Kulmbach
Auszeit

Junge Kulmbacherin auf Tuchfühlung mit Koala & Co.

Julia Titus zog es nach dem Abitur in die Ferne. Für ihre kleine Weltreise, deren Hauptziel Neuseeland war, brauchte sie acht Monate.
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Die futuristische Gebäudekonstruktion der Sydney Opera ist eines der beliebtesten Fotomotive in der größten Stadt Australiens. Der Schnappschuss fürs Album war für Julia Titus natürlich Pflicht. Foto: privat
Die futuristische Gebäudekonstruktion der Sydney Opera ist eines der beliebtesten Fotomotive in der größten Stadt Australiens. Der Schnappschuss fürs Album war für Julia Titus natürlich Pflicht. Foto: privat
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Zwölf oder 13 lange Jahre die Schulbank drücken und dann - endlich - das Abitur in der Tasche. Was liegt da näher, als einmal eine Auszeit zu nehmen. Für Wochen, eventuell sogar Monate. Viele träumen von fernen Ländern, sehnen sich danach, andere Sitten, Gebräuche und vor allem Menschen kennenzulernen. Julia Titus hat sich diesen Traum erfüllt. Vor kurzem ist sie zurückgekommen von einer kleinen Weltreise, die sie in vier verschiedene Länder und auf eine traumhafte Insel führte. Im Gepäck hat sie eine Menge Erlebnisse, von denen sie lebenslang zehren wird.

Hauptziel war Neuseeland, das Land der langen weißen Wolke. "Meine Patin hat immer erzählt, dass es dort so schön ist", sagt die 20-jährige Kulmbacherin, die sich schon vor drei Jahren eine große Tour überlegt hatte. Ein Schüleraustausch mit den einschlägig bekannten Reiseorganisationen, die einem alles abnehmen, sind aber nicht Julias Ding. Mit Hilfe ihrer Eltern hat sie alles selbst vorbereitet. Und mit ihrer Freundin. Doch als die ins Spiel kam, gab es eine Änderung: Erstes Ziel war Thailand.


Mit dem Bus durchs Königreich


Im November 2015 ging es los. Vier Wochen lang bereisten die beiden jungen Frauen das asiatische Königreich mit dem Bus, wollten so viel wie möglich "mitnehmen". Die Rundreise startete in Bangkok und führte über Phetchabun in den Norden. Als sehr attraktive Stadt hat die Kulmbacherin Chiang Kham an der Grenze zu Laos in Erinnerung. "Die Häuser am Fluss sind sehr schön, und es gibt einen interessanten Night-Market", erinnert sich Julia, die jedoch auch vielen armen Menschen begegnet ist. "Die meisten betteln, aber alle sind sehr, sehr freundlich."

Geschlafen wurde in Hostels und Minihotels, die Mehrbettzimmer (Übernachtung für drei bis fünf Euro) schonten das Budget. Große Ansprüche sollte man freilich nicht haben. Frühstück und Abendessen - etwa Hühnchen mit Reis oder Nudeln - sind für einen Euro zu haben. In Hua Hin und auf Phuket genossen beide einen Strandurlaub und die Unterwasserwelt.

Der Plan, durch Malaysia zu reisen, zerschlug sich aufgrund der dortigen Unruhen. Deshalb flogen beide nach Singapur. "Eine total schöne Stadt, die unglaublich sauber ist, in der aber strenge Regeln gelten. Weder am Bahnsteig noch in der U-Bahn darf man essen", erinnert sich Julia. Die Preise waren entsprechend: "Für die Übernachtung in einer Abstellkammer mussten wir 25 Euro bezahlen."


Viele junge Leute kennengelernt


Für die nächsten Wochen hieß das Ziel Australien. Dass ihre Begleiterin es vorzog, ab hier alleine weiterreisen, störte Julia nicht. "In Brisbane habe ich viele junge Leute aus Deutschland kennengelernt, meistens kamen sie aus Stuttgart oder Hamburg. Mit einer Gruppe aus der Hansestadt machte sie einen Surf-Kurs in Byron Bay, dem östlichsten Punkt des australischen Festlandes.

Auch Weihnachten wurde noch gefeiert, bevor es am 28. Dezember weiter ging nach Sydney - "die beste Stadt der gesamten Reise - obercool". Von dort nahm die 20-Jährige unvergessliche Eindrücke mit: Harbour Bridge, Opera House, Botanischer Garten, Tower oder ein Riesenfeuerwerk - und immer die Bekanntschaft netter Leute.


Zu Besuch bei Auswanderern


Letztere warteten auch in Adelaide: Auswanderer Stefan Schmidt, der früher Koch in der "Stadtschänke" war, und seine Familie. Heute arbeitet der Freund von Julias Vater René bei der Berufsfeuerwehr seiner neuen Heimatstadt.

Zehn Tage blieb Julia zu Besuch. In dieser Zeit kümmerte sie sich um eine Arbeitsstelle in Neuseeland. Dort war Auckland die erste Station, wo sie die Hamburger Jungs aus Sydney wieder traf. Mit einem alten Minivan starteten die Freunde zu einer dreiwöchigen Rundreise, während der ein Zelt ihr Zuhause war. "Für fünf Euro pro Nacht findet man gute offizielle Plätze. Wildes Campen ist verboten, da drohen 200 Euro Strafe", erzählt Julia, die von der vielfältigen Natur begeistert war, jedoch mehr die Südinsel mit den vielen Seen und Gebirgslandschaften empfiehlt. "Auf der Nordinsel erinnert vieles an die Schweiz oder an Österreich."

Nachdem sie Hamburger zurückgelassen hatte, fand die 20-Jährige in Wellington Gelegenheit, die Reisekasse aufzubessern. Dort arbeitete sie als Au-pair bei einer vor acht Jahren ausgewanderten deutschen Familie. Zusammen mit einer Münchnerin besuchte Julia natürlich auch den berühmten Hobbit-Drehort bei Hamilton, einen der vielen Schauplätze.

Anfang Juni 2016 endete die kleine Weltreise in Bali. Dort traf Julia ihre Mutter, für die sie als Abschluss einer wunderschönen Reise ein dreiwöchiges Programm ausgearbeitet hatte. Noch heute schwärmt Sabine Titus von der Künstlerstadt Ubud, dem Grün des Dschungels und der Reisfelder, der Tempel-Tour und dem Sonnenaufgang, den sie mit ihrer Tochter auf einem Vulkan erlebte.


Die Finanzen müssen stimmen


Wer Ähnliches plant wie Julia, sollte sich allerdings intensiv vorbereiten, vor allem in Bezug auf die Finanzen.
So hat die Kulmbacherin neben ihrer Tätigkeit als Au-pair zuvor als Bedienung gejobbt und ihre Reisekasse durch Ferienarbeit bei Kulmbacher Firmen gefüllt. "Natürlich gab es dazu auch Taschengeld von den Eltern und den Großeltern", räumt sie ein und schmunzelt.

Alles in allem war es eine unvergessliche Zeit, auch wenn die Reise teilweise anstrengend war. "Ich bin ja in den vergangenen acht Monaten 13 Mal geflogen, aber es hat sich wirklich gelohnt."

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