Kulmbach
Phantom

Kulmbacher Lidl-Räuber wird der Prozess gemacht

Dem Mann, dem auch ein Überfall in Kulmbach angelastet wird, kommt in Hannover vor Gericht. Ein Mord und einen Serie von 24 Supermarkt-Überfällen gehen auf sein Konto.
Artikel drucken Artikel einbetten
Korpulent und Schiebermütze: Der 42-jährige Pole, dem demnächst in Hannover der Prozess gemacht wird, versetzte über ein Jahr lang Supermarkt-Personal in Angst und Schrecken.  Foto: Archiv
Korpulent und Schiebermütze: Der 42-jährige Pole, dem demnächst in Hannover der Prozess gemacht wird, versetzte über ein Jahr lang Supermarkt-Personal in Angst und Schrecken. Foto: Archiv
In Oberfranken beging er seine letzten Überfälle, in Sachsen schnappte ihn ein bayerisches SEK, und in Hannover wird dem Lidl-Räuber jetzt der Prozess gemacht. Ein Raubmord und eine Serie von 24 Überfällen auf Supermärkte in ganz Deutschland gehen laut Staatsanwaltschaft auf sein Konto.

Der bundesweit gesuchte Raubmörder hielt die Polizei über eineinhalb Jahre in Atem. Der 42-jährige Pole überfiel am 10. Juni auch die Kulm bacher Lidl-Filiale in der Albert-Ruckdeschel-Straße. Dabei ging er nach dem üblichen Muster vor und betrat kurz vor Ladenschluss den Markt. An der Kasse zog er unvermittelt eine Waffe. Er bedrohte die Kassiererin, steckte das Geld in eine Plastiktüte und rannte hinaus. Per Fahrrad suchte er das Weite und verschwand - wie immer - wie ein Phantom.


Skrupellos von der Waffe Gebrauch gemacht

Während die Lidl-Mitarbeiter in Kulmbach unverletzt blieben, machte der Räuber andernorts skrupellos von der Waffe Gebrauch. In Hannover tötete er einen 21 Jahre alten Kunden, der der Kassiererin helfen wollte. In Oberfranken überfiel der Täter noch eine Lidl-Filiale in Hof (3. Juni) und einen Netto-Markt in Pegnitz (11. Juni).

Wegen des Tötungsdelikts in Hannover übernahm die dortige Kripo federführend die Ermittlungen. Deswegen steht der Serientäter auch in Hannover vor Gericht. Einen genauen Termin gibt es laut Landgerichtssprecher Steffen Wolters noch nicht. Möglicherweise beginnt der Prozess aber noch im Dezember.


Verkaufspersonal in Angst und Schrecken

Die niedersächsische Sonderkommission "Discounter" suchte deutschlandweit nach dem korpulenten Mann mit Schiebermütze, der das Verkaufspersonal in Angst und Schrecken versetzte. Wegen der drei Überfälle in Oberfranken bildete man auch beim Polizeipräsidium in Bayreuth die Ermittlungsgruppe "Kasse".

Dem Supermarkt-Räuber konnten aufgrund von DNA-Spuren - er trug bei den Überfällen keine Handschuhe - 24 Taten in Oberfranken, Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt zugeordnet werden.


Gespeicherte Handydaten hilfreich

Aufgrund akribischer Ermittlungen geriet der Mann ins Visier der Polizei. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Klinge, Hannover, stellte sich durch gespeicherte Handydaten heraus, dass sein Mobiltelefon stets in der Nähe der Tatorte eingeloggt war. Als sein Handy am 24. Juni in einer Funkzelle bei Cottbus auftauchte, war klar, dass sich der Verdächtige wieder in Deutschland aufhielt. Auch sein dunkler BMW, der über polnische und deutsche Wechselkennzeichen verfügte, war durch Zeugenaussagen bekannt.

Offenbar kam der Mann nur zu den Raubzügen nach Deutschland. Seine Beute soll sich auf etwa 100 000 Euro belaufen. Vorher lebte er unbescholten mit Frau und Kleinkind in Polen.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren