Kulmbach
Urteil

Mann brutal niedergeschlagen: Psychiatrie statt Gefängnis für den Täter

Der 34-jährige Kulmbacher, der in der Oberen Stadt einen Mann brutal zusammengeschlagen hatte, wurde am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Wegen einer Persönlichkeitsstörung wird er die Strafe in der forensischen Psychiatrie absitzen.
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Am Brunnen in der Oberen Stadt ereignete sich vor knapp einem Jahr die letzte von insgesamt 13 Straftaten eines 34-jährigen Kulmbachers, der gestern von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde.  Foto: Werner Reißaus
Am Brunnen in der Oberen Stadt ereignete sich vor knapp einem Jahr die letzte von insgesamt 13 Straftaten eines 34-jährigen Kulmbachers, der gestern von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde. Foto: Werner Reißaus
Vorsitzender Richter Michael Eckstein redete dem soeben Verurteilten bei seinem Schlusswort noch einmal ins Gewissen: "Alles hängt jetzt von Ihnen ab!" Das Schwurgericht blieb mit seinem Urteil knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft und verhängte gegen den 34-jährigen Türsteher aus Kulmbach wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung - in zwei Fällen auch wegen des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte - sowie mehrerer Sachbeschädigungen eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren.

Aufgrund einer massiven Persönlichkeitsstörung, die vermutlich auf eine frühkindliche Hirnschädigung zurückzuführen ist, erkannte das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten an. Es war der Wunsch des 34-Jährigen selbst, seine Strafe im Falle einer Sicherungsverwahrung in der Klinik für forensische Psychiatrie in Erlangen antreten zu dürfen. Diesem Wunsch kamen Gericht und letztlich auch die Klinik nach.

3000 Euro Schmerzensgeld

Dort ist Thomas Wenske als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie tätig. Er hatte sich als Gutachter in dem Strafprozess eingehend mit dem Angeklagten beschäftigt: Das Gutachten hatte nicht weniger als 140 Seiten, und der Facharzt referierte darüber knapp zwei Stunden. Der Kulmbacher nahm das Urteil an und verzichtete damit auch auf weitere Rechtsmittel. Er hat dem Opfer, der als Nebenkläger auftrat, ein Schmerzensgeld von 3000 Euro zu zahlen.

Richter Michael Eckstein ging nochmals auf die Kindheit des Angeklagten ein. Schon früh sei bei diesem eine Hirnorganbeschädigung diagnostiziert worden, die seine intellektuelle Leistungsfähigkeit massiv beeinflusste. Die festgestellte Persönlichkeitsstörung führte bei ihm bereits im jugendlichen Alter zu Straftaten. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus durch das Jugendschöffengericht bezeichnete Richter Michael Eckstein als völlig ungewöhnlich. In der Folge war der Angeklagte im Bezirkskrankenhaus in Bayreuth und in Wohngruppen untergebracht. Als die Führungsaufsicht beendet war, schlug aber die Persönlichkeitsstörung mit voller Wucht zu.

Richter Michael Eckstein: "Jedes körperliche Leiden ist nicht so schlimm wie diese Krankheit." Der Angeklagte hatte eine minimale Frustrationstoleranz, fühlte sich verfolgt und hatte Stimmungswandel von einer Sekunde auf die andere. Letztlich war dies auch eine Folge seiner schweren Erkrankung in früher Kindheit.

Für das Gericht war es deshalb klar, dass bei all den Straftaten eine eingeschränkte Schuldunfähigkeit in Frage komme. Der Alkoholkonsum, der den Taten immer vorausging, war nach Ansicht von Richter Michael Eckstein nur ein "Katalysator". Kurz nach dem Ende der Führungsaufsicht ging es mit den Straftaten wieder los, Auslöser konnten Belanglosigkeiten sein. So führte zum Beispiel eine förmliche Belehrung in der Polizeidienststelle Kulmbach zu einem Faustschlag gegen einen Polizeibeamten.

Opfer hatte großes Glück

Die letzte Straftat, bei der das Opfer - ein 31-jähriger Türke - ausgesprochenes Glück hatte, die Faustschläge und die Tritte gegen den Kopf und den Körper überhaupt zu überleben, führte dann zur erneuten Inhaftierung und Einweisung in das Bezirkskrankenhaus.

Zur Frage, wie der Angeklagte für seine insgesamt 13 Straftaten zu bestrafen ist, verwies Richter Michael Eckstein zunächst auf die starke Persönlichkeitsstörung des Kulmbachers, die seine Steuerungsfähigkeit letztlich erheblich beeinträchtigt. Es wurde deshalb auch die verminderte Schuldfähigkeit im Urteil berücksichtigt. Aus den Einzelstrafen wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren gebildet.

Vorsitzender Richter Michael Eckstein begründete auch die Unterbringung des 34-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik: "Sie brauchen ganz klare Strukturen. Wie sind der Auffassung, dass wir Ihnen mit dem Urteil eine Perspektive aufgezeigt haben, die Sie unbedingt nutzen sollten."
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