Kulmbach
Gericht

Messerangriff: Kulmbacher Polizisten hatten Todesangst

Ein 33-Jähriger ist mit Küchenmessern auf Polizisten losgegangen. Das Landgericht ordnet die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.
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Mit zwei Küchenmessern ist der 33-Jährige auf Polizeibeamte losgegangen. Foto: Symbolbild/dpa
Mit zwei Küchenmessern ist der 33-Jährige auf Polizeibeamte losgegangen. Foto: Symbolbild/dpa
Es war ein Albtraum für drei Kulmbacher Polizisten: Als sie im Dezember 2015 zu einem Einsatz gerufen wurden, weil ein Streit zwischen einem Ehepaar in einem Asylbewerber-Heim eskaliert war, ging der Ehemann mit zwei Küchenmessern auf sie los. Die Beamten hatten Todesangst. Sie versperrten dem Angreifer zunächst mit einem Schrank den Weg, mussten dann sogar flüchten, um nicht verletzt zu werden.


Sicherungsverfahren

Attackiert worden sind sie von einem 33-Jährigen aus Tschetschenien, der gestern in einem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht stand. Der Beschuldigte hat nicht nur die Ordnungshüter angegriffen. Er ist mehrfach gegenüber seiner Frau handgreiflich geworden, hat dieser gedroht, sie umzubringen. Seine Taten wurden als versuchter Totschlag, vorsätzliche Körperverletzung, versuchte Nötigung und Bedrohung gewertet. Verurteilt wurde der 33-Jährige von der Kammer unter Vorsitz von Richter Michael Eckstein nicht, da er aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung schuldunfähig ist.


Das sagt der Gutachter

Gutachter Thomas Wenske von der Forensischen Psychiatrie Erlangen attestierte ihm eine chronifizierte paranoide Schizophrenie. Der Beschuldigte leide unter Angstzuständen sowie akustischen Halluzinationen. Er höre Stimmen, die ihn zu Gewalttaten auffordern, ihm sogar befehlen, sich und seine Familie umzubringen, so Wenske.


Zwölf Zentimeter lange Klinge

Unter einem akuten Schub seiner Erkrankung war es wohl auch zu dem Messerangriff gekommen. Die Polizeistreife war gerufen worden, weil der Mann seine Frau geschlagen hatte. Als die Beamten zum Zimmer kamen, in dem sich die Eheleute befanden, hielt sich der Beschuldigte zwei Küchenmesser mit einer Klingenlänge von zwölf Zentimetern an die Kehle. Als die Ordnungshüter ihn aufforderten, die Messer fallen zu lassen, drehte er die Klingen in seiner Hand um und ging auf sie los. Die Polizisten konnten sich ins Treppenhaus retten und versperrten dem Angreifer den Weg, indem sie einen Schuhschrank vor die Tür schoben. Als später drei Beamte zurück ins Zimmer kamen, um den Mann in Gewahrsam zu nehmen, ging dieser erneut auf sie los. Die Polizisten konnten durch das Treppenhaus fliehen.


Hände um den Hals gelegt

Seine Frau hat der 33-Jährige mehrfach attackiert. Er hat ihr unter anderem mit dem Knie in den Magen gestoßen und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Einmal hat er die Hände um ihren Hals gelegt, so dass diese keine Luft bekommen hat.


Menschliche Tragödie

Der hauptamtliche Betreuer, der den Beschuldigten in den letzten Jahren begleitet hat, sprach von einer menschlichen Tragödie. Der 33-Jährige habe in Tschetschenien eine schwere Kindheit gehabt, sei als junger Mann in seiner Heimat von bewaffneten Männern bedroht und geschlagen worden.


Analphabet und Außenseiter

Über Polen sei er nach Deutschland geflüchtet. Ob er ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhält? "Das ist alles ungeklärt", sagte der Betreuer, der mitteilte, dass der Mann Analphabet sei und sich als als absoluter Außenseiter fühle. "Er hatte Selbstmordgedanken, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben." Der Mann sei immer wieder geflohen, habe die ihm verordneten Medikamente oft nicht eingenommen. In der Folge sei es dann zu Aussetzern gekommen.


Ehefrau schweigt

Vor Gericht ließ der Beschuldigte durch seinen Dolmetscher mitteilen, dass er sich nicht an die Taten erinnern könne. Seine Ehefrau machte vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.


Gefahr für die Allgemeinheit

Dass der 33-Jährige eine Gefahr für die Allgemeinheit ist, stellte Gutachter Thomas Wenske fest. Er erklärte, dass die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angebracht sei. Das hielten auch Staatsanwalt Bernhard Böxler und der Verteidiger des 33-Jährigen, der Kulmbacher Rechtsanwalt Frank Stübinger, für erforderlich. Anders als Böxler wertete Stübinger den Polizisten-Angriff nicht als versuchten Totschlag, sondern als versuchte gefährliche Körperverletzung.


Täter bittet um Behandlung

"Bitte, bitte. Ich brauche die medizinische Behandlung", sagte der Beschuldigte, der sich bereits im Bezirkskrankenhaus befindet und in Fußfesseln vorgeführt wurde. Er wolle sich therapieren lassen, irgendwann wieder mit den Kindern zusammen sein, ließ er in seinem Schlusswort mitteilen. Die Landgerichtskammer ordnete schließlich die Unterbringung an.


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