Kulmbach
Kultur

Kulmbacher genießen Werk, das fließt und atmet

Mit dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach sind die 31. Kulmbacher Kirchenmusiktage zu Ende gegangen. Das Publikum erlebte eine souveräne Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten.
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Eine eindrucksvolle Aufführung vom zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erlebten die Besucher zum Abschluss der Kirchenmusiktage in der gut besetzten Petri-Kirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn.  Foto: Stephan Herbert Fuchs
Eine eindrucksvolle Aufführung vom zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erlebten die Besucher zum Abschluss der Kirchenmusiktage in der gut besetzten Petri-Kirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn. Foto: Stephan Herbert Fuchs
Wer kennt es nicht, Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, ein Zyklus von sechs Kantaten, den der Komponist für den Jahreswechsel 1734/35 zusammengestellt hat. Während bei fast allen Aufführungen nur die Kantaten 1 bis 3 gespielt werden, hat sich Stadt- und Dekanatskantor Ingo Hahn zum Abschluss der Kirchenmusiktage am Sonntag in der Petrikirche wieder einmal für die Teile 4 bis 6 entschieden. Bestimmt für Neujahr, den Sonntag danach und für Epiphanias.

Auch hier gibt es prachtvolle Eröffnungschöre, Choräle sowie Arien, in denen die Gesangssolisten mit einzelnen Instrumenten dialogisieren. Zuletzt waren die Kantaten 4 bis 6 im Jahr 2011 in Kulmbach erklungen.
Ebenfalls mit dem Hallenser Orchester und teilweise mit den gleichen Solisten.


Populäre Komposition


Bachs populäre Komposition erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukas- und teilweise auch im Matthäus-Evangelium nachzulesen ist. Jede der insgesamt sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums hat seinen, von den anderen Abschnitten unabhängigen Platz im Kirchengeschehen zwischen Weihnachten und Epiphanias (Dreikönig), verstreut über die Festtage zweier Wochen.

Die Bestimmung der Kantate, wie sie sich aus der Leipziger Praxis zu Bachs Zeit ergab, bestand darin, im Gottesdienst aufgeführt zu werden. Damit war die komponierte Musik Bestandteil des religiösen Ablaufs.

In Zeiten der modernen Aufführungspraxis und einer nahezu unbegrenzten Reproduzierbarkeit von Musik hat sich das Werk von seinem liturgischen Kontext gelöst. Eine Konzertaufführung, wie die in Kulmbach, fügt das, was zu Bachs Zeiten in der Liturgie verankert und auf mehrere Feiertage verteilt war, zu einem neuen Ganzen zusammen. Das Weihnachtsoratorium hat längst unabhängig von seiner gottesdienstlichen Funktion ein Eigenleben als eigenständiges Oratorium entwickelt.

Die Kulmbacher Kantorei, das Orchester "Musica juventa" aus Halle, Organist Thomas Rothert und die vier Solisten unter der Leitung von Ingo Hahn interpretieren das beliebte Werk auch diesmal frisch und geradlinig, mit schlankem transparentem Klang.


Alles klingt natürlich


Das musikalisch-technische Niveau von Solisten und Ensemble ist durchgängig hoch. "Musica juventa" musizieren überaus gelöst, spieltechnisch und artikulatorisch brillant. Ingo Hahn lässt der Musik den Raum, den sie braucht. Alles klingt natürlich, die Musik fließt und atmet.

Dabei setzt er auch auf eine souveräner Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten. Seine Tempi sind oft eine Kleinigkeit rascher als bei vielen Aufführungen und Einspielungen üblich, was einerseits gut zu dem transparenten Klangbild und den Chorstimmen der Kulmbacher Kantorei passt.


Rasche Wechsel


Ganz besonders fällt diesmal auf, dass Ingo Hahn nicht nur die Tempi rasch nimmt, auch zwischen den einzelnen Nummern und sogar zwischen den Kantaten bleibt wenig Zeit. Diese Art des komprimierten Musizierens lässt konzentriertes Hören zu jedem Zeitpunkt zu.

Sämtliche Ecksätze werden beim Wort genommen und sind zumindest in der sechsten Kantate mit stampfenden Pauken und hellen schmetternden Trompeten fast eine Aufforderung zum Tanz. Chor und Orchester folgen dem musikantischen Impuls der Stücke, niemals gibt es ein bedeutungsschwangeres Dahinschleppen, ohne dass dies zu Kosten der Empfindsamkeit geht. Keine Frage, dass dieses hohe Niveau unter Ingo Hahns Leitung über alle drei Kantaten bestehen bleibt.

Vollends überzeugen kann auch die Besetzung der Solopartien. Schlanke, aber dennoch farbige Stimmen, die die Weihnachtsgeschichte mit Gefühl und Lebendigkeit, aber ohne rhetorische Mätzchen oder übertriebene Theatralik erzählen. Tenor Christopher Rösel verbindet stimmliche Schönheit mit erzählerischer Aussagekraft. Er gestaltet nicht nur die halsbrecherischen Tenorarien eindrucksvoll, sondern deklamiert auch die Rezitative des Evangelisten mit lockerer Tongebung und stets textverständlich.

Das gilt auch für die Münchner Sopranistin Stephanie Krug, die mit ihrer schlanken aber trotzdem markanten und den Raum ausfüllenden Stimme ihren Arien bestens Profil verleihen kann.


Tanja Schallers kurzes Solo


Bass Markus Simon bringt seine Parts sehr textverständlich und mit hoher Empfindsamkeit dar. Weniger solistische Aufmerksamkeit hat Bach der Altistin geschenkt. Katharina Heiligtag gestaltet ihre Parts trotzdem ausdrucksvoll und überzeugend. Ein ganz kurzer solistischer Auftritt kommt auch Tanja Schaller aus den Reihen der Kantorei zu, die in der Echo-Arie mit Ja und Nein auf die Sopranistin antworten darf.

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