Kulmbach
Integration

"Kulmbach ist bunt" will Brücke zwischen den Menschen bauen

Viele Kulmbacher interessieren sich für "Kulmbach ist bunt". Rund 100 Gäste kamen am Freitagabend zum Gründungsfest in die Kommunbräu. Der neue Verein möchte sich intensiv um die Integration der Flüchtlinge kümmern und lädt auch Nicht-Mitglieder zum Mitmachen ein.
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Julia Brücner stellte beim Gründungsfest die Ziele von "Kulmbach ist bunt" vor. Foto: Sonja Adam
Julia Brücner stellte beim Gründungsfest die Ziele von "Kulmbach ist bunt" vor. Foto: Sonja Adam
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Jeder kann helfen - auch Menschen, die keine langfristigen Verpflichtungen eingehen möchten. Das ist die Botschaft, die der Verein "Kulmbach ist bunt" bei der Gründungsversammlung in der Kommunbräu vermittelte. Die Organisatoren freuten sich über den Ansturm der Interessierten: Rund 100 Gäste kamen zum Gründungsfest.
Schon vor der offiziellen Gründung hat die Initiative "Kulmbach ist bunt" von sich reden gemacht und sich intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert. Und das ist auch künftig ein wichtiges Ziel.

Der harte Kern des Vereins sind Vorsitzender Sertan Polat und seine Stellvertreterin Julia Brückner. Luisa Popp, die soziale Arbeit studiert, koordiniert Sprach- und Hausaufgabenförderung für Flüchtlinge und sucht noch Freiwillige. Außerdem gehören Maximilian Brückner, Annika Schoberth, Janosch Albert und Nico Orfanopoulos zu den Gründungsmitgliedern.


Unabhängig und offen

"Wir haben in Kulmbach schon viele Vereine, die sich engagieren und die tolle Arbeit leisten, wir wollen unabhängig und offen arbeiten. Jeder kann bei uns mitmachen, auch wenn er sich nicht verpflichten möchte, auch wenn er kein Vereinsmitglied ist", forderte Julia Brücker alle zur Unterstützung auf. "Wir wollen bewusst eine gewisse Unabhängigkeit bewahren", so Brückner. Auch Menschen, die sich nur einmal spontan einbringen möchten, sind herzlich willkommen.

Der Verein sieht sich als politisch unabhängig und setzt sich ausschließlich für die Integration von Flüchtlingen ein. In der Gründungsphase ist der Verein von der Kulmbacher Tafel und von "Schau hin" unterstützt worden. Auch in Zukunft soll der Kontakt zu anderen Vereinen und Institutionen gehalten werden, bekräftigte die stellvertretende Vorsitzende.


Verein will nachhaltig wirken

Die Flüchtlingswelle habe eine gewisse "Anfangs-Euphorie" in Deutschland ausgelöst. "Wir haben uns das zunutze gemacht, aber unser Ziel ist es, nachhaltig zu arbeiten, und wir möchten einfach, dass es so bleibt", wünschte sich Brückner.

Konkret möchte der Verein "Kulmbach ist bunt" ehrenamtliches Engagement koordinieren, Spenden sammeln und dieses Geld dann gezielt für Integrationsmaßnahmen der Flüchtlinge einsetzen. "Wir verstehen uns aber auch als Informationsgeber und als Brücke zwischen den Menschen", erklärte Brückner.

Der neue Verein hat Ausflüge für Flüchtlinge organisiert, initiierte bereits etliche Sportveranstaltungen. Regelmäßig laden die Verantwortlichen die Flüchtlinge auf die Eisbahn ein, führen Fußballspiele durch. In der Vorweihnachtszeit gab es außerdem zwei Kirchenkonzerte mit moderner Weihnachtsmusik für den Verein.

"Kulmbach ist bunt" kümmert sich auch um individuelle Spendenanfragen. Ob Stehlampe oder Mikrowelle, Sportschuhe oder andere Dinge - über Facebook rufen die Mitglieder von "Kulmbach ist bunt" spontan zu Spenden auf. Und meistens finden sich innerhalb kürzester Zeit Spendenwillige.

Ein Beispiel: Der 16-jährige Flüchtlingsjunge Rawad kam vor einem halben Jahr aus Syrien. Schon in seiner alten Heimat war Fotografieren seine große Leidenschaft. Und gerne hätte Rawad auch schöne Fotos in Deutschland geschossen. Nur fehlte ihm die Ausrüstung. Die besorgte der Vereine. "Wir haben eine digitale Kamera mit Zubehör von einer Fotografin bekommen - jetzt kann Rawad noch schönere Fotos machen", dankte Julia Brückner. "Das ist schön", sagt Rawad, der sich bei der Gründungsversammlung dankbar zeigte und das Ereignis in Bildern festhielt. Sein Lieblingsmotiv ist allerdings seine neue Heimat Kulmbach.

In Zukunft möchte der Verein sich weiterhin für Sprachförderung einsetzen, sportliche Aktivitäten anbieten. Julia Brückner gab bekannt, dass man auch im Bereich Musik, Theater und Kultur tätig sein möchte. Der Verein "Kulmbach ist bunt" sucht außerdem eine Garage oder einen Lagerraum, wo man Spenden, die nicht sofort benötigt werden, zwischenlagern kann.

Und noch eine Idee hat das Führungsgremium: Möglicherweise können Patenschaften angestrebt werden - in der Art von Gastfamilien. Oberbürgermeister Henry Schramm habe das Gastfamilienprogramm angeregt, erklärte Brückner. "Wir kümmern uns nicht nur um die unbegleiteten Minderjährigen, sondern wir wollen auch Familien ansprechen, auch jüngere und ältere Erwachsene.". Mit vielen Gesprächen ging die Gründungsversammlung zu Ende. Und viele der Kulmbacher, die gekommen waren, um sich aus erster Hand zu informieren, zeigten sich auch bereit, sich persönlich in der Flüchtlingsbetreuung einzubringen.

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