Lindau

Maresa Schleichers neuer Horizont

Maresa Schleicher ist seit Anfang Januar in Haiti. Dort arbeitet die junge Lindauerin in einem Waisenhaus. Sie genießt die Arbeit mit den Kindern, ist aber erschüttert über die Armut, die auf dem Inselstaat herrscht.
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Senta Foessel und Maresa Schleicher (von links) am Strand von Les Cayes mit haitianischen Waisenkindern Fotos: privat
Senta Foessel und Maresa Schleicher (von links) am Strand von Les Cayes mit haitianischen Waisenkindern Fotos: privat
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"Ich kam mir vor wie in einem Film in einer Erdkundestunde", sagt Maresa Schleicher über den Moment, in dem sie in Port au Prince, der Hauptstadt des Inselstaats Haiti, aus dem Flugzeug stieg. Der "komplette Kulturschock" hat sich zum Glück inzwischen erledigt, sie fühlt sich wohl in Haiti, einem "wunderschönen Land". Dort will die Studentin aus Lindau bis Ende April bleiben.

"Die Idee, ins Ausland zu gehen, hatte ich eigentlich schon seit Beginn der Oberstufe", sagt die 18-Jährige. Die Fragen seien nur gewesen: Wie mache ich das? Was will ich machen, wo will ich hin? Obwohl es während der Oberstufe kaum Zeit für solche Überlegungen gab, blieb der Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt.

Kontakt durch Mitschülerin

"Nach dem Abitur hatte ich dann einige Optionen gesammelt, als ich über eine Mitschülerin, die von meinen Plänen wusste, in Kontakt mit Senta kam, die ich auch ein bisschen vom Volleyball kannte." Diese kam dann über einen Bekannten auf das Projekt, in dessen Rahmen die beiden inzwischen seit über drei Monaten in Les Cayes im Süden von Haiti in einem Waisenhaus tätig sind.

Haiti ist in mehrfacher Hinsicht perfekt für die Lindauerin: "In Haiti wird Französisch gesprochen, also kann ich also auch meine Sprachkentnisse aufbessern. Außerdem lerne ich hier eine neue Kultur kennen, ein ganz anderes Leben: Menschen, die nicht im Überfluss leben." Auch auf die Dauer des Aufenthalts konnte man sich schnell einigen: "Wir wollten beide für höchstens sechs Monate weg, da hat das super gepasst."

Was sie trotz neuer Kultur, Sprache und der Herzlichkeit der Gastgeber dennoch täglich erschüttert, das ist die "krasse Armut, die man da sofort gesehen hat". Die Straßen seien eine "absolute Katastrophe", das ganze Leben spiele sich in Haiti an den Straßenrändern ab. Zu dieser Erfahrung gehörte für Maresa dann auch die Erkenntnis, dass sich gewohnte Selbstverständlichkeiten eben nicht als selbstverständlich herausstellten.

Spinnen, Kakerlaken, Moskitos

Fließend Wasser? Hier herrschte ebenso Fehlanzeige wie bei permanent verfügbarer Elektrizität. Gekocht wird in Haiti über offener Flamme, abgespült in der Hocke - der mitteleuropäisch empfindliche Rücken protestierte zwar kurz, aber: "Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt." Genauso wie an die Spinnen, Kakerlaken, Moskitos - alles inzwischen Normalität.

Müll verschandelt die Natur

Neben der Armut hat Maresa noch etwas zutiefst getroffen: "Die Sache mit dem Müll. Dadurch wird die schöne Natur, die wir hier haben, doch ganz schön verschandelt." Doch das tut ihrer Faszination für das Projekt keinen Abbruch: "Dadurch wird einem erst bewusst, aus was für einem reichen Land wir kommen. Wenn ich daran denke, wie verschwenderisch man in Deutschland manchmal ist, da schämt man sich ja fast."

Am meisten begeistern Maresa die Kinder in dem Waisenhaus in dem sie auf Haiti arbeitet: "Wie viel Hilfe man auch schon mit kleinen Dingen geben kann und wie überglücklich die Kinder zum Beispiel bei uns im Waisenhaus sind, ist der Wahnsinn."

Die Arbeit mit Kindern genießt die Studentin: "Mit Kindern bin ich generell gerne zusammen. Ich arbeite auch gerne mit ihnen, aber in der Art habe ich noch nie etwas gemacht. Im Volleyball-Verein habe ich schon manchmal die Kinder bei Turnieren als Coach begleitet."
Eine Erfahrung, die der jungen Lindauerin jetzt zugute kommt: Wie auf ihrem Blog (https://sentamaresahaiti.wordpress.com/) zu sehen ist, scheinen die Kinder die Volleyballspiele mit ihren Betreuerinnen zu genießen.
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