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Bayreuth
Gericht

"Ich habe gesehen, wie du zugestochen hast"

Es war ein sinnloses Zechgelage, das völlig aus dem Ruder lief. Am Ende lag ein 42-Jähriger tot am Boden, erstochen. Ganz offensichtlich vom Angeklagten, einem 57-jährigen Frührentner. Der mutmaßliche Täter soll 3,4 Promille Alkohol im Blut gehabt haben, das Opfer sogar knapp 3,7 Promille.
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Seit Montag muss sich der 57-Jährige vor dem Landgericht in Bayreuth verantworten. Zum Prozessauftakt verweigerte er die Aussage, er wurde aber von mehreren Zeuge, darunter auch von der Freundin des Mannes, belastet.


Auslöser bleibt im Dunkeln


Die Tat hatte sich am 2. Juni des vergangenen Jahres in der Wohnung des Angeklagten mitten in Bayreuth ereignet. Offensichtlich schwelte der Streit zwischen beiden schon seit Stunden. Was genau der Auslöser war, konnte nicht mehr geklärt werden. Den Zeugenaussagen zufolge hatte sich das Opfer wohl über die Freundin des Angeklagten, eine 64-jährige Rentnerin, lustig gemacht.

Fest steht auch, dass Alkohol in Strömen floss.
Man sei sogar noch zu einem nahe gelegenen Supermarkt und habe einen weiteren Kasten Bier und mehrere Flaschen Schnaps geholt, berichtete der 44-jährige Bekannte, der am frühen Nachmittag eher durch Zufall zu dem Zechgelage hinzugestoßen war.


Zehn Flaschen Bier getrunken


Zehn Flaschen Bier soll allein der Angeklagte an diesem Tag schon getrunken haben, berichtete die Freundin. Schon zum Frühstück habe er sich anstatt für Kaffee für Bier entschieden. "Zwei bis drei Flaschen Schnaps haben sie auch noch geköpft", so die Frau, die selbst angeblich keinen Tropfen Alkohol trinkt.

Fest steht auch, dass der 42-Jährige sofort tot war. In der Anklageschrift heißt es, dass der Stich zunächst den Bauchmuskel durchtrennt habe, dann entlang des Rippenbogens verlaufen sei, Zwerchfell und Herzbeutel durchsetzt und schließlich in der rechten Herzkammer geendet habe.


Jede Hilfe kam zu spät


Die Klinge des Messers ist laut Anklage 20 Zentimeter lang, der Einstich 17,5 Zentimeter. Das heißt, der Angeklagte hatte keine Chance, auch wenn der bekannte vor Ort noch Reanimationsmaßnahmen wie Mund-zu-Mund-Beatmung unternahm und eine Herzmassage durchführte. Der Notarzt konnte letztlich nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Zuvor hätten sich beide gewaltig gestritten, sagte die Freundin. Der Angeklagte habe das spätere Opfer hinaus schmeißen wollen, doch der 42-Jährige sei einfach nicht gegangen. Da habe der Beschuldigte das Messer geholt und es ihm "reingerammt", so die Frau, deren Zeugenfähigkeit Verteidiger Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth mehrfach in Frage stellte.


War Opfer recht frech und streitsüchtig?


Die Frau lebt in einem Heim, steht unter Betreuung und leidet unter einer psychologischen Erkrankung.
Selbst wusste sie aber noch ganz genau, dass das spätere Opfer recht frech und streitsüchtig war. "Er hat sich aufgeführt und war rechthaberisch."

Der Angeklagte hatte offenbar versucht, allen Beteiligten noch am Tatort einzureden, dass der 42-Jährige sich das Messer selbst in den Oberkörper gerammt habe. Dem widersprachen aber alle Anwesenden. Sogar die Freundin schrieb ihm kurz vor der Verhandlung einen Brief in die Untersuchungshaft, in dem es hieß: "Ich habe keine andere Wahl, ich muss vor Gericht die Wahrheit sagen. Ich habe gesehen, wie du zugestochen hast." Der Bekannte hatte das zwar nicht gesehen, doch hat er sich genau in dem Moment herumgedreht, als der 42-Jährige zu Boden ging und der Angeklagte das Messer in der Hand hatte. "Was hast du gemacht?", habe er geschrien, worauf der Angeklagte ihn zurechtwies und rief, er solle bloß aufpassen, was er sagt.

Vorher sei ihm der Streit zwischen den beiden schon heftig auf die Nerven gegangen, denn er habe mit einem weiteren anwesenden Mann das Kartenspiel "Schnauz" spielen wollen.


"Ich bin ein Krieger"


Der Zeuge berichtete auch von einer weiteren eigenartigen Begebenheit: Kurz vor dem tödlichen Messerstich soll das Opfer vor die Küchenzeile getreten sein, sich das Hemd ausgezogen und laut geschrien haben: "Ich bin ein Krieger". Das sei sein Standardspruch gewesen, sagte der Zeuge.

Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Insgesamt sind acht Zeugen und drei Sachverständige geladen. Das Urteil könnte bereits am Mittwoch gesprochen werden.

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