Kulmbach
Plassenburg-Open-Air

In ihren Adern fließt Schlawiner-Blut

Kabarettistin Martina Schwarzmann setzte bei ihrem Auftritt in Kulmbach den Regenschauern trockenen Mutterwitz entgegen.
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Zum Auftritt von Martina Schwarzmann kamen am Mittwochabend rund 900 Besucher auf die Plassenburg. Foto: Jochen Nützel
Zum Auftritt von Martina Schwarzmann kamen am Mittwochabend rund 900 Besucher auf die Plassenburg. Foto: Jochen Nützel
Für sie ist Multitasking "a Riesenscheißdreck" und jedes Familientreffen ein Minenfeld voller Missverständnisse, die jederzeit detonieren können: Martina Schwarzmann ringt dem Wahnsinn Alltag in all seinen Facetten ein Lächeln ab - und damit auch den rund 900 Besuchern beim zweiten Open-Air-Abend des Jahres auf der Plassenburg. Regenfront hin oder her.

Dabei erweckt die 36-Jährige äußerlich eher den Eindruck, als könne sie kein Regenwässerchen trüben. Wie das Musterbeispiel in der Rückenschule sitzt sie auf ihrem Barhocker, die Unschuld vom Lande in Person. Das Outfit: eher bieder und angeblich auf dem Flohmarkt erstanden. Doch wenn sie anfängt, genau darüber zu philosophieren, bemerkt der Zuhörer schnell, auf welch düsteren Gedankengängen die Fürstenfeldbruckerin wandelt.
"Damit mer net so vui rumirrt bei der Kleidersuche, wäre es doch sinnvoll, in Todesanzeigen Größe und Gewicht des Verstorbenen anzugem. Da wüsst mer glei, ob oam selber die abgelegtn Sachn bassn dädn."


Schwarzer Humor zündet

Schwarzmann und schwarzer Humor: Die Kombination trägt einen ganzen Abend lang und bildet auch im aktuellen Programm "Gscheid gfreid" sozusagen den Grundfarbton unter allen Geschichten und Gstanzln der vielfach prämierten Komödiantin. Die 36-Jährige nimmt ihre Zuhörer mit auf eine Odyssee durch die Untiefen des niederbayerischen wie -trächtigen Alltags: von der Kunst, den richtigen Grabbepflanzungswechseltermin auszuloten, bis hin zur Feststellung, dass es offenbar Deppentage gibt, an denen einem Naturgesetz folgend offenbar alle Vollpfosten plötzlich das Sagen haben.

Überall macht die Künstlerin Strömungen und Verwirbelungen aus, die ganze Dorfexistenzen zum Scheitern verurteilen können. Wer sich da nicht anpasst, schlingert wie Treibgut auf der Schaumkrone des Irrsinns und ist schneller gestrandet, als er sich versieht. Und selbst die eigene Keimzelle namens Familie macht das Leben bisweilen zur Hölle. So mündet die scheinbar harmlose "Nachbesprechung" der Familienfeier bei Martina Schwarzmann in so etwas unschönem wie ein Beziehungsgespräch, in dem es - seit Menschengedenken gewiss - noch nie Sieger gegeben hat.

Überhaupt kann die dreifache Mutter Schwarzmann aus dem Themenpool Ehe/Verwandtschaft Erquickliches wie Erstaunliches in dialektales Liedgut verwandeln. So sei ihr und ihrem Mann klar geworden, dass bei jedwedem Kinderwunsch zeitgleich eine Hühnerhaltung angeschafft werden musste - zwecks der Resteverwertung. Mittlerweile sind es drei Kinder, also mehr Hühner. Das Federvieh allein reicht nicht. Schwarzmanns Dreisatz lautet daher: "Ab drei Kindern brauchst eigentlich a Sau." Nerven aus Stahl inklusive, wenn der Nachwuchs der Mama im Schlaf das Bügeleisen auf die Brust legt und auf eine Reaktion wartet. "Beim Hochschregga ist mir eigfoiln, dass mir am Vorabend im Fernsehn was über Defibrillatoren gschaut ham."


Vorsicht, bastelwütige Tochter!

Den Fährnissen des Familien- und Landlebens ist ohnehin nicht zu entkommen. Schon biegt das nächste bastelwütige Gör drohend um die Ecke, in der Hand weitere 30 Werke, die erst bewundert, dann aber vor allem verstaut sein wollen. Martina Schwarzmann habe nichts gegen das Basteln - jedenfalls nichts Wirksames.
Ebenso beherrscht sie leider nicht die Kunst des Gleichzeitigen. "Während in der Küch' die Milch fürn Kloana gekocht hot, hob i denkt, gehst noch in Keller obbi und machst die Wäsch'." Zurück in der Küche dann das übergekochte Dilemma. Gereimt klingt das so: "Da denkst, Du host die Zeit optimal genutzt - dann hob ich den Rest vom Dog den Ofen 'putzt. Multitasking is a Riesenscheißdreck." Und sie das "Haushaltsopfer”.

Derlei Liedgut in Tateinheit mit Anekdoten aus dem Schattenreich von Kaffeekränzchen und vollen Windeln versetzt das Publikum oft in heiteres Gelächter. Martina Schwarzmann kredenzt eine Melange aus Beobachtungen ihrer Umgebung, die sie durch ihre Form der Darreichung in ihrer ganzen Absurdität entblößt. Die Gitarrenmusik schleicht sich zu den Texten in die Gehörgänge, rollt den Klangteppich aus für den Mutterwitz der Niederbayerin. Sie deutet in ihren Geschichten menschliches Zusammenleben als etwas Unergründbares, manchmal auch Unmögliches. Nur wenig scheint sicher - etwa das: "Dicke wern net su schnell bsoffa, Dünne bei Schießerein schwerer troffa." Auch ein Erkenntnisgewinn dieses Abends.

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