Kulmbach
Musik

Klangvolle "Walpurgisnacht" in Kulmbachs guter Stube

Weil die Stadthalle in Bayreuth momentan saniert wird, zog der Philharmonische Chor Bayreuth für sein großes Frühjahrskonzert kurzerhand nach Kulmbach um.
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Ein mehr als hundertköpfiger Chor, die Hofer Symphoniker und die Solisten Sayaka Shigeshima (Mezzosopran), Artjom Korotkov (Tenor) und Uwe Schenker-Primus (Bariton, vorne, von links) standen auf der Bühne der Dr.-Stammberger-Halle.  Foto: Sonny Adam
Ein mehr als hundertköpfiger Chor, die Hofer Symphoniker und die Solisten Sayaka Shigeshima (Mezzosopran), Artjom Korotkov (Tenor) und Uwe Schenker-Primus (Bariton, vorne, von links) standen auf der Bühne der Dr.-Stammberger-Halle. Foto: Sonny Adam
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Einen musikalischen Bogen zwischen Schwermut und Leidenschaft, zwischen Humor und Trost spannte Dirigent Torsten Petzold beim Konzert der Hofer Symphoniker und des Philharmonischen Chors Bayreuth in der Dr.-Stammberger-Halle. Die über hundert Chormitglieder hatten Kulmbach als Ausweichquartier, weil ihre heimatliche Bayreuther Stadthalle wegen Umbauarbeiten derzeit nicht zut Verfügung steht. Absoluter Höhepunkt war Felix Mendelssohn-Bartholdys Werk "Die erste Walpurgisnacht" mit einem Text von Johann Wolfgang von Goethe.


Drei Solisten


Als Solisten traten die Japanerin Sayaka Shigeshima (Mezzosopran), Artjom Korotkov (Tenor) aus St. Petersburg und der Rosenheimer Uwe Schenker-Primus (Bariton) auf. Alle drei Solisten sind fest am Deutschen Nationaltheater in Weimar engagiert. Vor allem Bariton Uwe Schenker-Primus konnte überzeugen und nahm das Publikum mit seiner sonoren Stimme gefangen.

Die Walpurgisnacht ist wahrlich keine leichte Kost, allerdings ein musikalisch höchst-gelungenes Werk, das dem Publikum sichtlich Freude bereitete. Goethe hatte zunächst den Komponisten Carl Friedrich Zelter gefragt, ob er seine Ballade vertonen möchte. Doch dieser sah sich außerstande, diese Mammutaufgabe in Angriff zu nehmen und übergab sie an seinen Schüler Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem ein kleines Meisterstück gelang.


Mit Feuer und großen Gesten


Allerdings verlangte das Werk den Musikern und Solisten sowie dem Chor einiges ab. Ausgangspunkt ist der Brauch der alten Druiden, im Freien den Frühling einzuläuten - mit Feuer und großen Gesten. Der christliche Glaube allerdings verurteilte das lautstarke Treiben der alten Druiden. "Diese dumpfen Pfaffenchristen, lasst uns keck sie überlisten. Mit dem Teufel, den sie fabeln, wollen wir sie selbst erschrecken", proklamierte Uwe Schenker- Primus mit klarer Stimme.

Und der Chor fiel ein - pointiert, witzig, neckisch: "Kommt mit Zacken und mit Gabeln und mit Glut und Klapperstöcken lärmen wir bei nächt'ger Weile durch die engen Felsenstrecken."

Die Hofer Symphoniker hatten sichtlich ihren Spaß, die Walpurgisnacht musikalisch aufleben zu lassen. Sie meisterten die romantisch-verzückten Passagen ebenso wie die aufgeregt-bewegten und trutzig-martialischen Teile. Vor allem der Höhepunkt mit Trommel, Becken und Piccoloflöte gelang hervorragend. Das Kulmbacher Publikum war begeistert.


Wagner lässt grüßen


Der Philharmonische Chor Bayreuth glänzte außerdem mit dem Schicksalslied von Johannes Brahms. Als Text lag ein Auszug aus Friedrich Hölderlins Roman "Hyperion" zugrunde.

Bei der "Alt-Rhapsodie", ebenfalls von Brahms, stand neben dem Chor Sayaka Shigeshima im Mittelpunkt. Die Solistin verlieh dem Werk geradezu wagnerianische Dramatik.

Ferner glänzten die Hofer Symphoniker mit der "Manfred-Ouvertüre" von Robert Schumann. Die Streicher zelebrierten genussvoll die romantisch-sehnsuchtsvollen Elemente des Stücks.
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