Kulmbach

Kulmbacher Bank setzt auf Regionalität

Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Kulmbacher Bank sprechen wir mit den Vorständen Dieter Bordihn und Stephan Ringwald.
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Stephan Ringwald (links) und Dieter Bordihn im Interview Foto: Kulmbacher Bank
Stephan Ringwald (links) und Dieter Bordihn im Interview Foto: Kulmbacher Bank
Wie schätzen die Vorstände die Kulmbacher Bank im Jubiläumsjahr ein. Wir haben mit ihnen gesprochen:

Herr Bordihn, Herr Ringwald - Sie repräsentieren ein Unternehmen, das auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken kann. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Dieter Bordihn: Wenn ein Unternehmen 150 Jahre besteht und immer noch erfolgreich und zukunftsfähig ist, dann hat es seine große Wandlungsfähigkeit und Innovationskraft bewiesen. Unserer Kulmbacher Bank ist dies mit den traditionellen genossenschaftlichen Werten und der regionalen Verwurzelung gelungen. Es macht mich stolz, dass ich einen kleinen Teil dieser langen erfolgreichen Geschichte mitgestalten durfte.
Stephan Ringwald: Vorauszuschauen und künftige Einschätzungen mit Zahlen zu unterlegen, das sind Anforderungen, denen wir im Rahmen unserer strategischen Planung - auch unter bankaufsichtlichen Aspekten - nachkommen. Im 150. Jahr des Bestehens unserer Bank schaue ich dagegen auch zurück in die Gründerjahre und die Herausforderungen, die damals zu bewältigen waren. Im Ergebnis stelle ich fest, dass wir mit unserem Geschäftsmodell erfolgreich sind, weil wir den Menschen und nicht virtuelle Renditen in den Mittelpunkt stellen. Das ist eine Erfolgsgeschichte, an der ich sehr gerne "mitschreibe".

Welche Impulse vermag Ihr Institut im 151. Jahr seines Bestehens der Region zu vermitteln?
Bordihn: Die Kulmbacher Bank ist auch heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in und für die
Region. Wir wollen das fortsetzen. Als attraktiver Arbeitgeber, als zuverlässiger Steuerzahler und Investor, aber insbesondere als regionaler Finanzdienstleister. Wir werden in der Region stets ein umfassendes Angebot an Finanzdienstleistungen bereitstellen. Anders als manche international tätigen Großbanken, die Geschäftsmodelle rigoros ändern und dabei Kundengruppen als nicht rentabel genug
"ablegen".

Gleichwohl - das genossenschaftliche Modell von Raiffeisen - wie passt das in eine Zeit mit extrem niedrigen Zinsen, Internetbanking und einer gewissen Vertrauenskrise der Banken?
Ringwald: Menschen wollen zu Menschen kommen. Diese gelebte Kundennähe ist eine wesentliche Ausprägung unseres Geschäftsmodells. Ergänzend bieten wir technikgestützte Zugangswege an. Damit ist das genossenschaftliche Modell so aktuell wie nie. Die Genossenschaftsbanken haben als einzige der drei Banksäulen (privat, öffentlich-rechtlich, genossenschaftlich) in der Finanzmarktkrise keine Staatshilfe benötigt. Sie haben wesentlich zur Stabilisierung des marktwirtschaftlichen Systems beigetragen. Und die Vielzahl von Neugründungen - beispielsweise im Energiesektor - zeigt, wie modern und der Zeit angepasst Genossenschaften sind.

"Regionalität" ist eines der Stichworte, auf das die Kulmbacher Bank setzt. Wird sie für Sie auf Dauer finanzierbar bleiben?
Ringwald: Die anhaltende Niedrigzinsphase und die zunehmende Regulatorik sind Herausforderungen, denen sich auch die Kulmbacher Bank stellen muss - obwohl wir kein global tätiger Finanzdienstleister sind. Wir sind und bleiben in der Region verwurzelt und stellen uns der Verantwortung für die Menschen in der Region. Im Bewusstsein dieser Verantwortung sind wir naturgemäß aber auch aufgefordert, regelmäßig die Wirtschaftlichkeit unserer Standorte zu überprüfen.

2014 war Ihr erfolgreichstes Jahr - die Bilanzsumme liegt bei fast 704 Millionen Euro, bei den Mitgliedern haben Sie die 18000er Marke geknackt. Sind Sie mit Ihren Zahlen zufrieden?
Bordihn: Zahlen sind nicht alles, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir haben die Möglichkeit, unseren Eigentümern eine attraktive Dividende auszuschütten, einschließlich einem Prozent Jubiläumsbonus sind das 4,25 Prozent - und gleichzeitig das Eigenkapital nennenswert zu stärken. Und mit unserem Betriebsergebnis liegen wir genau im Durchschnitt der Institute des Genossenschaftsverbandes Bayern, obwohl Oberfranken nicht zu den prosperierendsten Regionen Bayerns gehört.

Längerfristige Prognosen haben Sie in Ihrem Bilanzpressegespräch im März angesichts des "anspruchsvollen Marktumfelds" nicht gewagt. Wo sehen Sie die Kulmbacher Bank mittelfristig, welche Ziele nehmen Sie sich vor?
Ringwald: Ausgerichtet an der genossenschaftlichen Idee wollen wir mit unserem Geschäftsmodell weiterhin nachhaltigen Nutzen für unsere Mitglieder und Kunden erreichen und damit gleichzeitig unsere Marktposition und unser betriebswirtschaftliches Fundament stärken.

Jubilaren gibt man gute Wünsche mit auf den Weg - was wünschen Sie Ihrem Institut für die Zukunft?
Bordihn: Ich hätte eine sehr lange Wunschliste. Letztendlich muss aber die Bank selbst alles tun, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Nur dann kann sie auf lange Sicht der verlässliche Partner in allen Finanzangelegenheiten sein. Dafür wünsche ich allen Entscheidungsträgern unserer Bank stets eine glückliche Hand und dazu eine Regulatorik mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand.
Ringwald: Die Jubilarin ist vital - diese Vitalität wünsche ich ihr auch für die vor ihr liegenden Herausforderungen. Den Wunsch verbinde ich mit der Hoffnung, dass sie von überzogenen bankaufsichtlichen Regelungen verschont bleiben möge.
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