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Konzert

Konzert in Kulmbach: Gesang wird durch Bier erst schön

Das Renner-Ensemble, 17 ehemalige Regensburger Domspatzen, zeichnet sich im Kulmbacher Brauereimuseum durch Disziplin, Esprit und ausgewogenen Klang aus.
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Mit Museumsbier wird Chorgesang noch schöner: Diese drei Mitglieder des Renner-Ensembles - das sind 17 ehemalige Regensburger Domspatzen - waren im Kulmbacher Brauereimuseum sichtlich mit Freude bei der Arbeit.  Foto: Klaus Klaschka
Mit Museumsbier wird Chorgesang noch schöner: Diese drei Mitglieder des Renner-Ensembles - das sind 17 ehemalige Regensburger Domspatzen - waren im Kulmbacher Brauereimuseum sichtlich mit Freude bei der Arbeit. Foto: Klaus Klaschka
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Früher wurden sie mit dem Bus zum Konzert gebracht. Inzwischen sind die Buben aber groß geworden und reisen mit dem eigenen Wagen an. Im Kofferraum zwei Kisten mit Notenständern. Und im Gepäck lauter Lieder, die mit Bier zu tun haben. Die Rede ist vom Renner-Ensemble, 17 ehemalige Regensburger Domspatzen, die im Kulmbacher Brauereimuseum ein erstklassiges Konzert gaben, das an den Erlass des Reinheitsgebots vor 500 Jahren erinnerte.


Fliegenpilze im Sud

Der Abend begann mit einem Madrigal von Cipriano de Rore. Der Komponist ist 1516 geboren, also zusammen mit dem Biergesetz auf die Welt gekommen. Sein Madrigal handelt von Abschied und Wiederkehr, könnte allerdings auch auf die Zeit vor dem Reinheitsgebot passen: "Immer wieder glaube ich, beim Abschiednehmen zu sterben ..." Damals hatten die Brauer nämlich alles Mögliche in einem Sud vergoren - bis hin zu Fliegenpilzen. Die entfalteten wohl auch ihre Wirkung, höchstwahrscheinlich aber keine bekömmliche, weshalb ab 1516 nur noch Wasser, Hopfen und Malz erlaubt waren.


Auf die Bierheiligen

Es folgten zwei romantische Liedchen zum Wasser sowie zum Hopfen und Malz - ganz in dem Duktus, wie er bei Männergesangvereinen so beliebt ist. Weiter sang das Renner-Ensemble dreimal einen Lobpreis auf die Geselligkeit (Haydn, Riccus und Mozart) und Hymnen auf die Bierheiligen St. Arnulf (di Lasso) und St. Florian (Bruckner).

Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, so ist es doch vielerorts noch Brauch, dass man sich im Wirtshaus trifft und ein oder mehrere Gläser Bier leert. Von einer dieser Gastwirtschaften schwärmt Carl Attenhofer in seinem Lied über "Margret am Tore". Und Josef Gabriel Rheinberger lässt die Sänger von einer Wirtshaustour berichten, wobei "Der Walfisch" offenbar ziemlich heruntergekommen ist.


Angesäuselte Vorsänger

Noch lockerer ging es im zweiten Teil des Konzerts zu, wenn hier auch teilweise sogar noch höhere musikalische Ansprüche gestellt wurden. Mit Paul Kuhns sattsam bekannten "Es gibt kein Bier auf Hawaii" - hier als Chorlied mit Bass-Solo - konnte das Renner-Ensemble durchaus positiv überraschen. Ebenso das "Hildebrandlied" mit zwei angesäuselten Vorsängern und die Klage von vier "Batzi-, Batzi-, Patienten", die trotz anderweitiger Verordnung Bier als wirklich wirkungsvolles Medikament preisen.

Das kam alles sehr lässig rüber - auch die bestimmt nicht einfachen Sätze von Sigfrid Karg-Elert oder Francis Poulenc - und vor allem von Jaakko Mäntyjärvis, dessen Nonsens-Song "Pseudo-Yoik" wie Sami-Sprache anmutet, aber auch indianisch sein könnte. Der Text scheint etwas zu erzählen. Was? Das muss sich jeder selbst zusammenreimen. In der Version des Renner-Ensembles ein akustischer Spaß für die Zuhörer. Dabei bemerkte man gar nicht die immense Exaktheit des Chores. Genau wie beim traditionellen "What shall we do with the drunken sailor" im Arrangement von Parker/Shaw, das von anderen Chören eher wie ein verstricktes Durcheinander von der Bühne kommt.


Jede Menge Preise

Wollte man am Auftritt des Renner-Ensembles mit Gewalt etwas zum Nörgeln suchen, dann höchstens mit der haarspalterischen Bemerkung, dass die Renaissance-Madrigale etwas gerader und rhythmisch akzentuierter hätten sein können. Disziplin, Esprit und ein ausgewogener Klang zeichnen den Chor aus. Zu Recht hat das Ensemble unter Hans Pritscher als Animator unzählige 1. Preise bei Wettbewerben errungen; zuletzt 2015 beim Internationalen Festival für Männerchöre in Cornwall - sicher irrtümlich - nur einen 3. Platz unter 70 Chören aus aller Welt.

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