder haben Leute gefragt, ob sie bei uns Milch abholen können.
Also haben wir gegoogelt, welche Optionen es gibt." Ehemann Heiko Seiferth (45) fügt hinzu: "Ich war zunächst skeptisch, aber schon an den ersten Tagen ist es gut gelaufen." Ihm zufolge waren seit der Eröffnung vergangenen Donnerstag ungefähr 30 Kunden da, sogar aus Lichtenfels. Sie sind durch Hinweisschilder an der Straße auf die Milchtankstelle aufmerksam geworden.


30 Milchkühe

Nicht nur für die Kunden scheint die Milchtankstelle eine langersehnte Alternative, sondern auch für die Landwirte. Heiko Seiferth erklärt: "Mit der Milchtankstelle versuchen wir einen Ausgleich zu schaffen für die sinkenden Milchpreise." 25 Cent bekommen die Seiferths derzeit für einen Liter Milch, vor einigen Jahren waren es noch 40 Cent. Der Kleinbetrieb mit 30 Milchkühen produziert am Tag etwa 250 Liter, mal mehr, mal weniger. "Zum Leben wird es da eng", sagt Heiko Seiferth.
Die Milch aus dem Automaten wird direkt an den Verbraucher verkauft. Daher fließt den Seiferths der Gesamterlös zu, ein ganzer Euro pro Liter. Der Großteil der erzeugten Milch geht nach wie vor an den Milchhof. "Um das Milchpreisdefizit auszugleichen müssten wir in der Woche etwa 100 Liter via Milchtankstelle verkaufen", sagt Heiko Seiferth, Auch der Kaufpreis für den Automaten in Höhe von 10 000 Euro müssen erwirtschaftet werden.
Schade finden die Seiferths, dass sie aufgrund bürokratischer Details keine Förderung erhalten haben. Normalerweise unterstützt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) solche Direktvermarkter-Projekte. "Die Förderhöhe beträgt 25 Prozent, wenn die Gesamtkosten bei mehr als 10 000 Euro plus Mehrwertsteuer liegen", sagt Ernst Baierlein, Berater am AELF. Er weist darauf hin, dass man erst nach der Bewilligung des Förderantrags mit den Maßnahmen beginnen darf "und das kann sich ziehen". Ist ein Landwirt daran interessiert, ebenfalls eine Milchtankstelle einzurichten, sollte er frühzeitig mit der Planung beginnen.


24 Stunden geöffnet

Das liebevoll dekorierte "Milchhäusla" auf dem Gelände des Weihgasshofs ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Die Milch wird vom Tank abgefüllt. Normalerweise fließt jeweils ein Liter aus der "Zapfsäule", wer früher auf Stopp drückt, bekommt einen halben oder dreiviertel Liter sowie das Wechselgeld. Mehrweg-Glasflaschen für 1,50 Euro pro Stück kann man direkt an der Milchtankstelle erwerben. Alternativ können Kunden ein eigenes Gefäß mitbringen, vorausgesetzt, es passt in die Abfüllvorrichtung. "Für die Sauberkeit selbst mitgebrachter Behälter übernehmen wir keine Verantwortung", sagt Sandra Seiferth, die den Automaten täglich reinigt. Von der Lebensmittelüberwachung ist die Anlage bereits abgesegnet, die Milch der Seiferths wird täglich vom Milchhof überprüft.
Allerdings sollten die Kunden bedenken, dass es sich um Rohmilch handelt mit einem Fettanteil von 4,3 Prozent. Anders als das Supermarktprodukt wurde die Rohmilch nicht durch Ultrahocherhitzung haltbar gemacht. Vor dem Verzehr sollte man sie daher abkochen. Gekühlt ist die Milch zwei bis drei Tage haltbar. Damit hat Leon Müller kein Problem. Er sagt: "Seit es die Milchtankstelle gibt, trinke ich mehr Milch als zuvor." Jeden zweiten Tag wird nachgetankt.
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