Thurnau
Mobilität

Kasse will Rollstuhl nicht bezahlen

Christina Szepanski aus Thurnau braucht dringend einen neuen Spezial-Rollstuhl für ihre Wohnung. Die AOK lehnt ihren Antrag jedoch ab. Sie ist verzweifelt.
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Christina Szepanski in ihrer Wohnung in Thurnau  Foto: Katharina Müller-Sanke
Christina Szepanski in ihrer Wohnung in Thurnau Foto: Katharina Müller-Sanke
Es ist ein Reihenhaus, ein Mietshaus mit mehreren Parteien. In die Wohnung von Christina Szepanski geht man über die Terrassentür. "Der Vermieter hat für mich alles behindertengerecht umgebaut," freut sich die Rollstuhlfahrerin. "Es ist nicht einfach, eine solche Wohnung zu finden." Doch ob sie hier bleiben kann, ist ungewiss. Doch dazu später.

Christina Szepanski, die seit einer Erkrankung in frühester Kindheit im Rollstuhl sitzt, hat es sich gemütlich gemacht und schön eingerichtet. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten hat sie hier gelebt, bevor dieser vor einem halben Jahr unerwartet starb. Doch auch alleine kommt Szepanski gut zurecht. Zu verdanken ist das ihrem Adaptiv-Aktiv Rollstuhl. Es ist ein Rollstuhl, der speziell auf sie angepasst ist. Die Räder sind so eng zusammen, dass sie damit durch die Türen in ihrer Wohnung passt und dieser Rollstuhl hat einen extrem kleinen Wendekreis.
Sie kann damit alleine in ihr Bett steigen, sich in allen Zimmern auf der Stelle drehen und kommt alleine überall hin. Dusche, Schreibtisch, Herd: Alles kein Problem.

Stolz führt sie Besucher durch die ganze Wohnung. "Mit einem normalen Rollstuhl kann ich mich selbst schwerer fortbewegen und vor allem ist der auch zu breit für die Türen und ich könnte mich auch in den Zimmern nicht bewegen, selbst wenn ich reinkäme!" Der Adaptiv-Aktiv-Rollstuhl hält Christina Szepanski auch fit, indem er ihr Selbständigkeit ermöglicht. Dass sie den Rollstuhl braucht, das muss jeder einsehen, der sich die Situation betrachtet hat.

Nun ist der Rollstuhl kaputt und lässt sich nicht mehr reparieren. Die Patientin hat daher einen neuen Rollstuhl bei ihrer Versicherung, der AOK, beantragt. Doch das Ergebnis war ernüchternd.

"Frau Szepanski ist derzeit mit einem elektrischen Rollstuhl ausgestattet, der für drinnen und draußen geeignet ist. Wir können daher höchstens anbieten, die Kosten für einen Leichtrollstuhl zu übernehmen", so Joachim Büttner, Fachbereichsleiter Hilfsmittel bei der AOK in Bayreuth.

Doch der Leichtrollstuhl ist zu breit und unhandlich, entgegnet Szepanski und der elektrische Rollstuhl passt nicht durch die Türen. Das wiederum sei nicht das Problem der AOK, entgegnet diese. "Das häusliche Wohnumfeld kann von der Krankenkasse nicht abgedeckt werden", so Büttner. Er verweist auf die aktuelle Rechtsprechung. "Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden über die Pflegeversicherung abgedeckt. Eine Verbreiterung der Türrahmen zum Beispiel". Aber die will Christina Szepanski ja gar nicht. Sie möchte den Rollstuhl, der sie fit hält und ihr größtmögliche Flexibilität ermöglicht.

Die Anschauungen prallen aufeinander. Joachim Büttner hat angeboten, sich die Situation selbst anzusehen, doch er sagt schon jetzt: Wenn eine wohnumfeldverändernde Maßnahme die Situation verbessert, ist die AOK nicht der richtige Ansprechpartner. Und er appelliert, die Patientin möge sich verschiedene Leichtgewichtsrollstühle noch einmal ansehen, die die AOK übernimmt und die einen Bruchteil dessen kosten, was der Adaptiv-aktiv Rollstuhl kosten würde.

Die Patientin sieht dafür keinen Grund, sie und ihr Arzt wissen, was das Beste für sie ist. Eine verzwickte Situation. Beide Seiten sind irgendwie verständlich. Möglicherweise muss ein Gericht über den Fall entscheiden. "Das dauert mir aber zu lange!" betont Christina Szepanski. "Ich brauche den Rollstuhl jetzt! Ein Verfahren kann sich sehr lange hinziehen."

Da spricht sie aus Erfahrung. Sie hat nach eigenen Angaben schon mehrmals Hilfsmittel eingeklagt. Gesamtgesellschaftlich ist es wohl tatsächlich die sinnvollste Lösung, den Rollstuhl zu kaufen.

Christina Szepanski bleibt damit unabhängig und fit. Und die Folgekosten die aus Bewegungsmangel oder gar einem Umzug resultieren, sind mit Sicherheit höher, als wenige tausend Euro für den Adaptiv-Aktiv-Rollstuhl. Doch es bleibt die Frage, wer ihn bezahlen soll. Die AOK sieht sich jedenfalls nicht in der Pflicht.
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