Kulmbach
Fußball-Bundesliga

Kulmbacher Club-Fans hoffen auf eine rotes Wunder

Die Club-Anhänger aus dem Landkreis Kulmbach pendeln am Samstag zwischen Himmel und Hölle. Fans aus Thurnau und Kasendorf wollen den letzten Akt des FCN-Dramas auf Schalke miterleben, auch wenn es eine "Leichenschmausfahrt" werden sollte.
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Am Samstag auf Schalke muss ein kleines Fußball-Wunder geschehen, damit der 1. FC Nürnberg nicht zum achten Mal das Fußball-Oberhaus verlassen muss. Foto: imago
Am Samstag auf Schalke muss ein kleines Fußball-Wunder geschehen, damit der 1. FC Nürnberg nicht zum achten Mal das Fußball-Oberhaus verlassen muss. Foto: imago
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Ob es heute was zu feiern gibt, ist nicht sehr wahrscheinlich. "Einige sagen, dass es eine Leichenschmausfahrt wird", erzählt Karl-Heinz "Meck" Schneider. Dennoch ziehen die Club-Fans aus Thurnau und Kasendorf wieder los und begleiten ihre Mannschaft zum Auswärtsspiel auf Schalke. "Die 55 Plätze im Bus waren gleich weg", so der Limmersdorfer. Ihm und seinen Freunden vom FCN-Fanclub Thurnau-Kasendorf ist klar: Es könnte die Abschiedsvorstellung des 1.FC Nürnberg in der Fußball-Bundesliga werden.

Schneider wehrt sich dagegen, nach dem miserablen Spiel gegen Hannover (0:2) an die kleine Chance auf den Klassenerhalt zu glauben. Dazu müssten Hamburg und Braunschweig verlieren und der 1. FCN beim Championsleague-Aspiranten Schalke 04 gewinnen. Und dann käme ohnehin noch die Relegation gegen den Zweitligadritten.
"Eigentlich haben wir keine Chance, aber die sollten wir nutzten", sagt er und erinnert an Hoffenheim vor einem Jahr, das in Dortmund die Riesensensation geschafft hat.

Die Saison sei heuer aus Club-Sicht völlig verkorkst gewesen: 24 Pfosten- oder Lattentreffer, zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen und viele Verletzte - "das kann eine Mannschaft wie Nürnberg nicht kompensieren, meint Schneider, der auch die Entlassung des Trainers Gertjan Verbeek kritisiert: "Spielerisch war's gut bei ihm."

Essen, Hrubesch und seine Frau

Trotz allem: Der Fanclub Thurnau-Kasendorf ist vorbereitet, um ein Fußball-Wunder zu feiern: "Wir haben Brotzeit dabei, warmen Leberkäse und Göttinger, Bier jeder Sorte - bei uns gibt's alles", sagt Schneider, der von früher schwärmt: "Beim Aufstieg 1978 war ich in Essen an der Hafenstraße dabei. Wir saßen hinterm Hrubesch seiner Frau, und der hat zwei Minuten vor Schluss einen Elfmeter verschossen. Das 2:2 hat gereicht."

Bei den "Mönchshof-Treuen" hat sich dagegen bereits weitgehend Hoffnungslosigkeit breitgemacht. "Wir waren mit 22 Mann und einem Bus beim letzten Heimspiel in Nürnberg und wollten heimwärts in der Fränkischen den Klassenerhalt feiern", sagt Matthias Bergmann.

Daraus ist bekanntlich nichts geworden, an ein rotes Wunder glaubt er nicht mehr. "Wir haben die Hoffnung fast aufgegeben. Ich schau das Spiel gar nicht an", sagt er, und nach einer Pause fährt er fort: "Höchstens, dass ich am Radio zuhöre." Bergmann hat keine Lust auf Hoffen und Bangen: "Ich habe schon drei Abstiege live im Stadion gesehen, ich muss mir das nicht noch mal antun."

Allgemeine Depression

Aufgrund allgemeiner Depression haben die "Mönchshof-Treuen" für Samstag nichts geplant."Wir haben gegen Hannover die Hoffnungs losigkeit gesehen, die da herrscht. Die Mannschaft gibt das anscheinend nicht her", sagt er und spricht von "mangelnder Qualität". In der Vorsaison habe Nürnberg viel effektiver gespielt: "Wir haben viele Tore nach Standardssituationen geschossen - heuer waren es 20 weniger." Bergmann hofft auf "einen ordentlichen Neubeginn mit jungen Spielern".

Besonders bitter wäre der achte Club-Abstieg für den FCN-Fanclub in Untersteinach. "Wir bestehen heuer seit 20 Jahren", sagt Dieter Straubinger, der Gründungsvorsitzende, der sein Amt vor einem Jahr an Bastian Schmied abgegeben hat. "Damals sind wir mit dem Fahrrad nach Nürnberg gefahren, eine Drei-Tage-Tour. Wir durften sogar eine Ehrenrunde im Stadion drehen. Der Club hat aber 0:1 gegen Rostock verloren und ist dann auch abgestiegen", erinnert sich Straubinger, der trotz aller Misserfolge noch nie an seiner Verbundenheit zum 1. FC Nürnberg gezweifelt hat.

"Jetzt erscht recht"

Seinem jungen Nachfolger setzt das Club-Drama ganz schön zu. Dem Altenpfleger macht es nicht mal was aus, dass er heute arbeiten muss. "Das wird nix", glaubt er, "aber dann steigen wir nächste Saison wieder auf." Schmied weiß, dass der Abstieg die Untersteinacher nicht umhauen wird. Getreu dem Vereinsmotto "Jetzt erscht recht" - oder wie einer von den Club-Ultras sagen würde: "Ich bereue diese Liebe nicht."
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