Kulmbach

In Kulmbach kommt der Doppelgänger aus dem 3D-Drucker

Es ist heute keine Zauberei mehr, von sich selbst eine dreidimensionale Figur herstellen zu lassen. So ist auch der kleine Fritz entstanden.
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Der große Fritz Oertel ist begeistert vom kleinen Fritz. "Man sieht jedes Detail. Mit ein bisschen Fantasie kann man sogar die Uhrzeit ablesen." Foto: Stephan Tiroch
Der große Fritz Oertel ist begeistert vom kleinen Fritz. "Man sieht jedes Detail. Mit ein bisschen Fantasie kann man sogar die Uhrzeit ablesen." Foto: Stephan Tiroch
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Es tut nicht weh und dauert gerade mal zwölf Sekunden. Dann ist Fritz Oertel schon fertig - einmal komplett um die eigene Achse gedreht und eingescannt. Ein paar Tage später kann sich der Rugendorfer im Systemhaus Horn in Kulmbach seinen Doppelgänger aus dem 3D-Drucker abholen. Die Figur ist detailgenau und ziemlich lebensecht. 22,5 Zentimeter misst der kleine Fritz: grüne Jacke, graue Jeans, Designeruhr am Handgelenk, ein Paar Ski und Stöcke im Arm - genauso wie das große Vorbild.

Oertel steht entspannt mit Skiern und Stöcken auf dem Drehteller - und kann sein dreidimensionales Ebenbild gleich am Computer anschauen. Der Mediengestalter interessiert sich schon rein beruflich dafür, was Kim van Avondt mit den Daten weiter macht. Unter anderem muss das Völkl-Markenlogo ein bisschen nachbearbeitet werden.


Gerät ist ganz neu

Der Personenscanner in Kulmbach ist ganz neu. "Das sind vier Kameras, die mit ihren Tiefensensoren den ganzen Körper in Sekundenschnelle erfassen", erklärt Geschäftsführer Horst Weiß. "Der Kunde muss auf dem Drehteller ganz ruhig stehen. Deshalb funktionieren hier Tieraufnahmen nicht."

Etwas länger hat danach der Drucker zu tun. So genannter Polymergips, ein weiß-grauer Staub, wird schichtweise aufgetragen und eingefärbt. Zehntelmillimeter für Zehntelmillimeter. Der Vorgang kann- je nach Größe - mehrere Stunden dauern. Van Avondt muss nun die fertige Figur nur noch aus ihrer staubigen Umgebung holen. Dazu saugt er das überschüssige Material ab, das nicht als Abfall im Müll landet, sondern wiederverwendet wird. Anschließend steckt er den kleinen Fritz in ein Tauchbad ("eine Art Sekundenkleber"). Die Figur bekommt ihre Festigkeit und endgültige Farbigkeit.

Und wer lässt sich einscannen und ausdrucken? "Es kommen ganz normale Leute, die ein Geschenk brauchen - zum Beispiel die Enkel-Figur für die Oma. Oder jemand will ein Erinnerungsstück haben, wir er vor Jahren mal ausgeschaut hat", sagt Weiß.


Kunden aus Industrie und Wissenschaft

Hauptsächlich arbeitet der 3D-Drucker aber für Kunden aus der Industrie und der Wirtschaft oder dem Forschungsbereich. Dazu der Geschäftsführer: "Automobilzulieferer, Schuhhersteller, Architekten, Designer oder Studenten schicken uns ihre Entwürfe, und wir drucken sie aus." Details nennt er nicht, aber es seien auch sehr bekannte Namen darunter.

Das Systemhaus Horn macht inzwischen den Großteil seines Umsatzes mit 3D-Druckern - Anschaffungspreis zwischen 40.000 und 150.000 Euro. "Kunden in ganz Deutschland haben Geräte von uns, die auch von uns gewartet werden. Unsere Techniker sind ständig unterwegs", berichtet Weiß.

Der 3D-Scanner wird auch von Kulmbachern schon genutzt. "Wir hatten drei Frauen, die ihren Schwangerschaftsbauch in 3D haben wollten", so der Geschäftsführer. "Oder Fitness-Studios schicken ihre Kunden vorbei, um den Fortschritt beim Muskelaufbau oder bei der Gewichtsabnahme zu dokumentieren."


Vor der Brust-OP

Auch für Schönheitschirurgen ist die dreidimensionale Abbildung offenbar sehr interessant. Weiß: "Frauen lassen sich vor einer OP einscannen, damit der Mann daheim anschauen kann, wie sie mit größerer oder kleinerer Brust oder anderer Nase ausschauen."

Unser Skifahrer jedenfalls ist begeistert vom Doppelgänger im Kleinformat. Oertel: "Man sieht jedes Detail. Mit ein bisschen Fantasie kann man sogar die Uhrzeit ablesen." Per Smartphone schickt der 47-Jährige gleich ein Foto nach Hause. "Liebling, ich habe mich geschrumpft", teilt er seiner Frau mit.


Größen und Preise

In Großstädten ist es schon ein richtiger Trend, auf dem flachen Land sind 3D-Personenscanner und 3D-Drucker noch die absolute Ausnahme. Das hängt mit den Kosten zusammen: Für die Technik kann man zusammen locker über 200.000 Euro hinblättern.

"Vor einem Jahr in Düsseldorf haben wir das erste derartige Gerät verkauft", berichtet Geschäftsführer Horst Weiß von der Kulmbacher Systemhaus Horn GmbH. "Da standen die Leute Schlange, um sich scannen zu lassen."

Was die Firma Horn in der Pestalozzistraße zu bieten hat, ist in Oberfranken einmalig. Die nächsten Kollegen, die 3D-Figuren drucken können, gibt es in Nürnberg und Würzburg.

Die Figuren können in unterschiedlichen Größen ausgedruckt werden - von zehn bis 36 Zentimeter. Bearbeitungszeit etwa eine Woche. Die Preise beginnen bei 185 Euro und gehen bis zirka 660 Euro. Wer nur eine 3D-Aufnahme machen lassen will, um den Schwangerschaftsbauch oder das Aussehen vor der Fastenkur zu dokumentieren, muss lediglich 35 Euro auf den Tisch legen.

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