Kulmbach

Hundebadetag: Auch in Kulmbach eine gute Idee?

In vielen Freibädern dürfen am letzten Tag der Saison die Vierbeiner ins kalte Nass, in Bayreuth war der Ansturm jüngst enorm. Eine Idee auch für Kulmbach?
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Hund und Mensch genossen den Badetag für Vierbeiner im Bayreuther Kreuzsteinbad am vergangenen Sonntag. Schöner Nebeneffekt: Der Erlös kam dem Tierschutz zugute. Foto: Thorsten Ochs
Hund und Mensch genossen den Badetag für Vierbeiner im Bayreuther Kreuzsteinbad am vergangenen Sonntag. Schöner Nebeneffekt: Der Erlös kam dem Tierschutz zugute. Foto: Thorsten Ochs
Badegäste mit vier Beinen, Fell, Schnauze? Klingt komisch - im Kreuzsteinbad in Bayreuth war das kürzlich Realität: Der zweite Hundebadetag lockte 534 Exemplare aus der Familie der Canidae, vom Schnauzer über den Cockerspaniel bis hin zu Dackel, Spitz und Pudel; dazu 1280 Herrchen/Frauchen sowie Interessierte ohne Begleithund.

Was in Bayreuth großen Erfolg feierte und auch in Städten wie Bamberg und Coburg schon mehrfach stattfand, ist in Kulmbach (noch) kein Thema. Oder doch? Offenbar ja, wie eine aktuelle BR-Diskussion auf Facebook zeigt. Mehr als 3600 erreichte Personen und diverse Kommentare zeugen davon, dass sich die Bürger damit konträr beschäftigen (siehe Artikel unten).

Die Stadtwerke Kulmbach haben sich mit einem Hundebadetag schon befasst, eine Durchführung aber nicht konkret geplant, betont Werkleiter Stephan Pröschold. "Es gab vor ein paar Jahren im neu eröffneten ,Bambados' in Bamberg einen Hundebadetag - und zwar, wenn ich mich recht entsinne, während der laufenden Saison. Da wurde bei uns die Frage aufgeworfen, ob wir eine solche Veranstaltung auch hier im Freibad anbieten sollten." Es sei intern diskutiert worden - "aber mit Blick auf hygienische Bedenken haben wir Abstand genommen".
In der laufenden Saison stelle sich das Thema nicht, denn wegen der verlängerten Saison kommt es zu der ungewöhnlichen Situation, dass das Freibad noch und das Hallenbad schon geöffnet hat - und damit zwei Bäder parallel zu betreuen sind. "Das ist für unsere Leute eine enorme Doppelbelastung. Da lässt sich nicht auch noch ein Hundebadetag schultern."


Technische Besonderheit

Man soll aber, so Pröschold, niemals "nie" sagen. "Ich persönlich halte es zumindest für ausgeschlossen, einen Badetag für Vierbeiner während der Saison zu gewährleisten. Ihn ans Ende der Saison zu hängen, darüber könnte man nachdenken." Allerdings gibt Pröschold zu bedenken, dass in Kulmbach eine technische Besonderheit gegeben sei: "Wir lassen die Becken im Freibad nie ganz leer werden. Das hat den Hintergrund, dass wir über eine Wärmepumpe dem Weißen Main Energie zur Beheizung des Wassers entziehen und im Winter zur Eisbereitung im Kunsteisstadion, denn beiden Systeme sind gekoppelt. Insofern würde es ein gewisses Problem darstellen, ein Becken hygienisch einwandfrei zu reinigen, in dem aus besagten Gründen Wasser stehen bleibt."


Aufschrei gegen das Vorhaben

Die Erfahrungen, die die Bayreuther gemacht haben, sind in jedem Fall positiv, sagt Uwe Kasel, Fachangestellter für den Bäderbetrieb im Kreuzsteinbad. Er spricht von "1800 begeisterten Badegästen". "Bei der Premiere 2015 war das Wetter schlechter, es war bewölkt und relativ kühl, kaum einer wollte da noch schwimmen." Ganz anders diesmal: Der September wartete mit Rekordtemperaturen auf, das Thermometer zeigte 30 Grad.

Das wiederum führte zu einem anderen Problem, wie Kasel betont: "Es gab Aufschreie, warum wir bei dieser Witterung das Bad für die Hunde öffnen und nicht noch länger für die Menschen." In den sozialen Netzwerken ging ein Shitstorm über den Badbetreibern nieder. Kasel und seine Kollegen sahen sich gar persönlichen Anfeindungen ausgesetzt. "Ich kann die Empörung einerseits verstehen und auch wieder nicht", drückt er sich diplomatisch aus. Er selber ist Hundebesitzer und sieht in dem Badetag ein schönes Angebot der Stadt. "Die gewöhnliche Nachfrage war bereits deutlich abgeebbt. Es waren ja sechs Wochen Ferien und nach meinem Dafürhalten genügend Zeit, um das Badeangebot zu nutzen. Die Saison dauerte insgesamt fünf Monate - wer sich dann wegen eines einzigen Tages aufregt, der verkennt, mit Verlaub, ein wenig die Realität."

Ein Abschlusstag mit 1800 zahlenden Gästen könne sich in der Bilanz durchaus sehen lassen, sagt der Bademeister. "In der Hochphase im Juli haben wir an einem schönen Tag an die 6000 Besucher." Das Kreuzsteinbad ist für 10 000 Badewillige ausgelegt.

Die Hunde hatten die Möglichkeit, ihrem Spaß am Nass im Wellen- sowie im Planschbecken (Maximaltiefe 50 Zentimeter) zu frönen. "Im Wellenbereich haben wir eine auslaufende Zone, sodass die Hunde bequem und ohne Sprung vom Rand ins Wasser kommen und auch wieder hinaus", sagt Kasel. Die Chlorung war zwei Tage zuvor ausgeschaltet worden.
Und das Drumherum? "Lief überraschend problemlos", sagt Kasel. Es herrschte demnach Leinenpflicht auf dem Gelände. "Nur in Beckennähe sowie im Freilaufbereich durften die Hunde herumtollen, das Areal ist ja ohnehin umzäunt."

Bleibt die Frage nach der Hygiene. "Ohne gültigen Impfpass kam keiner rein." Und die Hinterlassenschaften? Die Hundebesitzer hätten "wie selbstverständlich" Kotbeutel benutzt und alles klaglos beseitigt, lobt Kasel. "Wir haben danach nochmals gemäht und überlassen das Gelände jetzt der Witterung. Regen und später Schnee und Frost erledigen den Rest."


Anregung aus dem Stadtrat

Nach den Worten von Bayreuths Bäderleiter Harald Schmidt war es eine Anfrage im Stadtrat gewesen, die den Weg für den Hundebadetag ebnete. "Wir haben im Vorfeld Kontakt zu Städten aufgenommen, die bereits eine solche Veranstaltung über die Bühne brachten." So erkundigten sich die Verantwortlichen unter anderem in Bamberg nach organisatorischen Vorgaben wie etwa den Impfschutz der Tiere. Nach dem großen Erfolg in diesem Jahr steht laut Schmidt einer Neuauflage 2017 nichts im Weg.

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