Mainleus
Wirtschaft

Kulmbacher Spinnerei endgültig geschlossen

Heute erhalten die letzten Mitarbeiter der Kuspi in Mainleus ihre Kündigung. Nach der Schließung der Spinnerei war nur noch die Färberei in Betrieb. Doch auch die wird Ende des Monats dicht gemacht. Das Ende des Traditionsunternehmens ist damit besiegelt.
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Bald ist die Kuspi nur noch eine Industriebrache.  Foto: Archin
Bald ist die Kuspi nur noch eine Industriebrache. Foto: Archin
Ich bin gerade dabei, die Massenentlassungsanzeige an die Arbeitsagentur vorzubereiten. Heute Nachmittag werden die Kündigungen ausgesprochen." Insolvenzverwalter Bastian Messow hat lange um den Erhalt der Kuspi gerungen - vergeblich. Nach der Schließung der Spinnerei wird nun Ende des Monats auch die Färberei ihre Tore schließen.

Aufträge haben nicht gereicht

Die Aufträge für die Färberei haben einfach nicht ausgereicht, bedauert der Insolvenzverwalter der Frankfurter Agentur Brinkmann & Partner. Dabei habe es anfangs gar nicht so schlecht ausgesehen. "Es gab Gespräche mit verschiedenen Interessenten, bei denen auch die Kunden dabei waren." Doch in der vergangenen Woche seien die Verhandlungen gescheitert.

Letztlich sei ihm die Zeit davon gelaufen, weil nicht nur die hohen Energiekosten für das Kesselhaus zu schaffen machten, sondern auch die Auftragslage zum Handeln gezwungen habe, so Bastian Messow. "Es haben einfach die Mengen gefehlt, die man produzieren muss ..." Das liege unter anderem daran, dass Folgeaufträge von der Spinnerei mit deren Schließung weggebrochen seien, weil sich die Kunden nach Alternativen umgeschaut hätten.

Gespräche mit Färberei Geyer

Als ein möglicher Investor sei die Färberei Geyer aus dem benachbarten Schwarzach in Frage gekommen. Die sei zwar mittlerweile ebenfalls in Insolvenz, aber er habe eng mit dem dortigen Insolvenzverwalter zusammengearbeitet und in der Tat nach einer Lösung für die beiden Firmen gesucht. Doch das sei letztlich auch gescheitert.

Ein großes Lob spricht Insolvenzverwalter Messow der Belegschaft der Färberei der Kuspi aus. "Die Mitarbeiter haben bis zum Schluss hervorragende Leistungen erbracht und nicht die Flinte ins Korn geworfen." Und auch die Qualität sei so gut gewesen, dass jeder versucht habe, noch eine Lösung zu finden. Letztlich hätten aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Aus besiegelt. Etwas über 30 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen.

Maschinen werden abgebaut

Was den Menschen derzeit wohl zusätzlich zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass die Maschinen aus der vor Weihnachten geschlossenen Spinnerei abgebaut werden. Ein amerikanischer Maschinenhändler habe die Maschinen erworben, so Messow.

Für die Gemeinde ist das Aus der Färberei eine kleine Katastrophe, erklärt Bürgermeister Dieter Adam. Und das nicht nur mit Blick auf die Arbeitsplätze. "Jetzt stellen sich mehrere Fragen: Was passiert mit dem Gelände? Kommt unter Umständen früher oder später ein Altlastenproblem? Wie sind die Auswirkungen auf die Abwassergebühren?"

Letzte könnten nach den Worten von Dieter Adam steigen, weil die Färberei ein großer Einleiter gewesen sei und die Schließung Auswirkungen auf die Auslastung der Pumpstationen haben werde.

Adam: Ein Konzept muss her

Für Bürgermeister Adam ist es nun wichtig, ein Konzept für das Gelände zu erstellen. "Vielleicht kommen wir in ein Programm wie neulich Kulmbach für seine alte Spinnerei." Es sei auch denkbar, alles abzureißen und Platz für Wohnbebauung zu schaffen.



Die Chronik der Spinnerei


Gründung Die Kulmbacher Spinnerei wird 1863 gegründet. 1908 wird das Zweigwerk in Mainleus errichtet. In Spitzenzeiten sind 4000 Menschen beschäftigt.

1970 3330 Mitarbeiter.

1993 240 der 780 Mitarbeiter wird gekündigt, die Produktion wird nach Mainleus verlagert.

2010 Die Spinnerei meldet Insolvenz an. In Mainleus sind 227 Menschen beschäftigt.

Oktober/November 2011 Die Schweizer Firma Nexis Fibers übernimmt die Spinnerei, die noch 150 Mitarbeiter zählt.

September 2012

Die Nachfolgefirma Kuspi meldet Insolvenz an. Dem Investor aus der Schweiz wird mit die Schuld dafür gegeben. Er habe keine Bemühungen unternommen, den Betrieb zu retten, hieß es damals.

Dezember 2012 Im Dezember schließt die Spinnerei, die Färberei macht aber weiter.

März 2013 Jetzt ist auch die Färberei nicht mehr zu retten. Fehlende Aufträge und die hohen Energiekosten besiegeln das Ende des Traditionsunternehmens, das heuer 150 Jahre alt geworden wäre,


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