Kulmbach
Initiative

Karriere mit dem Kochlöffel

Männerdomäne? Frauenberuf? Beim Girls' Day und Boys' Day im Landkreis Kulmbach werden klassische Rollenbilder aufgelöst .
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Antonia und Anastasia Schieber bewegen sich ganz souverän in der Mupäz-Lehrküche. Foto: Dagmar Besand
Antonia und Anastasia Schieber bewegen sich ganz souverän in der Mupäz-Lehrküche. Foto: Dagmar Besand
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Es ist nicht der am besten bezahlte Beruf, und bei den Arbeitszeiten ist Flexibilität gefordert, aber "Köchin zu sein ist toll", sagt Verena Opitz. Die 23-Jährige ist Mitglied des Vereins der Bamberger Köche und möchte Mädchen motivieren, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Anlässlich des Girls' Days kochen sie und Robert Müller, Vorsitzender des Vereins, mit 21 Schülerinnen leckere Gerichte in der Mupäz-Lehrküche im Mönchshof.

Köchin - ein Beruf für den Girls' Day, der Mädchen für eher männlich dominierte Berufe begeistern soll? Tatsächlich sind durchaus viele Frauen Köchinnen, aber Karriere als Küchenchef machen sie eher selten. Ein wenig liegt das vielleicht an den Arbeitszeiten abends und am Wochenende - nicht wirklich familienfreundlich, wissen die beiden Kochprofis.


Für Menschen mit Fantasie


"Der Beruf hat aber viele Vorteile", erzählt Verena Opitz. Sie hat noch große Pläne, möchte viel lernen, sich zur Küchenmeisterin weiterbilden. "Es ist ein Beruf, bei dem man seine Fantasie spielen lassen und immer wieder Neues kennenlernen und ausprobieren kann. Und wenn sie wollen, können Frauen auch in der Küche Karriere machen!"

Diese Einstellung gefällt den Girls' Day-Teilnehmerinnen, die hochmotiviert ans Werk gehen. Marie Vollrath aus Marktleugast kann sich das Kochen als Beruf gut vorstellen: "Das macht richtig viel Spaß!" Deshalb ist sie schon zum zweiten mal bei dieser Girls' Day-Aktion dabei.

Den Schwestern Anastasia und Antonia Schieber sieht man an, dass sie auch zu Hause schon oft und gerne in der Küche mithelfen. Sie besuchen die 5. Klasse der Hans-Edelmann-Schule und wissen genau, worauf es beim Kochen ankommt: "Man kann verschiedene Zutaten und Aromen kombinieren. Gewürze sind wichtig. Da wird es dann spannend", erzählt Anastasia, die gerne kocht, aber noch lieber backt.


Unkompliziert und lecker

Lena Pittermann und Emily Bisson engagieren sich in der Mittelschule Neuenmarkt-Wirsberg in der Schülerfirma, die einmal pro Woche verschiedene Leckereien in der Küche zubereitet, die dann in der Pause an die Mitschüler verkauft werden. Die beiden Sechstklässlerinnen kümmern sich um einen gemischten grünen Salat, während im Ofen Zucchini-Burger mit Parmesan und Parmaschinken brutzeln. Dazu gibt es gebratene Kartoffelspalten. "Unkomplizierte Zutaten, einfache Zubereitung, lecker" - so mögen es die beiden Profis und treffen damit den Geschmack der Schülerinnen.

Gegessen wird anschließend gemeinsam. Mönchshof-Geschäftsführerin Helga Metzel darf ebenfalls probieren und lobt das Ergebnis. Mindestens genauso beeindruckt ist sie von der elfjährigen Anastasia, die gerne die Aufgabe übernimmt, ihr das Hauptgericht vorzustellen.

Zum Dessert gibt es ein Erdbeer-Quark-Tiramisu, portionsweise in Gläsern angerichtet. Felicitas Neef aus der sechsten Klasse der Carl-von-Linde-Realschule erklärt der Mönchshof-Chefin die Zubereitung der süßen Kunstwerke, die so gut schmecken wie sie aussehen.

Die beiden Koch-Profis sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Vormittags: "Die Mädchen haben erlebt, dass Kochen Freude macht. Das ist mir sehr wichtig", sagt Robert Müller. Die wichtigste Voraussetzung für eine berufliche Karriere in der Küche ist: "Man muss das lieben, was man tut."

Der Branche fehlt der Nachwuchs. "Wenn wir heute etwas dazu beitragen konnten, zu vermitteln, dass Kochen ein schöner Beruf ist, dann ist das ein Erfolg. Tatsache ist: Guten Köchen steht die Welt offen, sie werden überall gesucht."


Zukunftstag


Aktion Bundesweit fand gestern der Mädchen-Zukunftstag Girls' Day und parallel dazu der Jungen-Zukunftstag Boys'Day statt. Beide Initiativen verfolgen das Ziel, das oftmals eingeschränkte Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen zu erweitern - bei den Mädchen in Richtung Technik, Handwerk, IT oder Naturwissenschaften - bei den Jungen in Richtung soziale, erzieherische oder pflegerische Berufsfelder.

Aktionen In Stadt und Landkreis gab es gestern 29 verschiedene Angebote für Mädchen, 23 für Jungen, aus denen Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Klassen im Vorfeld ihre Wunschaktion aussuchen durften. Insgesamt standen 193 Plätze zur Verfügung, 82 Prozent davon waren belegt.

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