Oberzettlitz

In Oberzettlitz sticht der Euro nicht

Bei der Schafkopfrunde im Gasthaus Räther ist die D-Mark immer noch die gültige Währung.
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Bei dieser fröhlichen Schafkopfrunde im Gasthaus Räther in Oberzettlitz gilt der Euro nichts: Wenn Walter Klein, Helmut und Bernd Herold sowie Norbert Ohnemüller (von links) Karten spielen, ist die D-Mark immer noch die gültige Währung. "Sonst wären drei Viertel vom Vergnügen weg."  Foto: Stephan Tiroch
Bei dieser fröhlichen Schafkopfrunde im Gasthaus Räther in Oberzettlitz gilt der Euro nichts: Wenn Walter Klein, Helmut und Bernd Herold sowie Norbert Ohnemüller (von links) Karten spielen, ist die D-Mark immer noch die gültige Währung. "Sonst wären drei Viertel vom Vergnügen weg." Foto: Stephan Tiroch
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Sauspiel fünf, Schneider zehn, drei Ober fünfundzwanzig, dreimal gelegt und doppelt - macht vier Mark. Hier wird nicht mit Euro und Cent bezahlt, sondern immer noch mit Mark und Pfennig. Das neue Geld, eingeführt am 1. Januar 2002, hat sich bei Norbert Ohnemüller, Walter Klein, Helmut und Bernd Herold nicht durchgesetzt. Eisern halten sie an ihrer Schafkopfwährung fest.

"Wenn wir um Euro und Cent spielen müssten, wären drei Viertel vom Vergnügen weg", erklärt Helmut Herold mit all seiner Überzeugungskraft. Weil die neuen Münzen eben so unübersichtlich seien. Seit 40 Jahren gebe es die Schafkopfrunde schon, "und eigentlich hat sich nichts geändert".

Gut, die Burschen - Mainleuser und Kulmbacher - sind älter geworden. Und man hat immer mal das Wirtshaus wechseln müssen, weil ein Lokal nach dem anderen geschlossen wurde.
Aber sonst bleiben die Regeln und Traditionen unangetastet.

Gespielt wird einmal pro Monat, seit einiger Zeit in Oberzettlitz. Gefürchtet ist der Jahresauftakt: am 6. Januar. "Wir fangen um neun an, es dauert bis abends, und der Gesamtsieger des Vorjahres bekommt seine Laudatio", sagt Bernd Herold. Gastwirt Fritz Räther macht die Gaudi mit und für das Schafkopfquartett in aller Früh auf.


Die ewige Statistik

Rituale sind hier alles, und ohne Statistik geht nichts. Dazu Norbert Ohnemüller: "Wir haben seit 1994 exakte Aufzeichnungen, wer was gewonnen hat." Mit dem Erkenntnisgewinn, dass keine großen Reichtümer nüber- oder rübergewandert sind. Bernd Herold, Spitzenreiter in der ewigen Bilanz, hat ein Plus von 55,10 Mark. Schlusslicht Helmut Herold liegt mit 44,90 Mark im Minus.

Erlaubt sind nur Sauspiel, Wenz und Solo. Geier nicht, erläutert Walter Klein, "da kann man gleich ein Solo spielen".


Zeit für ein Lied

Und verlieren. Helmut Herold ärgert sich über seinen Freund Norbert: schon das zweite Sauspiel in der doppelten Runde. Er traut sich ein gewagtes Solo - und zieht den Kürzeren. Was jetzt kommt, weiß er: Es erklingt ein Volkslied. Die Sieger erheben sich von den Plätzen und singen für den Verlierer: "Draußn im Wold hot's a klaans Schniela gschneit. Drum ist's so kolt, draußn im Wold."

Helmut Herold holt sich den Verlust gleich wieder zurück. Wenz-Tout - macht 2,80 Mark pro Nase.

Am Ende des Abends wird abgerechnet, und Walter Klein stellt fest: "So knapp war's noch nie." Drei Spieler teilen sich den satten Gewinn von fünf Mark. Bernd Herold muss blechen, aber der Verlierer macht sich nicht verrückt: "Es ist ja nur die Hälfte, wenn wir's in Euro umrechnen."


Knallharte Verweigerer?

Wie bitte? Umrechnen? Euro auf der D-Mark-Insel? Auch hier sitzen inzwischen keine knallharten Verweigerer mehr. Sie geben zu, sich im sonstigen Leben mit der Zeit mit dem Euro arrangiert zu haben. Auch die Zeche bezahlen sie in Euro, bevor jeder sein Spielgeld einsteckt und nach Hause mitnimmt. Die D-Mark wird bald wieder gebraucht. "Rausgekommen ist nichts, aber schön war's", meint Helmut Herold, und die Kumpels nicken.
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