Kulmbach

Hundebadetag: Pro und Contra

Sollten Hunde im Freibad schwimmen dürfen? Jochen Nützel und Alexander Müller haben das Für und Wider abgewogen.
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Auf der Facebookseite der Bayerischen Rundschau hat das Thema Hunedebadetag im wahrsten Wortsinn Wellen geschlagen.
Auf der Facebookseite der Bayerischen Rundschau hat das Thema Hunedebadetag im wahrsten Wortsinn Wellen geschlagen.
PRO: Es geht um einen Tag

Cloppenburg, Castrop-Rauxel, Nürnberg, Vechta, Essen, Köln, Bamberg, Coburg: acht von über achtzig Städten, die auf den Hund als Badegast gekommen sind und in deren Bädern die Becken am letzten Tag der Saison den Wasserratten unter den Vierbeinern vorbehalten sind. Viele unterbreiten das Angebot seit Jahren - von seuchenartigen Zuständen danach ist aus keiner Stadt berichtet worden. Was freilich nicht bedeutet, dass das Thema Hygiene gar keine Rolle spielte. In Bayreuth hat sich gezeigt: Wenn Herrchen und Frauchen ihre Rolle als verantwortliche Halter ernst nehmen (anders als bisweilen in freier Wildbahn), tut das dem Plansch-Spaß für Mensch und Tier auch nachträglich keinen Abbruch.

Das lässt freilich immer noch die Frage offen: Warum sollen Hunde im für Menschen gemachten Bad schwimmen dürfen? Gibt es nicht ausreichend Seen und Flüsse? Eine Dame aus Wunsiedel hat das beim Besuch im Bayreuther Kreuzsteinbad pragmatisch auf den Punkt gebracht: "Hier ist ein geschütztes Umfeld. Ich kenne die Wassertiefe, mein Hund kann problemlos rein und raus. In einem Teich oder Baggersee hüpft er doch ins Ungewisse. Würden Sie das Experiment mit ihrem Kind auch machen?"

Verständnis wird sie damit vor allem nicht bei jenen ernten, die explizit oder zwischen den Zeilen äußern: Ein solches Hundeangebot beweise doch, dass hier das Tier dem Menschen nicht nur gleichgestellt, sondern vorgezogen werde. Warum müssen Kinder außenvor bleiben für Fiffi & Co.? Mir scheint, dass diese Art der Totschlag-"Argumentation" in unserer Gesellschaft immer häufiger an die Stelle echter Differenzierung tritt. Da werden ohne Rücksicht auf Fakten Hundehalter gegen Familien ausgespielt; der Spaß des einen bedeute automatisch den Verzicht des anderen. Aus den lachenden Augen der Kinder im Bad sprach kein Verzicht, sondern Herzlichkeit. Schriftsteller Carl Zuckmayer sähe sich bestätigt in seinem Credo: "Wer kein Tierfreund ist, kann kein Menschenfreund sein." Jochen Nützel


CONTRA: Bad für Menschen

Die Anzahl der Hunde in Deutschland ist zwischen 2000 und 2015 von 5 auf 7,9 Millionen gestiegen. Die gefühlte Präsenz der Vierbeiner ohne Zweifel ebenfalls - allenthalben werden Diskussionen über Anleinpflicht und "Tretminen" im öffentlichen Grün geführt, in aller Regel zurückzuführen auf wenig rücksichtsvolle Halter.
Nun haben findige Freibadbetreiber Hundebesitzer als mögliche Besucher ihrer Einrichtungen ausgemacht - und bundesweit kann man Meldungen über Badetage für Bello und Co lesen. Mancherorts ein richtiger Marketingerfolg für die Organisatoren.
Ohne Zweifel tut das Herumplanschen im Wasser den Hunden gut, vor allem Kinder haben mindestens ebenso viel Spaß an solchen Aktionen, wenn ihr treues Haustier glücklich ist.
Und natürlich sichern die Betreiber zu, dass anschließend alles wieder sauber gemacht wird - und betonen, dass man einen Tag im Jahr, vor allem am Ende der Saison, doch den Hunden widmen könnte.
Ganz abgesehen davon, dass mir durchaus sozialere Aktionen einfallen würden, wenn man schon einer bestimmten Gruppe eine Freude machen will, gehen mir derartige Initiativen einfach ein wenig weit. Freibäder sind nun einmal für Menschen gebaut, die dort baden oder schwimmen wollen - und nicht für noch so sehr geschätzte Haustiere.
Und selbst wenn alles mehrmals gereinigt wird, wird es sicher den einen oder anderen geben, der beim Gedanken an den Hundebadetag einfach weniger Freude empfindet, wenn er das Schwimmbad besucht.
Vor allem besteht auch gar keine Notwendigkeit - es gibt in der Natur schließlich genug Seen, Bäche und Flüsse, in denen sich Hunde erfrischen und ein wenig schwimmen können.
Die Natur ist vielleicht auch tatsächlich besser für die (Haus-)Tiere geeignet - und weniger die gefliesten Becken eines Schwimmbads, die gerade wegen ihrer geplanten Nutzung durch Menschen gar nicht für Hunde ausgelegt sind. Alexander Müller

Kommentare (1)

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