Neudrossenfeld
Natur

Langschläfer mit Zorromaske trifft Glücksdrachen

Im Forstrevier Waldhütte hat man für zwei relativ unbekannte, heimische Tierarten Lebensraum geschaffen.
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Ob da ein Zorrobilch drin ist? Forstwirt Michael Büttner kontolliert einen von 85 neuen Gartenschläfer-Nistkästen im Gebiet der Bayerischen Staatsforsten Nordhalben. Fotos: Adriane Lochner
Ob da ein Zorrobilch drin ist? Forstwirt Michael Büttner kontolliert einen von 85 neuen Gartenschläfer-Nistkästen im Gebiet der Bayerischen Staatsforsten Nordhalben. Fotos: Adriane Lochner
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Forstwirt Michael Büttner klopft an die Klappe, bevor er sie öffnet. "Wenn's zischt, weiß ich, dass er drin ist", erklärt er sein Vorgehen. Die Nistkästen ähneln denen für Vögel, nur dass der Eingang nicht vorne ist, sondern hinten am Baumstamm. Der Bewohner kann nicht fliegen, er klettert die Rinde hoch.

Niedlich und frech zugleich sieht er aus, der kleine Bilch mit der schwarzen Zorromaske. Büttner muss immer schmunzeln, wenn er von seinen Begegnungen mit dem Gartenschläfer erzählt. Einmal hätten ihn gleich acht kleine Zorros mit großen Augen angeschaut.


Vögel legen mehr Wert auf Sauberkeit


Den Unterschied zum Vogelnest erkenne man am Kot, Vögel seien viel reinlicher, so Büttner. Jedes Jahr im September säubert er die Nistkästen, damit der Gartenschläfer ein sauberes Winterlager hat. "Manchmal setzt er sich oben drauf und schaut zu", berichtet er.

Der Gartenschläfer ist ein naher Verwandter des Siebenschläfers. Beide gehören zu den Schlafmäusen, auch Bilche genannt. Wie der Name schon sagt, halten sie lange Winterschlaf, von Oktober bis April. Während der Siebenschläfer in Europa noch relativ häufig vorkommt, ist das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers seit den 1970er Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft - Ursache unbekannt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt das pussierliche Tier auf der Vorwarnliste.


Schutz vor Fressfeinden


Vor allem in Fichtelgebirge und Frankenwald konnte die seltene Tierart überleben. Gudrun Frohmader-Heubeck vom Landschaftspflegeverband in Wunsiedel erklärt: "Der Gartenschläfer ist eine Charakterart unserer felsigen Wälder. Die Tiere überwintern häufig in Felshöhlen."

Daher haben sie und ihr Team in der Nähe von felsigen Strukturen Spezialnistkästen angebracht. Diese sind aus langlebigem Holzbeton und schützen den Gartenschläfer-Nachwuchs vor Fressfeinden wie Fuchs, Marder und Eule.

Dieses Artenschutzprojekt hat der Landschaftspflegeverband Wunsiedel in Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben im Jahr 2013 gestartet. Mittlerweile freut sich Frohmader-Heubeck über eine Belegquote von fast 90 Prozent. Infos zum Gartenschläfer-Projekt gibt es auf der Website www.gartenschlaefer-oberfranken.de.


17 Nistkästen im Limmersdorfer Forst


"Wir wollen den Gartenschläfer vom Kerngebiet Frankenwald wieder ausdehnen", sagt Fritz Maier, Leiter des Forstbetriebs Nordhalben. Seit vergangenem Herbst wurden insgesamt 85 Kästen im Staatsforst-Gebiet angebracht, von der Thüringer Grenze bis nach Hof, Kulmbach, Kronach und Bayreuth. Im Forstrevier Waldhütte bei Neudrossenfeld sind es 17. Finanziell gefördert wird das Projekt vom Kulmbacher Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Mit Nistkästen allein ist es nicht getan. Der Gartenschläfer braucht einen strukturreichen Wald mit viel Bodenbewuchs, Beerensträuchern und Totholz. Darin leben Leckerbissen wie Schnecken, Würmer und Insekten. In reinen Fichtenwäldern findet er weder genug Nahrung noch Unterschlupf.


Wie ein Glücksdrache


"Artenvielfalt durch strukturreiche Wälder" ist Maier zufolge der Kern des Waldnaturschutzes. Derzeit läuft noch ein anderes Artenschutzprojekt im Forstrevier Waldhütte. Revierleiterin Sabine Schulze berichtet: "Wir haben zwei neue Teiche ausgebaggert und einen vergrößert." Und da alles für ein Tier, das so aussieht wie ein chinesischer Glücksdrache.

Der Kammmolch wird bis zu 18 Zentimeter lang und ist somit die größte heimische Molchart. Der Name leitet sich ab vom gezackten Rückenkamm, den die Männchen zur Paarungszeit ausbilden. Dieses ungewöhnliche Aussehen hat dem Tier den Spitznamen Wasserdrache eingebracht. Wirbt er um ein Weibchen, macht er unter Wasser eine Art Katzenbuckel, dann sieht sein Kamm noch mächtiger aus.


Stille und sonnige Gewässer bevorzugt


Ähnlich wie der Gartenschläfer ist auch der Kammmolch auf einen besonders strukturreichen Lebensraum angewiesen. Die Larven bevorzugen sonnige, stille Gewässer, die mindestens einen halben Meter tief sind, gleichzeitig aber Flachwasserzonen besitzen, in denen sie sich aufwärmen können.

Drumherum sollte es waldig sein, denn erwachsene Tiere ruhen tagsüber gerne unter Steinen oder Totholz. Nachts jagen sie Würmer, Schnecken und Insekten. Zum Überwintern suchen sie sich ein frostsicheres Versteck.

Ähnlich wie Frösche und Kröten wandern Kammmolche im Frühjahr zu ihren Laichgewässern und legen Strecken bis zu einem Kilometer zurück. Dazu müssen sie oft gefährliche Straßen überqueren. An das Laichgewässer stellt der Kammmloch hohe Ansprüche, empfindlich reagiert er auf Müll, Dünger und Umweltgifte. Daher ist der Kammmloch sehr selten geworden, im Gegensatz zu seinen Verwandten dem Bergmolch und dem Teichmolch. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz gilt er als "streng geschützt". Revierleiterin Schulze sagt: "Wir wollen dem Kammmolch etwa zwei Jahre Zeit lassen, dieses Biotop zu besiedeln." Den scheuen Lurch oder seine Larven nachzuweisen allerdings werde schon eine Herausforderung.


LBV erprobt neues Verfahren


Möglicherweise hat Kammmolch-Experte Philipp Wagner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Lösung. Um die Bestände in der Region zu bestimmen, führt er derzeit eine Pilotstudie durch. "Der Kammmolch lässt sich nur schwer nachweisen, bisher hat man ihn nachts in Reusen gefangen", erklärt er. Mit dem zoologischen Forschungsmuseum Koenig in Bonn und der Uni Essen möchte er eine neue Methode etablieren. In Wasserproben soll Kammmolch-DNA nachgewiesen werden. Bisher wurden 19 Gewässer im Raum Bayreuth, Lichtenfels und Coburg untersucht. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. "Wenn das funktioniert, wäre auch eine flächendeckende Studie denkbar."


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