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Kulmbach
Entdeckertour 24

Kirchenburgen waren im Krieg ein Zufluchtsort

Eine Inschrift an einem Pfeiler erinnert an den Wiederaufbau der Kulmbacher Petrikirche im Jahr 1439.
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Diese Inschrift erinnert an den Wideraufbau der Petrikirche 1439. Foto: Erich Olbrich
Diese Inschrift erinnert an den Wideraufbau der Petrikirche 1439. Foto: Erich Olbrich
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Die erste Urkunde, die auf das Vorhandensein eines Kirchenwesens in Kulmbach schließen lässt, stammt aus dem Jahr 1174. Damals schenkte ein Priester Luitold aus Culminaha dem Kloster St. Theodor zu Bamberg zehn Talente zum Ankauf eines Gutes.

Zu jener Zeit residierte auf dem Bamberger Bischofsstuhl Markgraf Hermann II. von Meißen. An die weltliche Macht in Oberfranken kommt Berthold II. aus dem Hause Andechs im Jahr 1137 mit der Vogtei über das Priorat St. Getreu des Klosters Michelsberg. Damit bezeichnete sich Graf Berthold II als "comes de Plassenburch".


Kirchenburg mit Friedhof


Sicher bestand in Kulmbach schon in der Andechser Epoche (1137 bis 1248) ein Gotteshaus in Form einer Kirchenburg. Rings um das Gotteshaus lag ein von einer Mauer umschlossener Friedhof. Derartige Kirchenburgen dienten in Kriegszeiten als Zufluchtsort für die Bewohner des Ortes, wie die Lagebezeichnung "Kirchwehr" dies noch in Erinnerung ruft.

Am 25. Juni 1285 verliehen die Grafen von Orlamünde dem Kloster Langheim das Patronatsrecht über die Parochialkirchen zu Kulmbach und Drossenfeld.


Die schlimmen Zeiten des Hussitenkrieges


Die schlimmen Zeiten des Hussitenkrieges machten sich auch in Kulmbach bemerkbar. So berichtet der Schreiber des Landbuches von 1531 rückschauend: " ... diese That ist in der hussenrais am dinstag vor Lichtmeß, der da war der 31.tag januari da man geschrieben hat 1430 jar, verprant, nachfolgend als wiederaufgepaut worden."
Diese oft angezweifelte Notiz aus dem Markgräflichen Landbuch wird durch eine Urkunde des Geschlechtsältesten der Herren von Guttenberg aus dem Jahre 1444 erhärtet.

Die Zinsverringerung über ein in der Wolfskehle gelegenes Haus wird mit den Worten "da verbrannten die Hussen die Häuser" begründet. Eine 1439 an einem Chorpfeiler der Petrikirche eingelassene Steintafel berichtet vom Wiederaufbau dieser Kirche und lautet in der Übersetzung: "Im Jahre des Herrn 1439 am Montag vor Barnabas (8. Juni, Anm. d. Red.) ist dieser Bau begonnen worden zu Ehren der glorreichen Jungfrau Maria."

Die Kirchenausstattung wurde von der Herrschaft hochherzig gefördert. 1517 waren sieben Altäre vorhanden. Bei den im September 1972 ausgeführten Bauarbeiten konnten im Kirchenschiff zwei Meter starke Fundamente eines älteren Kirchenbaues (vor 1430) aufgefunden werden.


Vernichtendes Feuer


Nach der Einnahme der Hauptstadt Kulmbach durch die bundesständischen Truppen im Markgräfler Krieg am Konraditag 1553 (26. November) fiel neben der Stadt auch die Petrikirche einem vernichtenden Feuer zum Opfer. Die Gewölbe stürzten zu Lichtmess des übernächsten Jahres in sich zusammen. Wie die Gotteshausrechnungen berichten, erfolgte der Wiederaufbau ab 1563.

Generationen schmückten das Gotteshaus fortan wieder aus. Zweifelsohne gehört die Petrikirche zu den schönsten Baudenkmälern der Stadt.
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