Neudrossenfeld
Ruhestand

Kapitän Vonbrunn verlässt das Schulschiff

Fast zehn Jahre lang war Jürgen Vonbrunn Schulamtsdirektor. Am Montagabend nahm er in Neudrossenfeld sichtlich gerührt Abschied.
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Der Lotse geht von Bord: Jürgen Vonbrunn erhielt am Abend von den Lehrerkolleginnen und -kollegen aus dem Schulamtsbezirk als symbolisches Dankeschön die Kapitänsmütze und ein kleines Schlauchboot in Anlehnung an die Reiselust des 65-Jährigen. Fotos: Jochen Nützel
Der Lotse geht von Bord: Jürgen Vonbrunn erhielt am Abend von den Lehrerkolleginnen und -kollegen aus dem Schulamtsbezirk als symbolisches Dankeschön die Kapitänsmütze und ein kleines Schlauchboot in Anlehnung an die Reiselust des 65-Jährigen. Fotos: Jochen Nützel
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Am Ende übermannten Jürgen Vonbrunn die Gefühle. Mit Tränen in den Augen umarmte er seine Frau Rita und die beiden Töchter Anke und Tanja sowie den jüngsten Spross der Familie, Enkelsohn Felix, der am 3. Mai - einen Tag nach Vonbrunns 65. Geburtstag - das Licht der Welt erblickte. Für ihn hat Opa Jürgen nun viel Zeit, immerhin beginnt am Donnerstag der Ruhestand für den scheidenden Schulamtsdirektor.

Am Montagabend blickte er bei seiner Verabschiedung im Neudrossenfelder "Bräuwerck" zurück auf 40 Jahre im Schuldienst - zunächst als Lehrer und Rektor, seit 2008 als Schulrat. Er schaue mit Dankbarkeit auf das, was war. "Ich habe einen Beruf gewählt, der mich erfüllte, der mir aber auch Niederlagen bescherte, der mich forderte und letztlich auch prägte." In seiner Tätigkeit als Schulrat habe er immer Kritik geübt, wenn er glaubte, es sei zugunsten der Schulfamilie angebracht. "Ich habe mir auch manchmal eine blutige Nase geholt."

Dass die Kolleginnen und Kollegen seinen Einsatz für ein gutes Miteinander zu schätzen wissen, bezeugten sie durch eine Gesangseinlage. Heidi Koblofsky, Rektorin der Max-Hundt-Schule, lobte Vonbrunn für seine Art: "Bei allen Anfragen, die auf Sie einprasselten, blieben Sie immer eines: Mensch."

Für eine "unkomplizierte und kollegiale Zusammenarbeit" dankte Landrat Klaus Peter Söllner. Vonbrunn habe in einer schwierigen Zeit für den Schulamtsbezirk das Bestmögliche erreicht. "Wir haben oft den Mangel verwalten müssen. Aber dank seiner Beharrlichkeit sind wir zu guten Lösungen gekommen, weil sich Jürgen Vonbrunn nie damit aufgehalten hat, nur Probleme zu beschreiben." Nur einen Dissens habe in all den Jahren nicht überwunden werden können, so der bekennende FC-Bayern-Fan Söllner: Vonbrunn habe ihm oft "fast penetrant" das Schwarz-Gelb der Borussia aus Dortmund unter die Nase gehalten. Auf dieser Ballhöhe fanden beide offenkundig nie zusammen - umso mehr hingegen beim Tennis, dem sie leidenschaftlich frönen.

"Wahnsinn, wie die Zeit rennt", rekapitulierte Klemens Brosig angesichts von fast zehn Jahren Schulamtsdirektor Jürgen Vonbrunn. Brosig, Abteilungsleiter für den Bereich Schulen bei der Regierung von Oberfranken, würdigte Vonbrunn für seine loyale und zuverlässige Arbeit. Der Beruf sei dem scheidenden Schulrat sozusagen in die Wiege gelegt worden - immerhin war Vonbrunns Vater Oberlehrer. Wer dem "Privatier Vonbrunn" nun dienstlich im Schulamt nachfolgt, das stehe noch nicht fest, sagte Brosig.

Damit wissen auch die beiden Vorzimmerdamen Kathrin Hablowetz und Elisabeth Eggersdorfer noch nicht, wer ihr neuer Chef - oder ihre neue Chefin - wird. "Sie werden mir besonders fehlen", sagte Jürgen Vonbrunn. Dass im Amt stets ein guter Ton herrschte, habe nicht zuletzt am Radio im Büro der beiden Frauen gelegen, die gerne dazu sangen. Das alte Radio nimmt er am Mittwoch mit heim - aber als kleines Dankeschön schenkte er seinen "Perlen" ein neues. Und wieder flossen Tränen.
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