Kulmbach
Urteil

Kulmbacher im Suff total ausgerastet: Bewährung

Trotz erheblicher Straftaten kam ein 30-Jähriger Kulmbacher vor dem Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon.
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Acu weil er sein Alkoholproblem erkannt und sich freiwillig in eine Therapie begeben hat, kam ein 30-jähriger Angeklagter, der im Suff mehrere Straftaten begangen hatte, noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon. Foto: Arno Burgi, dpa
Acu weil er sein Alkoholproblem erkannt und sich freiwillig in eine Therapie begeben hat, kam ein 30-jähriger Angeklagter, der im Suff mehrere Straftaten begangen hatte, noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon. Foto: Arno Burgi, dpa
Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in mehreren Fällen, dazu einschlägige Vorstrafen und eine offene Bewährung - da braucht ein Angeklagter schon viel Glück, um noch einmal mit einer Bewährungsstrafe den Gerichtssaal verlassen zu können. Ein 30 Jahre alter Mann hatte das Glück, aber nicht nur das.

Weil er sein Problem erkannt und sich im vergangenen Herbst freiwillig in eine stationäre Langzeittherapie gegen Drogen und Alkohol begeben hat, räumte ihm das Gericht noch einmal eine Chance ein, sein Leben in den Griff zu bekommen.


Ab Sommer ein neues Leben


Tatsächlich bescheinigen die Ärzte dem Mann bislang einen positiven Therapieverlauf und eine positive Prognose.
Die Chancen stünden gut, dass er nach seiner Entlassung, voraussichtlich im Sommer, ein neues Leben beginnen kann.

Richterin Sieglinde Tettmann wollte dem 30-Jährigen dazu keine Steine in den Weg legen, obwohl seine Taten schwer wogen. Der Kulmbacher war Anfang September des vergangenen Jahres aus einem Lokal im Oberhacken verwiesen worden, weil er dort gegen das Rauchverbot verstoßen hatte. Aus Wut über den Platzverweis schlug er genau die Scheibe an der Eingangstür ein, die erst zwei Wochen davor neu eingesetzt worden war.
Doch damit nicht genug. Der Mann flüchtete, zwei Gäste nahmen die Verfolgung auf. Als sie den Angeklagten stellen konnten, teilte der aus und beleidigte die beiden Verfolger auf das Übelste.


Beleidigt und getreten


Zwischenzeitlich hatte der Wirt die Polizei gerufen, die den Angeklagten schließlich in der Spitalgasse dingfest machen konnte. Dann ging es erst richtig los: Der Mann widersetzte sich sämtlichen polizeilichen Maßnahmen mit Gewalt, sperrte sich dagegen, im Dienstwagen Platz zu nehmen, beleidigte die Polizisten und trat mit Füßen nach ihnen.

Erst als eine zwei Streife hinzugezogen wurde, konnte der Angeklagte gefesselt und zur Blutentnahme ins Klinikum gebracht werden. Ergebnis: Er hatte fast 2,2 Promille Alkohol im Blut.


Keine Erinnerung


Vor Gericht räumte der Mann die Vorwürfe ohne Umschweife ein, sagte aber auch, dass er sich wegen des hohen Alkoholspiegels kaum mehr erinnern könne. Bei den Zeugen entschuldigte er sich, die Polizeibeamten nahmen diese Entschuldigung allerdings nicht an. Dabei waren sie gar nicht verletzt worden.

Der einzig ernsthafte Verletzte war der Angeklagte selbst, der sich beim Einschlagen der Scheibe eine Schnittwunde an der Hand zuzog. Erst in der Ausnüchterungszelle setzte seine Erinnerung dann wieder ein.


"Renitent gegen alle Belehrungen"


Der Mann sei schon sehr ausfällig gewesen, habe herumgepöbelt und ihr seine blutende Hand entgegengestreckt, sagte die Zeugin, die den Angeklagten zusammen mit einem Bekannten verfolgt hatte.

Von einem Tumult berichtete der Begleiter der Frau ab dem Zeitpunkt, als die Polizei eingetroffen war. "Der Angeklagte erwies sich als renitent gegen sämtliche Belehrungen", so ein Beamter der Polizeiinspektion Kulmbach. Auf einer Skala zwischen eins und zehn würde er den Widerstand bei der höchsten Stufe, also bei zehn, einsetzen, sagte der Beamte. Sein Kollege pflichtete ihm bei. Sogar auf der Liege des Klinikums habe der Angeklagte fixiert werden müssen.

Recht kurios gestaltete sich das Finden des Strafmaßes. Sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch Verteidiger Ralph Pittroff plädierten auf sechs Monate mit Bewährung. Richterin Tettmann sprach sich mit acht Monaten plus Bewährung dagegen für zwei Monate mehr aus.

Als Auflage setzte sie 1000 Euro an den Bewährungshilfeverein "Fähre." fest und gab dem Angeklagten auf, seine Therapie zu Ende zu führen und sich um eine Nachsorge zu kümmern.

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