Kulmbach
Innovationspreis

Ideen sind der wichtigste Rohstoff

Die Firma Krumpholz-Werkzeuge und der Autokindersitz-Erfinder Ewald Nüssel wurden mit dem Innovationspreis des Landkreises ausgezeichnet.
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Die Werkzeuge des Familienbetriebs von Claus Krumpholz im Guttenberger Hammer werden in aller Welt geschätzt. Foto: Krumpholz Werkzeuge
Die Werkzeuge des Familienbetriebs von Claus Krumpholz im Guttenberger Hammer werden in aller Welt geschätzt. Foto: Krumpholz Werkzeuge
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Mit der Firma Krumpholz-Werkzeuge e.K., einem bedeutenden Unternehmen aus dem metallverarbeitenden Gewerbe vom Guttenberger Hammer der Marktgemeinde Grafengehaig, und dem Werkzeugmachermeister sowie Erfinder Ewald Nüssel aus Marktschorgast, der sich große Verdienste um die automobile Kindersicherheit erworben hat, wurden am Dienstagabend zwei herausragende Unternehmerpersönlichkeiten mit dem Innovationspreis des Landkreis Kulmbach ausgezeichnet.
Die Förderung von neuen Technologien, von Innovationen, von Forschung und Entwicklung ist auch für den Landkreis Kulmbach ein zentrales Anliegen. Landrat Klaus Peter Söllner: "Wir begreifen es von jeher als eine unserer wichtigsten Aufgaben, für die Wirtschaft adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen, unterstützend zur Seite zu stehen und ein positives, wirtschaftsfreundliches Klima zu fördern." Dazu solle auch der Innovationspreis ein kleiner Beitrag sein.
Landrat Söllner stellte auch die Frage, warum der technische Fortschritt für Deutschland so wichtig ist: "Unser Land lebt von den Ideen seiner Menschen. Es lebt vom Tüftler-, Forscher- und Unternehmergeist.Das ist unser Reichtum. Andere Länder haben andere Quellen des Wohlstands. Unser Rohstoff sind die Ideen." Dass der Erfindergeist auch im Landkreis Kulmbach zu Hause ist, bestätigten auch die beiden Preisträger, so Söllner.
Der Familienbetrieb Krumpholz kann auf eine über 200 Jahre alte Erfahrung und Tradition im Herstellen von qualitativ erstklassigen Handwerkszeugen zurückblicken. Seit sieben Generationen ist die Schmiede ein Familienbetrieb, was das Unternehmen zu einem der ältesten familiengeführten Handwerksbetriebe Europas macht. Der Guttenberger Hammer besteht schon seit dem Mittelalter. Mit der Übernahme durch die Familie Krumpholz wurde aus der Eisenhütte und Waffenschmiede eine Fabrik zur Herstellung von Handwerkszeugen.
Heute lenkt Claus Krumpholz senior die Geschicke des Unternehmens. Schon mit 17 stieg er in das Familiengeschäft ein, arbeitet viele Jahre lang mit, bevor er dann 2003 den Chefposten offiziell von seinem Vater Georg übernahm. Ein Jahr später fokussiert sich die Firma unter seiner Ägide auf den sogenannten "grünen Markt", investiert kräftig und exportiert erste Werkzeuge in das benachbarte Ausland. Österreich ist der wichtigste Partner, gefolgt von Tschechien, Polen und Russland. Werkzeuge für Garten und Forst nehmen aktuell 80 Prozent des Geschäfts ein. Das Unternehmen beschäftigt 15 Mitarbeiter.
Eine besondere Auszeichnung hat das Unternehmen 2016 erfahren: Es wurde mit dem Label "Marke des Jahrhunderts" ausgezeichnet. Damit reiht es sich ein in eine Liste bekannter Namen wie Nivea, Otto, Porsche, Miele, Tesa, Perwoll, Faber-Castell, 4711. Landrat Söllner: "Bei Krumpholz-Werkzeuge stellt die stimmige Kombination aus Erfahrung und Innovationsbereitschaft die Grundlage der erfolgreichen Werkzeugproduktion dar. Diese wird von Generation zu Generation weiterentwickelt, um den Anforderungen qualitätsbewusster Gärtner und professioneller Forstarbeiter zu entsprechen."
Mit Ewald Nüssel wurde eine Persönlichkeit aus Landkreis Kulmbach ausgezeichnet, der weit über die Heimatgrenzen hinaus in Fachkreisen einen Namen hat. Nüssel ist ein Spezialist in Sachen "Sicherheit des Kindes im Auto". Der berufliche Lebensweg von Ewald Nüssel begann 1954, als er eine Lehre bei Max Ihle in Marktschorgast als Werkzeugmacher antritt. 1965 wechselte er in die Abteilung Werkzeugbau bei der Firma Storchenmühle in Mannsflur. Dort befasste er sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Kindersitzen im Auto. Ewald Nüssel beschäftigte sich als Technischer Leiter mit einem bis dahin kaum wahrgenommenen, vollkommen neuen Bereich und legte den Grundstein für Kindersicherheit im Auto. Die Innovation "Kindersitz" ist die Entwicklung von Ewald Nüssel.
1987 ergibt sich für Ewald Nüssel die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Er gründet die Firma LO-FER, in der er als verantwortlicher geschäftsführender Gesellschafter für die "Marke Storchenmühle" Entwicklung und Produktion für Rückhaltesysteme für Kinder im Auto übernimmt. Ein wichtiger Durchbruch gelingt Ewald Nüssel, als er zusammen mit Verkehrsminister Matthias Wissmann im Jahr 1993 das Kanzlerfest in Bonn besucht. Vor den Augen des Bundeskanzlers Helmut Kohl und seiner Gattin Hannelore demonstriert der Entwickler, welchen Gefahren ein Kind bei einem Unfall im Personenauto ausgesetzt ist.
Bis heute ist Nüssels Wissen in der Kindersicherung und -sicherheit im Auto gefragt. So berät er noch viele Firmen in Patentsachen zum Stand der Technik. Landrat Klaus Peter Söllner: "Die Bedeutung seiner Arbeit, seiner Entwicklungen und auf den Markt gebrachten Produkte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden." Trotz seiner Erfindungen sei Ewald Nüssel stets heimatverbunden und bodenständig geblieben. Es sei sein Verdienst, dass in der ehemaligen Storchenmühle in Mannsflur (heute Recaro)bis heute produziert wird.

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