Wirsberg
Hobby

Kupferberger hat jedes Krippenteil von Hand geschnitzt

Werner Reinfeld hat die Figuren der Wirsberger Kirchenkrippe restauriert. Ihre Füße sind klein wie ein Streichholzkopf. Für den Kupferberger kein Problem, hat er dieses Handwerk doch einst gelernt.
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Der gelernte Holzschnitzer Werner Reinfeld legt letzte Hand beim Kamel an. Foto: Werner Reißaus
Der gelernte Holzschnitzer Werner Reinfeld legt letzte Hand beim Kamel an. Foto: Werner Reißaus
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Werner Reinfeld hat ein Handwerk gelernt, das heute kaum noch jemand kennt. Der 65-Jährige ist ausgebildeter Holzschnitzer. Für die Kirchengemeinde Wirsberg kommt dieser Umstand einer Fügung gleich. Denn Reinfeld hat in den vergangenen Wochen in mühevoller Kleinarbeit die Krippe in der Johanniskirche wieder auf Vordermann gebracht.


"Weitvoller Schatz in unserer Kirche"


Pfarrer Peter Brünnhäußer war auf den Kupferberger aufmerksam geworden und hatte ihn gebeten, das Kunstwerk wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Und Werner Reinfeld ließ sich nicht zwei Mal bitten. Die Kirchenkrippe, deren älteste Figuren nachweislich vor 1860 geschnitzt wurden, war 2002 schon einmal umfassend restauriert worden. Die Arbeiten übernahm damals Karl-Heinz Exner, ein Krippenbaumeister aus Bischberg. Die Gesamtkosten von 7000 Euro konnten durch viele Spenden aufgebracht werden.

Bei der Krippe handelt es sich um das Werk Nordtiroler Schnitzer aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Experten gehen davon aus, dass Ochs und Esel sogar deutlich älter sind und aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die heilige Familie selbst dürfte nicht vor 1920 entstanden sein, wie aus dem Gutachten eines Bamberger Restaurators hervorgeht. Die Wirsberger sind natürlich stolz auf ihre Kirchenkrippe. Pfarrer Brünnhäußer ist beim Anblick immer wieder begeistert: "Sie ist ein ganz wertvoller Schatz in unserer Kirche."

Als 14-Jähriger hat Reinfeld 1964 in der Firma Holhut begonnen, das Holzschnitzerhandwerk zu erlernen. Der Beruf hatte aber sehr bald keine Zukunft mehr. In der Blütezeit beschäftigte der Stilmöbelhersteller Holhut an seinem Stammsitz in Kupferberg 180 Personen.


Zum Elektriker umgeschult


Werner Reinfeld machte dann sein Hobby zum zweiten Beruf. "Ich hatte in der Schnitzerei viele Elektrosachen repariert und in den letzten zwei, drei Jahren im Unternehmen als Hilfselektriker fungiert." Bei einem Diskothekenbauer aus der Region fand er eine neue Anstellung. Als Unternehmen Insolvenz anmelden musste, entschied sich Reinfeld mit Anfang 30, zum Elektroinstallateur umzuschulen. Mit dem Gesellenbrief in der Hand eröffnete Reinfeld dann in Kupferberg ein Elektrofachgeschäft. Den Betrieb hat er mittlerweile an Sohn Thomas übergeben.

Zur Wirsberger Kirchenkrippe kam der gelernte Holzschnitzer wie die Jungfrau zum Kind. Pfarramtssekretärin Ursula Lauterbach erinnerte sich, dass der Vorsitzende des Neufanger Schützenvereins die eine oder andere Königsscheibe geschnitzt hatte. Alles andere war dann schnell geklärt. Reinfeld: "Man hat mir die Figuren gebracht und ich konnte mir ein Bild von den notwendigen Arbeiten machen. So schlimm war es aber doch nicht, denn oft fehlten nur die Füße von den Schäfchen, die einfach weggebrochen waren. Es war eine ganz filigrane Schnitzarbeit, der Fuß war nicht größer wie ein Streichholzkopf."


"Ich will ja nur helfen"


Auch ein Kamel bekam vier neue Beine. "Ich will ja nur helfen. Ich kann nicht sehen, wenn eine wirklich wertvolle Schnitzerei so kaputt ist", so der Kupferberger bescheiden.

Die Krippe wurde aus Zirbelkiefer hergestellt. Das gleiche Holz hat Reinfeld auch für seine Ergänzungsarbeiten genommen. "Hier waren das Gefühl für Formen und eine ruhige Hand gefragt." Gearbeitet hat er meistens in der Nacht: "Das sind die ruhigsten Stunden, von 21 Uhr bis früh um 1 Uhr lässt es sich am schönsten arbeiten."

Gute 30 Stunden war Werner Reinfeld mit der Kirchenkrippe beschäftigt, auch das Beizen und Bemalen hat er selbst übernommen. In der Johanniskirche kann man das Ergebnis bestaunen.
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