Burghaig
Volkstümlich

Kulmbacher Pfarrer bleibt "seinem" Luther treu

Vom großen Reformator hat sich der Geschichtenerzähler vom Burghaiger Asternweg viel abgeschaut - nicht nur den "fröhlichen Furz". Am Montag wird er 75.
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Hat eine große Fangemeinde: Geschichtenerzähler Klaus Kuhrau. Vor ihm liegt seine Zettelschlange mit den Stichworten für über 400 Geschichten. Foto: Stephan Tiroch
Hat eine große Fangemeinde: Geschichtenerzähler Klaus Kuhrau. Vor ihm liegt seine Zettelschlange mit den Stichworten für über 400 Geschichten. Foto: Stephan Tiroch
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In Amt und Würden ist er schon zehn Jahre nicht mehr - aber Pfarrer bleibt Pfarrer: Klaus Kuhrau wird nach wie vor als der populäre Gottesmann wahrgenommen, der er immer war. Vertretungsweise trifft man ihn ab und zu noch mal auf der Kanzel an, vor allem in Melkendorf. Fast jede Woche ist er auch als Erzähler mit seinen heiter-besinnlichen Geschichten unterwegs. Dabei orientiert er sich immer an seinem Vorbild Martin Luther - nicht nur, weil heuer Jubiläumsjahr ist. "Ich mag ihn sehr", sagt der Mann, der am Montag 75 wird.

Zehn Jahre ist Kuhrau nun im Ruhestand. Er wohnt im Burghaiger Asternweg und genießt die Aussicht, die von der Plassenburg bis zum Skihang Zultenberg reicht. Gerne denkt er an seine letzte Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Mangersreuth (1984 - 2007). Und das gilt auch umgekehrt.


"Überall rumgegeistert"

"Er war a fein's Pfarrerla", sagte Kirchenvorstandsmitglied Christina Flauder bei Kuhraus Verabschiedung. Und Organist Richard Groß erinnert sich an so manches "Stückla, das wir gedreht haben". Als da wäre? "Für eine Hochzeit in der Schlosskapelle haben wir einmal den Generalschlüssel der Plassenburg bekommen. Wir sind überall rumgegeistert und haben eine verschlossene Tür aufgesperrt. Dadurch wurde Alarm ausgelöst. Es waren aber keine Einbrecher, sondern der Kuhrau und ich", so Groß.

Dem langjährigen Organisten gefallen besonders die Geschichten Kuhraus ("ein Pfarrer, der in die Welt passt"). Wenn dieser seine Zettelschlange rauskramt, die über 400 Stichwörter beinhaltet, und er dann aus dem Gedächtnis erzählt.


Schlachtfest in Donnersreuth

Ein Beispiel: Schlachtschüssel in Donnersreuth. Die Episode handelt vom Mangersreuther Pfarrer Hans Zeh (1939 - 1966). Groß kennt das G'schichtla auswendig: "Zeh fuhr heim vom Schlachtfest und hatte ein paar Bier getrunken. Die Polizei hielt ihn an und fragte, wo er herkomme. Von einer Toten, sagte er, und die Polizei ließ ihn weiterfahren. Zeh hatte nicht gelogen, er meinte die tote Sau."

Seinem Vorvorgänger, nach dem in Weiher eine Straße benannt ist, fühlt sich Kuhrau sehr nahe, obwohl er Zeh persönlich nicht gekannt hat. Er kennt ihn aus Erzählungen, und Kuhrau imponiert dessen Geradlinigkeit und seine Sprachkraft: "Bei ihm war die Kirche voll. Seine Predigten waren kurz und prägnant. Er hat den Leuten die Welt erklärt. Zeh war einen Luthergestalt."


Predigt höchstens zehn Minuten

Überhaupt Luther: Dem großen Reformator, dessen Thesenanschlag vor 500 Jahren heuer groß gefeiert wird, bleibt Kuhrau treu. Wie Zeh hat er sich stets am Luther-Wort "Tritt fest auf, mach's Maul auf, hör bald auf" orientiert. "Ich mag das viele Gesülze nicht" sagt Kuhrau. Höchstens zehn Minuten dürfe eine Predigt dauern, sonst hören die Leute nicht mehr zu. Etwas ketzerisch könne man sagen: "Zehn Minuten für Gott, 20 für die Katz' und 30 Minuten für den Teufel."

Noch ein Luther-Zitat, das für Kuhrau große Bedeutung hat: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen." 1521 vor den Reichstag in Worms zitiert, sei "der kleine Augustinermönch auch vor dem allerhöchsten Gremium nicht eingeknickt, habe sich seinem Gewissen verpflichtet gefühlt und Zivilcourage gezeigt. "Markante Sätze, ein großartiger Theologe."


Bescheiden und dankbar

Gottesfürchtig, heiter, bescheiden und dankbar - so ist Kuhrau. Eigenschaften, die nicht mehr so oft anzutreffen sind. Aus Ostpreußen geflohen, bei Freiberg in Sachsen aufgewachsen und mit 19 in den Westen "rübergemacht", schlägt er sich als Hilfsarbeiter in Darmstadt durch, macht in Regensburg mit 25 als Altlehrling eine Fotografenausbildung und findet beim einjährigen Arbeitseinsatz in Israel seine Bestimmung: Er fühlt sich der Bibel ganz nah und will Pfarrer werden.

In Neuendettelsau darf er als Spätberufener Theologie studieren. "Ich bin dankbar, dass alles so geklappt hat", sagt er.


"Ein trauriger Arsch"

Am besten kommt Kuhraus Naturell durch einen dritten Luther-Spruch zum Ausdruck: "Aus einem traurigen Arsch kommt kein fröhlicher Furz." Eine derbe Sprache, die selbsterklärend ist. "Es sollte in der Kirche immer was zum Schmunzeln geben", meint Kuhrau, der den Gründervater seiner Konfession auch dafür schätzt, "dass er die evangelische Pfarrhauskultur eingeführt hat, wo es gastlich zugeht und es fröhliche Tischrunden gibt".

Sogleich fällt Kuhrau, der nicht nur als Erzähler eine große Fangemeinde hat, wieder eine Geschichte ein - natürlich von Pfarrer Zeh, der gerne gezecht hat: "Esset, trinket, packet ein - das war sein Motto, denn er hatte Frau und Kinder zu Hause."
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