Himmelkron
Prozess

Raub in Himmelkron geplant: Kosovo-Bande geht in den Knast

Die Polizei verhindert den Überfall auf das Joker Casino. Trotzdem schickt das Landgericht zwei Angeklagte für jeweils vier Jahre ins Gefängnis.
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Durch den Zugriff der Polizei wurde der geplante Raubüberfall auf das Jocker Casino in Himmelkron vereitelt. Foto: Stephan Tiroch
Durch den Zugriff der Polizei wurde der geplante Raubüberfall auf das Jocker Casino in Himmelkron vereitelt. Foto: Stephan Tiroch
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Großer Erfolg für die Polizei Hannover und Bayreuth im Kampf gegen die organisierte Kriminalität: Die Kosovo-Bande, die deutschlandweit auf Einbruchdiebstähle spezialisiert war, ist zerschlagen. Am Montag schickte das Landgericht Bayreuth zwei Kosovo-Albaner wegen des planten Raubüberfalls auf das Joker Casino in Himmelkron für jeweils vier Jahre ins Gefängnis.

Damit wissen ihre Komplizen, welche Strafe ihnen droht. Dem Rest der Kosovo-Bande - insgesamt sechs Angeklagte - wird ab 27. Februar in Hannover der Prozess gemacht.


Auch Einbruch in Mitwitz

Dann kommt auch der Einbruch in ein Schreibwarengeschäft in Mitwitz (Landkreis Kronach) am 14. Januar 2016 zur Sprache. Dort sollen drei Kosovo-Albaner neben 350 Euro Bargeld Tabak- und Süßwaren im Wert von 10 000 Euro erbeutet haben.

Welche Taten auf das Konto der Kosovo-Band gehen, wurde durch aufwendige Ermittlungen der Polizei aufgeklärt. Nach dem Einbruch in die Geschäftsräume des Brötchen-Express' in Garbsen bei Hannover am 10. Januar 2016 kam die dortige Polizei der Tätergruppe auf die Spur.


SEK-Einsatz in der Eisdiele

Es konnten Verbindungen zwischen Niedersachsen, Belgien und Oberfranken nachgewiesen werden. Die Polizei überwachte die Telekommunikation, hörte bei Handygesprächen mit, brachte GPS-Sender an Fahrzeugen an und observierte verdächtige Personen. Als sich die Hinweise verdichteten, dass am 29. Juni 2016 ein großes Ding in der Himmelkroner Spielothek geplant ist, wurde die Bande hopsgenommen. Am Vorabend des geplanten Raubüberfalls tauchte das SEK in einer Bayreuther Eisdiele auf und verhaftete acht Personen.

Vier Tatverdächtige standen jetzt in Bayreuth vor Gericht. Ihnen wurde Verabredung zum schweren Raub und unerlaubter Waffenbesitz zur Last gelegt. Am Tag des Überfalls wären 20 500 Euro zu holen gewesen.

Unter den Festgenommenen war auch ein Bayreuther Ehepaar, das offenbar nicht zu der kriminellen Gruppierung gehörte. Jedenfalls reichten die Indizien nicht aus, um den Vorwurf der Mittäterschaft bei dem geplanten Raub aufrechtzuerhalten. Allenfalls, so hieß es, kommt Beihilfe in Betracht, was strafrechtlich nicht relevant sei.


Erster Kontakt in Neuenmarkt

Der Bayreuther, der ebenfalls aus dem Kosovo stammt, war im Jahr 2015 als Übersetzer im Neuenmarkter Asylbewerberheim tätig. Dort lernte er einen der Drahtzieher der Bande kennen. Dieser Mann, Spitzname "Shemi", der dann nach Hannover umzog, hatte sich schon damals verschiedentlich in der Himmelkroner Spielothek aufgehalten.

Mit dem Freispruch vom Vorwurf der Verabredung zum schweren Raub schwenkte die 1. Große Strafkammer auf die Linie der Verteidigung ein. Es blieb der Waffenbesitz. Denn der Mann (37) und seine Frau (31) hatten in ihrer Wohnung eine Pistole und einen Elektroschocker der Bande versteckt. "Sie nahmen in Kauf, dass es sich um scharfe Waffen handelte, die bei dem Raubüberfall eingesetzt werden sollten", so Vorsitzender Richter Michael Eckstein.


Anleitung für Elektroschocker

Es war geplant, die Angestellten der Spielothek zumindest mit den Pistolen zu bedrohen. Der Elektroschocker sollte aber wohl angewendet werden. Dies erfuhr man durch ein Handygespräch am 26. Juni. Der mutmaßliche Kopf der Bande, genannt "Onkel Hasha", der inzwischen mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, saß seinerzeit in Belgien in Abschiebehaft. Was ihn nicht daran hinderte, mit seinem Landsmann zu telefonieren. Er unterwies "Shemi" detailliert, wie die Elektroimpulswaffe zu handhaben sei. Er solle vor allem darauf achten, dass der Akku geladen ist, sonst habe das Gerät keine Wirkung.


Wegen Verstoß gegen das Waffenrecht wurde das Bayreuther Ehepaar bestraft. Den mehrfach vorbestraften Mann, der erst im Februar vor der geplanten Tat aus der Haft entlassen worden war, sprach die Kammer schuldig wegen vorsätzlichen unerlaubten Erwerbs einer Kurzwaffe und verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung. Dennoch hob das Gericht den Haftbefehl auf, weil der Großteil der Strafe durch die fast achtmonatige Untersuchungshaft überwiegend abgebüßt sei.

Die Frau hatte sich des vorsätzlichen unerlaubten Besitzes einer Kurzwaffe schuldig gemacht. Sie kam mit einer achtmonatigen Freiheitsstrafe davon, die auch drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.


Abschiebung nach zwei Dritteln

Bei den zwei aus Belgien angereisten Angeklagten (32) hatte das Gericht keine Zweifel, dass sie zu der Kosovo-Bande gehören. Sie seien nur nach Franken gekommen, um den Überall zu verüben. Sie hätten eindeutig eine Rolle beim geplanten Raub spielen sollen. In ihrem Peugeot hatten sie auch eine Pistole mitgeführt, die - wie man erfreut an "Onkel Hasha" meldete - bei einer Zollkontrolle im Raum Frankfurt im Versteck unter dem Beifahrersitz nicht gefunden worden war. Von der vierjährigen Freiheitsstrafe müssen sie die Hälfte bis zwei Drittel verbüßen, bevor sie nach Belgien abgeschoben werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidiger äußerten sich nicht, ob sie in die Revision gehen.
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