Kulmbach
Gericht

Kulmbacher schlägt grundlos zu: 1200 Euro Strafe

Es war nur ein einziger Faustschlag, aber der hatte es in sich. Eine Gesichtsschädelprellung, zwei abgebrochene Schneidezähne und eine aufgeplatzte Unterlippe diagnostizierten die Ärzte später bei dem 28-jährigen Opfer, einem Angestellten aus dem westlichen Landkreis Kulmbach.
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Mit einem Faustschlag streckte ein Kulmbacher bei einer Party im Ei nkaufszentrum "Fritz" einen 26-Jährigen nieder. Dafür musste er sich gestern vor Gericht verantworten. Symbolkbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Mit einem Faustschlag streckte ein Kulmbacher bei einer Party im Ei nkaufszentrum "Fritz" einen 26-Jährigen nieder. Dafür musste er sich gestern vor Gericht verantworten. Symbolkbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Verantwortlich dafür war ein 34-jähriger Kulmbacher. Der Mann wurde gestern vor dem Kulmbacher Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt.


"Ich stehe dazu"


"Ich stehe dazu", sagte er vor Gericht und räumte die Tat unumwunden ein. Am 19. Oktober, gegen 0.15 Uhr bei einer Partyveranstaltung im Einkaufszentrum "Fritz" hatte der 34-Jährige völlig unvermittelt zugeschlagen. "Er provoziert jedes Mal, auch diesmal hat er wieder gestänkert", so der Angeklagte über den Geschädigten.

Später sollte das Opfer über den Angeklagten das Gleiche sagen. Er habe vorher etwas getrunken gehabt, sei daher enthemmt gewesen, da sei es eben passiert, so der Kulmbacher weiter. Tatsächlich stellten die Beamten bei ihm eine Blutalkoholkonzentration von 1,3 bis 1,4 Promille fest.
Entschuldigt habe er sich nicht und er möchte das auch nicht, so der Angeklagte. "Das wäre nicht ehrlich." Natürlich tue ihm die Geschichte leid, aber nicht mehr und nicht weniger.


Freundin angepöbelt?


Worum es eigentlich ging, war nicht zu erfahren. "Ich habe grundlos eine ins Gesicht bekommen", sagte der 28-Jährige. Nur soviel: Der Angeklagte soll zum einen die Freundin des Opfers, zum anderen dessen jüngere Schwester kontaktiert haben, mit welchen Absichten auch immer. Die Rede war von einem Treffen bei einem Kaffee, aber auch von Drogen.

Richterin Sieglinde Tettmann sah davon ab, die Hintergründe aufzuklären, dafür hätte der Prozesstag wohl nicht gereicht. Gefühlte eine Million Mal will die Freundin am Abend der Tat zum Angeklagten gesagt haben, dass er das Pöbeln lassen soll, doch es habe alles nichts geholfen, plötzlich habe es geknallt.


Hausverbot im Einkaufszentrum


Sicher war dagegen, dass der Geschlagene starke Schmerzen erlitt, noch in der Tatnacht im Klinikum behandelt werden musste und nächste Woche wieder zum Zahnarzt muss. Relativ sicher ist auch, dass der Angeklagte nicht mehr im "Fritz" auftauchen wird, denn dort hat er mittlerweile Hausverbot.

Staatsanwältin Ramona Herold forderte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung. Der Angeklagte sei bereits mehrfach vorbestraft, darunter auch einschlägig wegen eines Gewaltdelikts. Gegen den Mann sprechen auch die erheblichen Verletzungsfolgen des Opfers. Neben den vier Monaten forderte die Anklagevertreterin auch, dass der Angeklagte Schmerzensgeld zahlen und gemeinnützige Arbeit leisten sollte.


Entschuldigung verweigert


Rechtsanwalt Ralph Pittroff schloss sich als Nebenkläger dem Antrag an und gab zu bedenken, dass die Tat nicht spontan gewesen sei. Außerdem habe sich der Angeklagte einer Entschuldigung verweigert.

Richterin Sieglinde Tettmann urteilte schließlich wegen vorsätzlicher Körperverletzung auf 120 Tagessätze zu jeweils zehn Euro. Damit war die Richterin von der Staatsanwaltschaft gar nicht so weit entfernt, denn 120 Tagessätze entsprechen einer Strafe von vier Monaten. Tettmann sprach von Verhältnissen "fast wie im Kindergarten". Jedes Mal wenn die beiden Streithähne aufeinandertreffen, gebe es Theater. Die Richterin riet beiden Parteien, sich künftig aus dem Weg zu gehen, ehe einen der beiden wieder die Sicherung durchbrennt.

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