Kulmbach
Unwetter

Kampf gegen die Folgen der Flut in Kulmbach

Nach dem Starkregen am Pfingstsamstag ist bei Betroffenen längst noch kein Alltag eingekehrt. Von der Stadt hätten sie sich mehr Interesse gewünscht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Großbaustelle: Im Untergeschoss des Hotels Achat Plaza entkernen Handwerker Zimmer und Gänge.  Fotos: Andreas Schmitt
Großbaustelle: Im Untergeschoss des Hotels Achat Plaza entkernen Handwerker Zimmer und Gänge. Fotos: Andreas Schmitt
+9 Bilder
Dreieinhalb Wochen sind seit Pfingsten bereits vergangen. Das lange Wochenende, die Ferien - alles ist vorbei. Doch bei den Kulmbacher Flutopfern ist von Alltag längst noch keine Spur.

"Ich arbeite hier seit 22 Jahren, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", erinnert sich Hotel-Chefin Silke Götz an den Pfingstsamstag, der im Achat Plaza in der Luitpoldstraße alles auf den Kopf gestellt hat. Ab 16 Uhr wirkte es für rund 90 Minuten, als ginge die Welt unter. Starkregen peitschte vom dunklen Himmel herunter, teilweise fielen über 100 Liter auf den Quadratmeter. Für die freiwilligen Helfer, von denen die letzten in Kulmbach erst nach 4 Uhr nachts zurückkamen, war es einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre. Die Betroffenen kämpfen immer noch mit den Folgen der Flut.


Acht Kubikmeter aus Aufzügen

"Noch am Montag haben wir acht Kubikmeter Wasser aus den beiden Aufzügen gepumpt", erzählt Silke Götz, die seit dem Starkregen eine Großbaustelle organisiert statt Gäste zu empfangen. "Wir haben immer noch geschlossen. Wie lange, weiß ich noch nicht." Ihr Ziel, so Götz, sei es, zum Bierfest Ende Juli zumindest teilweise wieder zu eröffnen. Bis dahin muss jedoch noch einiges geschehen.

Momentan nämlich fallen im Hotel mit seinen 103 Gästezimmern, von denen drei ebenfalls überschwemmt wurden, überall sogenannte Schotts ins Auge - sterile Sicherheitsschleusen, die das Untergeschoss vom restlichen Gebäude trennen. "Die Mitarbeiter oben sollen dadurch vor den Gerüchen, dem Staub und dem Schimmel geschützt werden", erklärt Silke Götz. Beim Gang nach unten wird klar, warum.


Entkernte Räume, feuchte Wände

Dort, wo die derzeit ebenfalls geschlossene Massagepraxis von Klaus Hollweg sowie die Hotelbar, Konferenz-, Lager- und Umkleideräume waren, setzen jetzt Handwerker Schlagbohrer an. Räume werden entkernt, Inventar landet im Müll-Container, feuchte Wände, Decken und Böden werden herausgerissen, der Strom ist abgeschaltet, die Heizung defekt. Und über allem liegt ein modriger Geruch. "Das Wasser stand 1,90 Meter hoch. Bis alles wieder repariert ist, werden Monate vergehen", sagt Götz, die den Schaden auf einen siebenstelligen Betrag schätzt. Schließlich mussten seit Pfingsten auch alle Buchungen abgesagt werden, insgesamt etwa 2500 Stück.
Immerhin - eine gute Nachricht gibt es: Die Versicherung der Hotelkette wird sowohl für die Gebäudeschäden als auch für die Umsatzausfälle und die Kosten für die Weiterbezahlung der Mitarbeiter aufkommen.

Doch nicht nur in der Luitpoldstraße hat der Starkregen gewütet. Stark betroffen waren auch Anlieger der Bayreuther Straße wie Bernhard Ott. Der Inhaber des Hotels Christl hört die Folgen des Hochwassers noch immer in seinem Keller, wo seit Pfingsten gleich zehn Trocknungsgeräte laufen.

Doch auch sie können nicht alles wiederherstellen. Ott: "Wir mussten vier neue Waschmaschinen und einen Trockner kaufen." Auf gut 20 000 Euro beziffert der Hotelier den Schaden an Geräten, Böden und Türen. Hinzu kommt der Einnahmeausfall. "Wir hatten zwei Tage lang kein Warmwasser. Und das an Pfingsten, wo viel los ist." Eine Gruppe sei geblieben, neuen Kunden musste man aber absagen. Der Gesamtschaden betrage 100 000 Euro.
Viel Ärger also für Bernhard Ott, der trotzdem Glück im Unglück hatte. Denn im Gegensatz zu anderen Betroffenen im Stadtgebiet, die noch keine Zusage haben, hat er bereits grünes Licht von seiner Versicherung.

"Gott sei Dank habe ich nach dem Hochwasser von 2002 eine Elementarversicherung abgeschlossen", freut sich der Unternehmer. "Die rechnet selbstständig mit den Handwerkern ab ab, das ist eine feine Sache."
Kritisch sehen sowohl Silke Götz als Bernhard Ott hingegen die Vor- und Nachsorge der Stadt (siehe auch unten stehenden Text). Zwar sei, so Götz, der Starkregen so heftig gewesen, dass Schäden nicht zu vermeiden gewesen seien. Dennoch merkt sie an, dass am Kanalnetz seit 2002 "nichts geschehen ist".

Und Ott bemängelt, dass die Stadt im Gegensatz zu ihm nichts getan habe. Seine neuen Fenster und Lüftungsschächte hätten einiges bewirkt. "2002 stand das Wasser bei mir bei 1,30 Meter, diesmal 60 Zentimeter, obwohl der Regen stärker war." Im Nachgang hätten sich Götz und Ott mehr Interesse gewünscht. "Eine kurze telefonische Frage, woher das Wasser kam. Das war's", bemängelt Bernhard Ott.


Pröschold: "War nicht zu verhindern"


"Bei solchen Starkregen-Mengen sind wir einigermaßen hilflos", sagt Stephan Pröschold. Der Chef der Kulmbacher Stadtwerke bezeichnet den Pfingstsamstag als "Katastrophenereignis", das nicht zu verhindern gewesen sei.

Laut einer Statistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die die Wahrscheinlichkeit von Starkregen-Ereignissen analysiert, sei bereits eine Niederschlagsmenge von 62 Litern pro Quadratmeter für Kulmbach ein hundertjähriges Regenereignis.

"Das wurde also weit übertroffen", sagt Pröschold, der am Unglückstag zusammen mit Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) betroffene Häuser, deren Zufahrtswege nicht gesperrt waren, abgefahren sei.
Laut einer Vorgabe müsse das Kanalnetz für ein fünfjähriges Regen-Ereignis gewappnet sein, was für Kulmbach einem Wert von 32 Litern pro Quadratmeter entspreche.

"Das schaffen wir locker", sagt Pröschold. Er betont, dass jährlich fünf bis zehn Millionen Euro in den Ausbau der Netze investiert werde. "Ein Ausbau für ein hundertjähriges Ereignis würde aber 365 Millionen Euro kosten. Das ist wirtschaftlich unmöglich."

Zu der Kritik von Betroffenen im Nachgang des Hochwassers (siehe oben), sagt Pröschold: "Es wurde bei jedem angerufen, um eine Beratung mit Experten anzubieten. Bislang wurde das Angebot aber noch nicht angenommen."


Elementar-Zusatz wird empfohlen



Elementarversicherung
"Sie macht Sinn", sagt Sascha Straub, Leiter des Referats Finanzleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Zwar sei die Zusatzoption zur Gebäudeversicherung in gefährdeten Lagen teuer. "Aber gerade dann ist sie sinnvoll", sagt Straub.
Dabei sollte die Gefahr Rückstau mit einbezogen sein. "Nahezu überall kann es passieren, dass die Kanalisation Wassermassen nicht verkraftet und die braune Brühe in den Keller oder durch Sanitäranlagen ins Haus kommt."

Pflichtversicherung
Die Verbraucherzentrale, so Sascha Straub, schlägt eine Pflichtversicherung für alle Besitzer von Eigentum vor - ähnlich der Haftpflicht bei Kraftfahrzeugen.
"Durch den Klimawandel nimmt die Gefahr von Naturkatastrophen zu", sagt Straub. Dadurch würden die Beiträge für Hausbesitzer in gefährdeten Lagen steigen. "Wenn alle einen Beitrag leisten würden, wäre das für den einzelnen wenig. Und Nothilfen des Staates mit Steuergeld wären nicht mehr nötig." asch
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren