Kulmbach
Gesellschaft

In den Krippen im Kreis Kulmbach wird es eng

Ab dem ersten Geburtstag haben Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Wer davon Gebrauch machen will, muss manchmal weite Wege auf sich nehmen: In vielen Einrichtungen im Landkreis Kulmbach ist die Nachfrage größer als das Angebot.
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Im "Mäusenest" werden die Kleinsten der Kindertagesstätte Auferstehungskirche betreut. Sechs Plätze hat die Einrichtung. Sieben Familien die ihr Kind für den Herbst anmelden wollten, musste "Die Kita" absagen. Im Bild spielen (von links) Mia Schubert, Peter Rupf, Lorena Ramming, Erzieherin Kerstin Binger, Leilani Ramming, Jonas Weber und Kinderpflegerin Marion Ramsauer. Foto: Dagmar Besand
Im "Mäusenest" werden die Kleinsten der Kindertagesstätte Auferstehungskirche betreut. Sechs Plätze hat die Einrichtung. Sieben Familien die ihr Kind für den Herbst anmelden wollten, musste "Die Kita" absagen. Im Bild spielen (von links) Mia Schubert, Peter Rupf, Lorena Ramming, Erzieherin Kerstin Binger, Leilani Ramming, Jonas Weber und Kinderpflegerin Marion Ramsauer. Foto: Dagmar Besand
Familie Laukert aus Kulmbach hat ein Problem: Sie bräuchte dringend einen Krippenplatz für ihre kleine Tochter, ein Jahr und drei Monate alt. Doch ihre Wunscheinrichtungen bei der "Die Kita" sind leider ausgebucht. Schon im vergangenen Herbst gab es Absagen, und auch dieses Jahr können die Wünsche der Laukners nicht berücksichtigt werden.
"Wir hatten im Februar Anmeldewochen und haben deutlich mehr Anfragen als Krippenplätze", so die Fachbereichsleiterin der "Die Kita", Elke Wuthe. "Allein in der Stadt Kulmbach müssen wir 39 Absagen verschicken, können nur 17 Kinder neu aufnehmen."

Dazu kommen 20 Kinder über zwei, aber unter drei Jahren, für die es zwar ebenfalls keine Krippenplätze gibt, die aber teilweise im Kindergartenbereich mit Kindern ab drei Jahren betreut werden können. "Der Bedarf ist explodiert", sagt Elke Wuthe. "Dabei ist die Situation in der Stadt brisanter als im Landkreis." Doch auch dort seien die meisten Einrichtungen belegt.


Bei der Awo noch entspannt

In den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt ist die Situation bislang dagegen noch recht entspannt. "Lediglich in unserer Kinderkrippe Krümelkiste gibt es eine Warteliste", sagt Kreisgeschäftsführerin Elisabeth Weith. "Wir schicken keine Eltern weg. Bei uns gibt es keine Anmeldewochen, sondern man kann sich ganzjährig anmelden. Außerdem sind wir uns darüber im Klaren, dass sich manche Eltern bei mehreren Einrichtungen melden." Krippenplätze werden darüber hinaus auch von weiteren Trägern (Kirchengemeinden, Stiftungen, Netz für Kinder, Gemeinden) angeboten.


30 Minuten Weg sind zumutbar

Seit 2013 haben Kinder ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Dieser muss allerdings nicht unmittelbar in der Nähe, sondern nur in zumutbarer Entfernung zum Wohnort liegen. Als zumutbar gilt dabei eine Wegstrecke mit dem Auto von 30 Minuten. Im Landkreis Kulmbach bedeutet das, dass von Kulmbacher Eltern erwartet werden kann, dass sie ihr Kind beispielsweise nach Wonsees oder Presseck fahren. Gibt es dort einen freien Platz, ist der Rechtsanspruch erfüllt - auch wenn man keinen Gebrauch davon machen möchte.

Familie Laukert hätte einen Platz bei anderen Trägern im Stadtgebiet bekommen können. "Wir konnten das leider nicht annehmen, weil wir kein zweites Auto haben und die Fahrerei nicht organisieren können", bedauert Paul Laukert.

Die Familie hat das Problem jetzt vorübergehen mit Hilfe der Großeltern gelöst und hofft auf einen wohnungsnahen Platz zu einem späteren Zeitpunkt.

Wie sieht es insgesamt mit den Betreuungsangeboten für die Jüngsten in Stadt und Landkreis Kulmbach aus? Reichen die vorhanden Krippenplätze? Als bislang unproblematisch schätzt Rainer Blüchel vom Kreisjugendamt die Situation ein: "Wir haben eine Bedarfsdeckung von 42 Prozent. Das ist ein recht guter Wert."


Nicht jedes Kind geht in die Krippe

Schließlich möchten ja nicht alle Eltern ihre Kinder in eine Krippe geben. Viele betreuen den Nachwuchs in den ersten Jahren selbst zu Hause.

In den vergangenen Jahren seien viele neue Krippenplätze geschaffen worden, um der gestiegenen Nachfrage gerecht werden zu können. Insgesamt gibt es in Stadt und Landkreis 465 reguläre Krippenplätze, die größtenteils ab 2008 neu geschaffen wurden. "Auf diese Entwicklung können wir schon ein bisschen stolz sein."


Keine Angst vor Rechtsstreit

Eltern, die keinen Betreuungsplatz finden, können diesen Anspruch notfalls auch gerichtlich geltend machen. Das Landgericht Leipzig hat drei Müttern sogar Schadensersatz für ihren Verdienstausfall zugesprochen.

Dass es im Landkreis soweit kommt, glaubt Rainer Blüchel nicht. "Wenn es in der Wohnort-Gemeinde keinen freien Platz gibt und sich die Eltern mit diesem Problem an uns wenden, hat die Gemeinde im Zusammenwirken mit dem Jugendamt drei Monate Zeit, einen zumutbaren Platz anzubieten. Wir helfen Eltern, die Unterstützung brauchen, gerne weiter."

Das bekräftigt auch Helmut Völkl, Leiter der Kulturverwaltung der Stadt Kulmbach. "Wir haben immer weniger Kinder, für die immer mehr Betreuung in Anspruch genommen wird." Man müsse nun abwarten, ob es tatsächlich Kinder gibt, die nicht untergebracht werden können. "Wir werden dann gerne helfen, die für die Situation bestmögliche Lösung zu finden."

Auf Verdacht zusätzliche Plätze zu schaffen, sei nicht machbar. "Ein Krippenplatz kostet jährlich rund 10 000 Euro. 80 Prozent werden von Stadt und Staat finanziert, der Rest über die Elternbeiträge." Eltern bezahlen für einen Krippenplatz etwa doppelt so viel wie für einen Kindergartenplatz. Bei der "Die Kita" sind das derzeit rund 200 Euro monatlich für 30 Betreuungsstunden pro Woche.



 
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