Hans-Georg Prehmus ist schon sehr lange im Geschäft, aber so was hat er noch nicht erlebt: dass bei Tarifverhandlungen im bayerischen Braugewerbe gleich in der ersten Verhandlungsrunde ein Abschluss erzielt wird. "Das ist eine Rarität, das hatten wir noch nie, und ich bin auch schon 32 Jahre Mitglied in der NGG-Tarifkommission", sagt der Betriebsratsvorsitzende der Kulmbacher Brauerei.

Überdies freut sich Prehmus, dass die zirka 10 000 bayerischen Brauer einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle nehmen können. Der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist es gelungen, ein Gesamtpaket mit einem Plus von mehr als sechs Prozent zu schnüren. "Wir haben bekommen, was wir wollten", betont er. "Damit haben wir ein herzeigbares Ergebnis erzielt und auch eine Steigerung der Kaufkraft erreicht."

Prehmus zufolge haben die Tarifgemeinschaft Bayerischer Brauereien und die Große Tarifkommission der NGG bei den Verhandlungen am Montag in Ismaning eine Einigung erzielt. Der Abschluss mit einer Laufzeit bis Februar 2014 sieht vor, dass rückwirkend zum 1. März der Tariflohn und die Ausbildungsvergütung um 2,9 Prozent steigen. Zusätzlich erhalten die Arbeitnehmer im April eine Nettoeinmalzahlung von 100 Euro, in München von 250 Euro. In einer zweiten Stufe erhöhen sich ab Mai 2013 die Vergütungssätze um weitere 2,9 Prozent. Ferner erhöht sich ab 2012 der Arbeitgeberbeitrag zur tariflichen Altersvorsorge dauerhaft um 50 auf 600 Euro jährlich und ab 2014 um weitere 25 Euro jährlich. Für Lehrlinge ist wieder eine Übernahmegarantie für sechs Monate vereinbart worden.

Was sich jetzt so glatt anhört, ist nach Prehmus' Worten "ein zähes Ringen gewesen. Die Verhandlungen drohten schon zu kippen. Aber dann hat man sich in der kleinen Kommission - das sind vier Leute von jeder Seite - zusammengesetzt, um auszu loten, was machbar ist." Zwischenzeitlich hat zweimal wieder die Große Tarifkommission der Gewerkschaft ("Wir sind 30 Leute") getagt, und in den späten Abendstunden ist dann der Durchbruch erzielt worden. Die Gewerkschaftsvertreter haben dem Abschluss mehrheitlich zugestimmt. Gegenstimmen hat es nach Prehmus' Ansicht deshalb gegeben, weil sich besonders die Arbeitnehmer in München - wegen der hohen Lebenshaltungskosten - mehr gewünscht hätten.

Der Betriebsratsvorsitzende der Kulmbacher Brauerei bezeichnet das Plus als gerechtfertigt: "Die Brauereien in Bayern haben 2011 gute Geschäfte gemacht und die Ausstoßzahlen um 2,2 Prozent gesteigert. Davon werden die Belegschaften nun ihren Anteil abbekommen, denn sie sind auch entsprechend mehr belastet gewesen und haben durch ihre Arbeit zu dem verbesserten Ergebnis beige tragen."