Neudrossenfeld
Politik

In Neudrossenfeld blieb für Gauland die Küche kalt

Der AfD-Parteivize bekam nur Wasser im Bräuwerck. Und draußen auf dem Marktplatz protestierten 200 Demonstranten.
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Mit Transparenten und Trillerpfeifen demonstrierten am Donnerstagabend 200 AfD-Gegner friedlich vor dem Neudrossenfelder Bräuwerck. Foto: Stephan Tiroch
Mit Transparenten und Trillerpfeifen demonstrierten am Donnerstagabend 200 AfD-Gegner friedlich vor dem Neudrossenfelder Bräuwerck. Foto: Stephan Tiroch
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Als besonders gastfreundlichen Ort wird Alexander Gauland Neudrossenfeld nicht in Erinnerung behalten. Für den AfD-Parteivize gab's im Bräuwerck, das für exzellente Biere und eine gute Küche bekannt ist, nur Mineralwasser aus der Plastikflasche. Wie angekündigt, blieb am Donnerstagabend die Küche kalt und der Zapfhahn geschlossen.


"Als genussfreudig bekannt"

Stellvertretender AfD-Bezirksvorsitzender Georg Hock aus Kulmbach nahm es gelassen, dass sich Personal und Bräuwerck-Vorstand weigerten, die Alternative für Deutschland bei ihrer Bezirksversammlung zu bewirten. "Denen entgeht ein gutes Geschäft. Wir sind als genussfreudig bekannt", sagte er. Wie von Hock erwartet, füllte sich der Saal mit 132 Sitzplätzen.

Die Demonstranten vor dem Bräuwerck waren den Gauland-Anhängern zahlenmäßig nicht unterlegen. Mehrere Bündnisse - unter anderem Kunterbunt Kulmbach-Bayreuth - hatten zu einer Protestkundgebung aufgerufen, nachdem sich die Rechtspopulisten vor dem Verwaltungsgericht in den Bräuwerck-Saal reingeklagt hatten.


AfD-raus-Rufe

"AfD raus", riefen rund 200 Gegendemonstranten. Mit Transparenten ("Liebe Muslime, lasst uns mit diesen Deutschen nicht alleine") und Trillerpfeifen zeigten sie, was sie von den Rechtspopulisten im Saal halten.

Neben Bündnis-Leuten aus Kulmbach und Bayreuth, oberfränkischen Jusos und AfD-Gegnern aus einem "nazifreien Schwarzach" sah Bürgermeister Harald Hübner (CSU) auch viele Neudrossenfelder unter den AfD-Gegnern. "Ich stehe bewusst hier bei den Demonstranten, die friedlich ihre Meinung sagen wollen", betonte Hübner.

"Wir wollen zeigen, dass die große Mehrheit in Kulmbach und Oberfranken anders denkt als die menschenfeindliche AfD", sagte stellvertretender Juso-Kreisvorsitzender Julian Seiferth. Kunterbunt-Mitglied Matthias Hahn bezeichnete die AfD als "rechtsradikale Partei". Und laut Bündnis-Sprecher Arno Pfaffenberger hat sich die AfD ins Lager der "extremen faschistischen Rechten" begeben.


"Haste keine Eier?"

Bis auf gelegentliche Wortgefechte blieb es friedlich auf dem Neudrossenfelder Marktplatz. Parolen der Gegner wie "Wir wollen keine Nazi-Schweine" beantworteten AfD-Anhänger mit Kommentaren wie "Faschisten" oder "lauter linksversiffte Kinder". Ein vermummter AfD-Fotograf, der seinen Merkel-muss-weg-Aufkleber nicht hergeben wollte, musste sich Gelächter und Spott gefallen lassen: "Haste keiner Eier?"

Die zahlreich vertretenen Medien wurden bei ihrer Arbeit im Saal, wo die AfD einen eigenen Sicherheitsdienst aufgeboten hatte, und draußen nicht behindert. Es gab aber vereinzelt aggressive Töne: "Nicht mit der Presse reden!"


Polizei beobachtet nur

Die Kulmbacher Polizei, die laut Inspektionsleiter Gerhard Renk vom Bayreuther Einsatzzug Verstärkung bekommen hatte, beobachtete lediglich die Szenerie. "Wir erwarten keine Randale. Die Bürgerinitiative hat bisher immer friedlich demonstrierte", sagte er.

Der ehemalige CDU-Mann Gauland, der durch sein Boateng-Zitat Schlagzeilen gemacht hatte, kam gar nicht in Kontakt mit den Demonstranten. Er wurde über einen Seiteneingang in den Bräuwerck-Saal gelotst.

Berichte vom weiteren Verlauf des Abends und von der AfD-Parteiveranstaltung lesen Sie in Kürze bei infranken.de.


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