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Kulmbach
Hundeattacke

Kulmbach: Kind von Rottweilern angegriffen - Attacke hat ein Nachspiel

Ein Kind wurde am Samstag Opfer einer Hundeattacke. Die Halter der Tiere müssen mit einer Anzeige rechnen - einer Anwohnerin geht das nicht weit genug.
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Rottweiler dürfen in Bayern nur unter gewissen Auflagen gehalten werden.  Symbolbild: Archiv
Rottweiler dürfen in Bayern nur unter gewissen Auflagen gehalten werden. Symbolbild: Archiv
"Ich bin der Meinung, die gehören weg aus der Nachbarschaft", findet Jasmin Ramming. Die Kulmbacherin ist wütend und hat zugleich Angst. Denn der Vorfall, der sich am späten Samstagnachmittag im Ortsteil Ziegelhütten ereignet hat, sei kein Einzelfall gewesen. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit den beiden Rottweilern gekommen. Der ganzen Nachbarschaft wären die Tiere mittlerweile ein Dorn im Auge.

Hunde verfolgen Jungen

Was war passiert: Durch ein offenstehendes Hoftor konnten die Hunde am Samstag auf die Straße gelangen. Ein Neunjähriger, der gerade am Grundstück der Halter entlang ging, wurde von den Tieren verfolgt und wurde in den Arm gebissen. Mit Bisswunden und einer Platzwunde am Kopf - der Junge war auf der Flucht gestolpert - wurde der Bub noch am Samstag in die Kinderklinik nach Bayreuth gebracht. Informationen über den Gesundheitszustand lagen der Polizei am Montag nicht vor, aber der Junge sei noch im Krankenhaus, sagte stellvertretender Dienststellenleiter Alexander Horn von der Kulmbacher Inspektion. Polizei und Ordnungsamt müssen nun die Hintergründe der Attacke klären.

"Wir fahren hier zweigleisig: Zum einen wird strafrechtlich geprüft, inwiefern die Halter der beiden Hunde eine Schuld trifft", so Horn. Geht es um die grundsätzliche Haltung der beiden Rottweiler, arbeite man zudem intensiv mit dem Ordnungsamt zusammen. Rottweiler fallen unter die Kategorie II der Kampfhundeverordnung in Bayern. Sie gelten erst dann nicht als Kampfhunde, wenn ein sogenannter Wesenstest beweist, dass keine gesteigerte Aggressivität oder Gefährlichkeit festgestellt wird. Ist das der Fall, wird den Haltern ein sogenanntes Negativzeugnis ausgestellt.

Und dieses Zeugnis lag für die beiden Rottweiler aus dem Stadtteil Ziegelhütten vor, bestätigte Gisela Ritschel, Leiterin der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt Kulmbach.

Wesenstest bestanden

Indem das Tor zum Grundstück offen gelassen wurde, hätten die Halter der beiden Hunde allerdings gegen eine wichtige Auflage verstoßen: "Hunde dieser Kategorie müssen in bewohnten Bereichen angeleint geführt werden." Am Montagmorgen habe man zunächst spontan reagieren müssen. Beide Hunde - momentan wisse man noch nicht, ob nur von einem oder von beiden die Attacke ausging - dürfen nur noch mit Maulkorb vor die Tür.

Morgen wird sich Ritschel gemeinsam mit einem Polizeihundeführer ein Bild vor Ort machen. Sowohl die Hunde als auch das Grundstücke werden dann begutachtet. "Wir werden uns die Situation vor Ort anschauen und die Auflagen entsprechend verschärfen", so Ritschel. Dass die Halter eine Maulkorbpflicht für ihre Tiere auferlegt bekommen, hält Ritsche für wahrscheinlich. Zudem sei eine Wiederholung des Wesenstests eine Option.

Nachbarin hat Angst


Jasmin Ramming hofft indes, dass der Vorfall noch weitreichendere Konsequenzen hat. "Wer einmal beißt, der beißt auch wieder - solche Hunde haben dort, wo viele Kinder sind, nichts zu suchen", sagt die Frau, die selbst Mutter ist. Die Hunde nimmt die Kulmbacherin als massive Bedrohung wahr. Da in unmittelbarer Umgebung zum Haltergrundstück Kindergarten und Grundschule sind, hätten viele Eltern Angst um ihre Kinder. Zudem seien die Tiere nicht zum ersten mal ausgebüxt - aus diesem Grund habe sie sich bereits mit einer Beschwerde ans Ordnungsamt gewendet. Das bestätigte auch Gisela Ritschel.

"Es gab Vorfälle - die haben wir zeitnah und intensiv geprüft. In Ziegelhütten war zum Beispiel der Zaun ein Problem", erklärt sie. Sobald irgendeine Art von Gefahrenpotenzial festgestellt wird, gehe man dem natürlich sofort nach und prüfe, ob zum Beispiel ein Gartenzaun hoch oder massiv genug sei.

Circa 20 Hunde der Kategorie II gibt es im Stadtgebiet, überwiegend sind das Rottweiler und Bullterrier. Die Hundehalter müssen beim Ordnungsamt vorstellig werden und werden mit den Auflagen vertraut gemacht. "Bisher hatten wir keine ernsten Vorfälle mit Kampfhunden in Kulmbach", so die Beamtin.

Auch Polizeidienstellenleiter Horn machte deutlich: "Dass wir in Kulmbach ein Problem mit Kampfhunden hätten, das können wir mit Sicherheit verneinen."

Die Halter der Tiere müssen jetzt mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen, das steht fest. "Natürlich ist der Halter in dem Moment, wo er das Tor offen lässt, Schuld - da kann der Hund nichts dafür", findet Gisela Ritschel. Jasmin Ramming geht einen Schritt weiter. "Absolut verantwortungslos" nennt sie die Tierbesitzer.


Wer sich nicht an die Regeln halte, der dürfe in ihren Augen solche Hunde auch nicht halten - vor allem nicht in der Nähe von Kindern.

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