Nun steht es fest: Am 26. November wird es ein humoristisches Damen-Catchen um den 3. Kulmbacher Kabarettpreis geben. In der zweiten Ausscheidungsrunde am Freitagabend war nämlich Christine Eixenberger die Favoritin des Publikums im KKB in Untersteinach gewesen. Sie wird im Finale gegen Andrea Geis alias Rose Neu antreten.

Das Applaus-Training im KKB funktioniert selten auf Anhieb. So brauchte auch diesmal das Publikum erst eine zweite Lektion, bis KKB-Vorsitzender Manfred Spindler damit zufrieden war und die Show eröffnete - nicht ohne zuvor die hauseigene Licht- und Tontechnik vorsorglich (falls später etwas schief geht) zu loben, was wiederum Pfarrer Wolfgang Oertel in der Mitte des Publikums dazu animierte, den Saal zu einem weiteren Applaus anzustiften, der, bei geistlichem Beistand, auf Anhieb euphorisch funktionierte.

Den Auftakt des Abends machte Alpar Fendo. Dass er Doktor der Kulturwissenschaften ist, tat im KKB nichts zur Sache. Dass ihn seine Eltern einst aus dem Kaff Istanbul in die schwäbische Metropole Sulz am Nekar verschleppten und ihn zum Türkle machten, schon eher. Und da ihm die Eltern den antiquitierten Namen Alpar, also Sternenkind, gaben, verwunderte es nicht, dass er noch zwei weitere Freunde aus dem All mitgebrachte hatte: All-Bert und All-Fred.

Der erste plump und vorwitzig, pflaumte unverschämt ins Publikum. Schüchtern und fast ängstlich - erstmal - sein Sohn All-Fred. Dann aber ganz der Vater. Und ein Großmaul. Er sei Schnellrechner, gibt er an. Dass 5367 mal 278 Acht sei, war zwar nicht richtig, "aber schnell," denn immerhin hat er einen dreistelligen IQ - 55,5 nämlich.

Alpar Fendo ist Bauchredner. Und das kann er ohne Schummeln. Seine Witze sind gut und neu und haben die besten Chancen, einmal allseits bekannte Kalauer zu werden.

Biestig-sarkastisch biss dann Birgit Süss das Publikum. Die gebürtige Augsburgerin (das hört man manchmal durch) lebt jetzt in Würzburg (was man nicht durchhört). Dort spielt sie am Theater und ist auch Radiomoderatorin. Eine Pause im Reden ist bei ihr also nicht drin - und man muss sich schon recht beeilen, das Mitdenken zu Ende zu bringen. Birgit Süss ist niemand zum Ausruhen. Und was sie von sich gibt, hat Hand und Fuss, ist kritisch, mit dem Messer direkt ins Ohr. Möchte man gerade mit dem Lachen beginnen, so würgt sie das gleich ab.

Gleichzeitig hat Birgit Süss eine ganz fantastische Stimme. Sie hat am Konservatorium und wo noch überall gelernt. Eigentlich müsste man sie auf der Kulturseite dafür loben - wären da nicht diese unverschämt beißenden Texte.

Zum Schießen mit Bauchgrimmen war auch ihre Yoga-Stunde mit Angela, in der sie bis zum Dahindämmern ihr Publikum in die Glückseligkeit des bürgerlichen Verzichts auf staatliche Pflichten und Fürsorge wegmeditierte. Aus schizophrener Sicht macht sie das einfach umarmenswert.

Musikalisch kam auch Moses W. Als Abkömmling von Eisenbahnern und Bergmännern im staubigen Essen geboren, sprach er allerdings zuerst - wenn wundert's - über Essen. Über Brot und die Vorzüge des deutschen Brots im ganz Speziellen. Nachdem er die Bäckereien anderer Länder heruntergemacht hatte, stilisierte es das deutsche Brot ("Wir können Kruste") allerdings nicht zum Fanal deutscher Leitkultur. Vielmehr zitierte er aus einer fiktiven Unesco-Welterbe-Verlautbarung, in der Brot (nur Mehl, Wasser und Sauerteig) ein Symbol für deutsche Rohstoff-Knappheit sei. Dennoch empfahl Moses, künftig lieber Brot zu exportieren als Waffen - "Brot statt Böller," wofür er spontan Applaus bekam.

Nach einer weiteren Nummer, einer Liebeserklärung an das Plastik an sich und überhaupt überall, gab Moses schließlich eine Kostprobe seines musikalischen Könnens mit einem "spirituellen Input in die Gemeinde wegen des nahenden Weihnachtsfestes." Seine These: "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt - dieser Text passt auf alles": auf Nena, Metallica, Fan-Gröhlen im Stadion, Tango und noch mehr. Damit wusste er den Saal durchaus mitzureißen.

Die Finalteilnahme um den diesjährigen KKB-Kabarett-Preis gönnte das Publikum allerdings am meisten Christine Eixenberger. Dass sie aus dem Bayerischen kommt, kann sie nicht unterdrücken. Und dass sie Grundschullehrerin ist, will sie nicht verheimlichen. Obwohl sie seitens geplagter Eltern ("Die arme Sau") wie auch von höherstufig tätigen Realschul-Kolleginnen ("A Bastelschlampn") nicht gerade hoch geschätzt zu sein scheint. Bevor sie wegen ihrer Berufswahl depressiv wird, dreht sie den Spieß aber um.

Sie zieht über ihre Schüler her ("Pupertierende Vollpfosten, lieb aber beschränkt"). Und sie äfft alle denkbaren Formen der Spezies Schüler nach. Und das Kultusministerium. Insbesondere Verlautbarungen zum Lehrerberuf aus diesem. Dass Eixenbergers Lied mit einem Text aus dem Ministerium irgendwie heißer nach "die alte Hex" klingt, könnte an Eixenbergers Stimmbelastung liegen - vielleicht ...

Christine Eixenberger gegen Rose Neu heißt also das Finale am 26. November im gleichen Theater in Untersteinach. Karten sollte man frühzeitig besorgen, um dann mitzubestimmen, wer den diesjährigen Kabarett-Preis erhält, den die Kulmbacher Brauerei gestiftet hat.