Kulmbach
Bildungspolitik

Kritik an Spaenles "Mogelpackung"

"Als nicht sehr realitätsnah", bezeichnet Arnd Sesselmann die Ausführungen des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle zum geringen Unterrichtsausfall an Schulen. Spaenles Statistik sei eine Mogelpackung, so der Vorsitzende des Elternbeirat am Caspar-Vischer-Gymnasium.
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Kultusminister Ludwig Spaenle ist wegen seiner Ausführungen zum geringen Unterrichtsausfall an bayerischen Schulen in die Kritik geraten. Der Elternbeirat des Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasiums spricht von einer Mogelpackung. Foto: Matthias Hoch
Der Kultusminister, so Arnd Sesselmann, habe pünktlich zum Halbjahreswechsel einmal mehr versucht, "die Arbeit seines Hauses in ein überaus positives Licht zu rücken". Das wollten die Eltern nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Sie hätten sich entschlossen, "der Vollständigkeit halber auch einmal die Kehrseite zu betrachten". Und da "Gespräche mit Herrn Spaenle in der Vergangenheit oft fruchtlos vorüber gingen", geht die schriftliche Kritik des CVG-Elternbeirats nicht ans Kultusministerium, sondern direkt an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Die BR hat einen Abdruck des Schreibens erhalten.

"Wir Eltern bayerischer Gymnasiasten nehmen mit größter Besorgnis die jüngsten Äußerungen von Herrn Kultusminister Spaenle zum Unterrichtsausfall zur Kenntnis", heißt es in dem Brief.
Es sei schon schlimm genug, dass das G 8, trotz der gegenteiligen Versprechen, nach wie vor das statistische Schlusslicht bilde, viel schlimmer jedoch seien die Tatsachen, die in den offiziellen Verlautbarungen gar nicht mehr auftauchen. Sesselmann und seine Kollegen stellen konkrete Fragen: "Was nützt es unseren Kindern, wenn in der Mittelstufe von drei Mathematikstunden zwei durch Sport ersetzt werden und somit als nicht ausgefallen gelten? Wie steht es mit den Leistungen von Kindern, die in zwei Schuljahren von fünf Referendaren unterrichtet wurden? Was kann ein Fachlehrer in der Vertretung leisten, der erst zwei Stunden vorher von einer Vertretung erfährt?"

Der Elternbeirat finde es sehr erfreulich, wenn zum Halbjahr 500 Lehrer eingestellt würden. Wer wisse denn schon, dass davon nicht einmal zwanzig für die bayerischen Gymnasien eingeplant sind. Allein am Caspar-Vischer-Gymnasium würden zwei Lehrer in den Ruhestand, treten. Die Stimmung in der Lehrerschaft sei ohnehin angespannt, "jetzt noch Mehrarbeit anzuordnen, wo eigentlich Stundengutschriften für den Einsatz während der Einführungsphase des G 8 geplant waren, ist ein Schlag ins Gesicht aller engagierten Lehrkräfte - und das sind die meisten".

Um die Argumente zu verdeutlichen, lädt Sesselmann den Ministerpräsidenten zu einem Besuch im CVG ein. "Unser Lehrerzimmer ist nach der Arbeitsstättenverordnung für nicht einmal 20 Arbeitsplätze ausgelegt, wo sollen die ganzen Lehrer arbeiten, die nach Wunsch Ihres Ministers jetzt den ganzen Vormittag an der Schule verbringen sollen? Von Ruhe- und Pausenräumen völlig abgesehen."

Mehr dazu lesen Sie am Montag in der Bayerischen Rundschau.
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