Heinersreuth
Geburtstag

Mikrochirurg wechselt vom Skalpell zum Pinsel

Simon Schicker war in Gerolzhofen ein anerkannter Mikrochirurg. Seit einiger Zweit lebt er in Heinersreuth und malt. Heute wird der HNO-Arzt 92 Jahre alt.
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Mit absolut ruhiger Hand und mikrochirurgischer Präzision zaubert Simon Schicker Aquarelle aufs Papier. Im hohen Alter hat er sich, erst vor einem halben Jahr, wieder an eine alte Leidenschaft erinnert. Am heutigen Dienstag feiert er seinen 92. Geburtstag. Foto: Klaus Klaschka
Mit absolut ruhiger Hand und mikrochirurgischer Präzision zaubert Simon Schicker Aquarelle aufs Papier. Im hohen Alter hat er sich, erst vor einem halben Jahr, wieder an eine alte Leidenschaft erinnert. Am heutigen Dienstag feiert er seinen 92. Geburtstag. Foto: Klaus Klaschka
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Simon Schicker hat im hohen Alter eine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Mit präzisen und meist sehr feinen Strichen aquarelliert er, zieht Reihen von Weinstöcken unterhalb der Würzburger Burg auf das Blatt Papier vor sich. Eine Spur Umbra für die Erde darunter. Mit Fingern, die filigran wie seine gezeichneten Aquarelle sind, führt er den Pinsel. Das kommt nicht von Ungefähr: Schicker war Mikrochirurg.


Für Spezialoperationen bekannt


Schicker ist in Würzburg geboren, ist dort zur Schule gegangen und hat dort Medizin studiert - Fachgebiet Hals, Nase, Ohren (HNO). Bis zu seiner Pensionierung war er über 30 Jahre HNO-Chefarzt der Geomed-Klinik in Gerolzhofen, die er durch seine Spezialoperationen weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat.

Bis zu 50 Betten hatte seine Abteilung, "für HNO ist das ziemlich viel", erinnert er sich.
Den ganzen Tag habe er eigentlich nur operiert. Mikrochirurgie, "mit Lupe, wenn Sie wissen, wie eng und fein das menschliche Ohr gebaut ist". Dazu brauchte er eine absolut ruhige Hand. Eine Fähigkeit, die er bis heute, mit 92 Jahren, nicht verloren hat.

Zum Malen hat er wohl ganz einfach Talent. Ein Studienkollege, ein späterer Kunstmaler, hat ihm ein paar Kniffe beigebracht. Das war alles an Ausbildung. Zumindest konnte er - gleich nach dem Krieg - seine kleinformatigen Zeichnungen an Amerikaner verkaufen, und so während seines Studiums ein paar Mark verdienen.


Kleiner Käfer ist geblieben


Ein kleiner Käfer ist ihm von damals noch geblieben. Eine naturalistische Miniatur, die man von einem Foto kaum unterscheiden kann. Drei mal vier Zentimeter. Aus dem Jahr 1947.

Später war mit Malerei aber Schluss. Der Beruf ging vor. Und Schicker engagierte sich neben seiner ärztlichen Tätigkeit auch in der Kommunalpolitik in Gerolzhofen. War eine Zeitlang auch Zweiter Bürgermeister. Dazu die Familie, um die er sich kümmerte: Zwei Töchter "und jetzt auch sieben Enkelkinder", erzählt er stolz. Vor 13 Jahren ist seine Frau gestorben.

Im Seniorenheim in Gerolzhofen habe es ihm zwar gut gefallen, aber vor etwa einem Jahr ist er doch, auf Vorschlag der Familie, zu seiner Tochter nach Heinersreuth umgezogen. Dort gefällt es ihm genauso gut und er ist im Kreis seiner Familie.


Keine großen Ansprüche


"Mein Vater ist nicht kompliziert und hat auch keine großen Ansprüche", erzählt Cornelia von Lerchenfeld. Er freue sich, wenn ihn die Enkel in seinem Zimmer besuchen. Laufen fiele ihrem Vater zwar schwer, aber man müsse ihn selbst mit dem Rollator bremsen. Es ginge ihm halt alles nicht schnell genug. Und jeden Nachmittag komme Ana Rothert aus Presseck, die sich um ihn kümmere. "Und das macht sie ganz wunderbar."

Vor einem halben Jahr etwa hat sich Schicker wieder an seine alte Leidenschaft erinnert. Wenn er malt, schaltet er die Welt um sich völlig aus. Nicht nur, weil er inzwischen etwas schlecht hört. Er konzentriert sich total auf seine Arbeit, die er mikrochirurgisch präzise Stück für Stück aufs Papier zaubert. Rechts auf dem Zeichentisch neben dem Fenster steht ein Kasten mit Aquarellfarben, daneben ein Wasserglas, ein einziger feiner Aquarellpinsel und ein Blatt Papier im Format DIN A 4. Am liebsten malt er Landschaften, erzählt er. Zurzeit aber die Würzburger Burg mit Weinbergen im Vordergrund.

Halb fertig ist das Aquarell erst. Es dauert also noch etwas. Doch das macht nichts. Simon Schicker will ohnehin und auf jeden Fall 100 werden.

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