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Kulmbach
Interview

"Kulmbach ist bunt" - ein neuer Verein stellt sich vor

Julia Brückner erklärt, dass man sich als Netzwerk für die Helfer versteht und die Integration von Flüchtlingen fördern will. Eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht unbedingt notwendig. Wichtiger sind Menschen, die Zeit haben und Ideen mitbringen.
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Der neue Verein "Kulmbach ist bunt" - links Vorsitzender Sertan Polat, rechts seine Stellvertreterin Julia Brückner - versteht sich als Netzwerk für die Helfer und will die Integration von Flüchtlingen fördern. Foto: Sonja Adam
Der neue Verein "Kulmbach ist bunt" - links Vorsitzender Sertan Polat, rechts seine Stellvertreterin Julia Brückner - versteht sich als Netzwerk für die Helfer und will die Integration von Flüchtlingen fördern. Foto: Sonja Adam
Am Freietag präsentiert sich der neue Verein "Kulmbach ist bunt" im Kommunbräu-Saal der Öffentlichkeit. Im BR-Interview stellt stellvertretende Vorsitzende Julia Brückner (25), die beim BRK Kulmbach die Notunterkunft im alten Postgebäude leitet, vor dem Gründungsfest (Beginn 19 Uhr) ihren Verein vor.

Kulmbach ist bunt: Was muss man sich darunter vorstellen?
Julia Brückner: Wir sind eine Initiative, die sich aus der Flüchtlingsarbeit heraus gegründet hat. Wir waren alle schon im Bereich der ehrenamtlichen Asylhilfe tätig. Aber wir haben gemerkt, dass in Kulmbach eine Plattform fehlt, die Helfer und Bedürftig zusammenführt. Es gibt schon Vereine und Verbände, die bei der Asylhilfe mitmachen, aber es besteht Nachfrage, ein Netzwerk zu schaffen.

Was ist die Zielsetzung des Vereins?
Dass wir es nachhaltig und langfristig schaffen, die asylsuchenden Familien in unserem Landkreis zu integrieren. Wir wollen Mittel und Weg aufzeigen, wo Kulmbacher und Migranten aufeinander zugehen können, damit sich eine gute Integrationskultur entwickelt.

Gibt es diese Integrationskultur bisher wohl nicht?
Doch, die gibt's durchaus. Aber es gibt mehr Menschen, die helfen möchten, aber nicht wissen, wie sie es tun können. Es ist halt nicht so, dass man zur erstbesten syrischen Familie geht und an der Tür klopft. Die Leute melden sich bei uns und wir notieren, wo sie helfen können. So kann man beide Seiten zusammenbringen. Es fehlte bisher an Effektivität. Das gilt genauso für Sachspenden. Hier haben wir eine logistische Aufgabe: Wenn jemand Möbel oder Spielsachen übrig hat, sorgen wir dafür, dass es die Familien erreicht, die etwas brauchen.

War es aufwendig, einen Verein zu gründen und gibt es schon einen Vorstand?
Ja, es war nicht ganz einfach. Wir sind alle sehr jung, zwischen 22 und Anfang 30. Aber wir brauchen den Verein, damit die Gemeinnützigkeit anerkannt wird und wir Spendenbescheinigungen ausstellen können. Es hat sich ziemlich in die Länge gezogen, aber wir haben den aufwendigen bürokratischen Akt geschafft. Unser Vorsitzender ist Sertan Polat, ich bin seine Stellvertreterin, und Niko Orfanopoulos fungiert als Schatzmeister.

Was haben Sie in der kurzen Zeit schon bewegen können?
Unser Begegnungsfest in Jugendzentrum in der Alten Spinnerei im Dezember war ein großer Erfolg. Hier konnten sich Kulmbacher Familien und Asylsuchende kennenler
nen. Bei der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen passiert viel im Bereich Sport und Ausflüge. Auch die Sprachförderung läuft sehr gut.

Wie viele Mitglieder braucht der Verein?

Wir sind ein harter Kern von 15 Leuten, und es dürfen auch gerne noch mehr dazukommen. Aber die Mitgliedschaft ist eine Formalität und nicht unbedingt notwendig. Wir werden von vielen Menschen, Vereinen, Organisationen und Unternehmen projektbezogen unterstützt. Da gibt es eine große Fluktuation. Aber wir sind froh um jeden Helfer, der Zeit oder Ideen mitbringt. Wir möchten unter dem Vereinsdach zu einer Struktur mit verschiedenen Arbeitsgruppen kommen und dies mit unseren Kontakten und finanziellen Mitteln unterstützen. Wir wollen eine Plattform gründen, damit sich Leute einbringen und neue Initiativen gründen können.

Was wird von den Vereinsmitgliedern erwartet? Und wie hoch ist der Mitgliedsbeitrag?
Wenn man Mitglied werden möchte, dann beträgt der Beitrag 36 Euro im Jahr. Aber die Mitgliedschaft ist, wie gesagt, keine Notwendigkeit. Uns ist es sehr wichtig, dass eine gewisse Unverbindlichkeit und Offenheit herrscht. Es wird nicht erwartet, dass man sich für Monate oder Jahre an den Verein bindet. Es sind aber auch Leute willkommen, die nicht so viel Zeit haben, aber als passives Mitglied mit Spenden den Verein unterstützen.
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